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EBENSFELD / PRÄCHTING

BN: „Wunderbare Verkehrsvermehrung in Ebensfeld“

BN: „Wunderbare Verkehrsvermehrung in Ebensfeld“
Neue Diskussionen löste dieser Lageplan des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg beim Bund Naturschutz aus, den dieser erst nach dem ersten Spatenstich für die neue Staatsstraße zwischen Prächting und Ebensfeld erhielt. Foto: Red

„Im Obermain-Tagblatt war über den Spatenstich für die neue Staatsstraße zu lesen, dass sich alle Beteiligten am Festakt über den Entlastungseffekt dieser Straße für die Ortsdurchfahrt von Ebensfeld in Höhe von 2000 Fahrzeugen freuten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisgruppe des Bund Naturschutz. In einer kürzlich anberaumten Vorstandsbesprechung wurde über dieses strittige Thema intensiv diskutiert.

BN-Ortsvorsitzender Ludwig Wendler informierte: „In den Unterlagen der Ausschreibung der Brücke für die neue Straße steht, dass auf der vorhandenen Staatsstraße zwischen Prächting und Ebensfeld zurzeit täglich 1520 Autos und 42 Laster, also 1562 Kraftfahrzeuge unterwegs sind. Diese Verkehrsmenge teilt sich an der Einmündung der Prächtinger Straße in die Hauptstraße in Richtung Bamberg und Bad Staffelstein auf.

Im Jahr 2020 wurden in der Ebensfelder Hauptstraße in Höhe der R&V- Bank etwa 6000 Kraftfahrzeuge gezählt. Falls nach Angaben des Staatlichen Bauamts 70 Prozent des Verkehrs aus oder nach Prächting in Richtung Bamberg fährt, so fahren an der Zählstelle R&V-Bank nur 1093 Kraftfahrzeuge von und nach Prächting. Die Entlastung in Ebensfeld ist demnach also nicht 2000 Kraftfahrzeuge, sondern lediglich 1093 Kraftfahrzeuge. Dieser Unterschied macht stutzig. Das müssten das Staatliche Bauamt und die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer schon uns Bürgern erklären. Der doppelt so hohe Entlastungseffekt passt anscheinend besser als Begründung für die aus unserer Sicht unnötige neue Staatsstraße.“

Bereits im Juni 2020 wegen Planung bei Bezirk nachgefragt

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt meinte nachdenklich: „Merkwürdig ist auch der Umgang mit dem Problem des nahe der Straße liegenden Neubaus des Bezirksklinikums Kutzenberg (BKO). Bereits am 2. Juni 2020 suchte der Bund Naturschutz das Gespräch mit der Geschäftsleitung und bat um einen Plan, aus dem sowohl der geplante Neubau des BKO als auch die geplante Staatsstraße zu sehen und zu beurteilen sind. Fazit des Gesprächs: Es gebe keinen solchen Plan.

In den folgenden Monaten ersuchte der BN sämtliche relevanten Behörden und politischen Entscheidungsträger im Landkreis, im Bezirk, in der Staatsregierung und im Staatlichen Bauamt Bamberg um einen maßstäblichen, diesbezüglich aussagefähigen Lageplan.

Fazit: Beschwichtigungen hinsichtlich Lärmimmissionen (Grenzwerte würden hinsichtlich der Neubauplanungen des BKO eingehalten); Ignorierung der Landschaftszerschneidung, des unnötigen Flächenverbrauchs, fehlende Berücksichtigung der neuen Gewerbegebiete Ebensfeld Nord und Unterneuses bei der Staatsstraßenplanung sowie eine fehlende wesentlich niedrigere Neubewertung des Kosten/Nutzenfaktors für den ,Luxus-Autobahnzubringer‘“.

„Missachtung der Klimaziele ist skandalös“

BN: „Wunderbare Verkehrsvermehrung in Ebensfeld“
Neue Diskussionen löste dieser Lageplan des Bezirksklinikums Obermain in Kutzenberg beim Bund Naturschutz aus, den dieser erst nach dem ersten Spatenstich für die neue Staatsstraße zwischen Prächting und Ebensfeld erhielt. Foto: Red

BN-Schatzmeisterin Elfriede Fischer hob hervor: „Die Missachtung der Klimaziele der bayerischen Staatsregierung und des sparsamen Umgangs mit der Fläche ist skandalös“. Alles dies werde abgetan mit der Bemerkung in den Briefen der Entscheidungsträger: „Für diese Straße besteht unmittelbar vollziehbares Baurecht, Klagen des BN wurden abgewiesen, Petitionen haben sich erledigt…“

Anton Reinhardt meinte: „Das ganze taktische Vorgehen gipfelt darin, dass der Bezirkstagspräsident erst am Tag des Spatenstichs für die neue Staatsstraße, dem 6. Oktober, an den BN einen Brief mit einem Lageplan absandte, der sowohl die Neubauplanungen des BKO als auch der Staatsstraße enthält – genau 15 Monate nach unserer ersten Vorsprache in Kutzenberg mit der Bitte um einen aussagefähigen Plan.

Nun stellten wir fest, dass der Plan bereits im Jahr 2020 (!) existiert haben muss und uns verweigert wurde. Außerdem bestehen erhebliche Unterschiede zum Plan des Architekturbüros WGF Nürnberg, das für den BKO-Neubau zuständig war, nicht jedoch für die Staatsstraßenplanung. Hat man der WGF etwa verschwiegen, dass nicht weit vom BKO eine Staatsstraße gebaut werden soll? Oder ist man mit diesem Unternehmen genauso wie mit dem BN umgegangen?“

Wie bei der B 173-neu: Bevölkerung nicht zum Spatenstich eingeladen

Was Reinhardt auch merkwürdig stimmte: „Zum Festakt des ersten Spatenstichs hat man die Bevölkerung nicht eingeladen, nicht einmal die Oppositionsparteien wurden dazu offiziell eingeladen. Merkwürdige Parallele: Zum Festakt des ersten Spatenstichs zur B 173-neu in Hochstadt hat man ebenfalls die Bevölkerung nicht eingeladen. Warum wohl?“

Abschließend mahnte er: „Die politisch maßgeblichen Entscheidungsträger werden die negativen Folgen ihrer Fehlentscheidung vor der Öffentlichkeit zu verantworten haben, falls sie trotz aller Warnungen des BN weiter unbelehrbar an diesem Straßenbauprojekt festhalten.“ (ant)

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