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KUTZENBERG

Bezirksklinikum Kutzenberg: Erinnerungen zum Leben erwecken

Für eine geplante Gedenkstätte in Kutzenberg werden alte Geschichten, Fotosund Filme gesucht. Foto: red

Über 100 Jahre Krankenhaus-Historie – da gibt es eine Menge Geschichten zu erzählen. Am 16. September 1905 zogen fünf Männer aus Bayreuth als erste Patienten ein, Zehntausende wurde seitdem in Kutzenberg behandelt. Die Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (GeBO) planen gemeinsam mit dem Bezirk, der spannenden und abwechslungsreichen Geschichte eine Gedenkstätte auf dem Gelände des Bezirksklinikums Obermain zu widmen.

Dazu gehört auch eines der dunkelsten Kapitel Kutzenbergs, die Zeit während der Nazi-Diktatur, in deren Verlauf über 400 Patienten der damaligen Heil- und Pflegeanstalt im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms T4 verschleppt und ermordet wurden. Doch die Gedenkstätte will mehr als nur den moralischen Zeigefinger zu erheben. Dazu sagt Bezirkstagspräsident Henry Schramm: „Wir wollen auch zeigen, wie sich Therapie und Behandlung in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, hin zu einer hochmodernen Psychiatrie, einem spezialisierten Lungenzentrum und einer Rheumafachklinik.“

GeBO-Vorstand Katja Bittner erklärt: „Wir wollen diese über 100 Jahre zum Leben erwecken. Kutzenberg hat so viele spannende Geschichten zu erzählen, die man sehen, hören und fühlen können soll.“

Tatsächlich haben die im Pavillonstil erbauten Gebäude im Laufe der Jahrzehnte so einiges „gesehen“: von den ersten Bewohnern der sogenannten Kreisirrenanstalt, die dann zur Oberfränkischen Heil- und Pflegeanstalt wurde und ausschließlich für psychiatrische Patienten da war, über die schwerpunktmäßige Behandlung von Tuberkulose-Kranken ab 1946 bis zur Entwicklung zum modernen Bezirksklinikum Obermain mit den Fachkliniken für Psychiatrie, Rheuma- und Lungen Erkrankungen.

Einiges ist noch in Kutzenberg vorhanden, zum Beispiel historische Fotos sowie Dokumente. Und es gibt auch wichtige Zeitzeugen wie zum Beispiel Ordensschwestern, die bis ins Jahr 2015 Bewohner und Patienten in Kutzenberg betreuten und heute in einem Würzburger Stift leben. Einen umfassenden Überblick über die „Betreuung hospitalisierter Menschen in der oberfränkischen Heil- und Pflegeanstalt Kutzenberg von 1905 bis 1946“ bietet die Hausarbeit für die Staatsprüfung für das Lehramt des Pädagogen Alfons Zenk, der viele Jahre lang persönliche Verbindungen zu Kutzenberg besaß. „Das Werk ist eine fantastische Grundlage für die weitere Durchdringung der Geschichte dieses Ortes“, ist sich auch der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold sicher.

Doch für eine Gedenkstätte, wie sie in Kutzenberg entstehen soll, braucht es sehr viel mehr. „Alles, was mit Kutzenberg in Zusammenhang steht, kann interessant sein“, sagt GeBO-Vorstand Katja Bittner. Alte Fotos, Briefe, Alltags- Gegenstände oder Film-Aufnahmen, aber auch Geschichten, die ehemalige Patienten, ihre Angehörigen und Mitarbeiter erlebt oder vielleicht auch von ihren Verwandten erzählt bekommen haben.

Darum bittet das Bezirksklinikum, Menschen, die solche Dokumente oder Gegenstände besitzen oder deren Freunde oder Bekannte sich bei der GeBO-Öffentlichkeitsarbeit, Ulrike Sommerer, unter Tel. (0921) 283 9404, ulrike.sommerer@gebo-med.de oder Bezirksklinikum Obermain, Kutzenberg, 96250 Ebensfeld zu melden. (red)

Eine alte Ansicht der Gebäude in Kutzenberg. Foto: red
Erntehelferinnen in Kutzenberg. Foto: red

Von Konstanze Kastner

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