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BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelsteiner Kurpark bebt bei Fiddlers Green

Bad Staffelsteiner Kurpark bebt bei Fiddlers Green
Die „Kilkenny Knights“ mit Wirbelwind Bine heizten dem Publikum kräftig ein. Foto: Werner Diefenthal

Endlich wieder Musik, endlich wieder feiern. Das dachten sich etwa 900 Besucher und Besucherinnen, die sich am Samstagabend im Kurpark versammelten, um bei herrlichem Wetter ein Konzert zu erleben, das an Lautstärke und Fröhlichkeit kaum zu überbieten war. Zwar fand es nicht, wie ursprünglich angekündigt, auf der Seebühne, sondern im Rosengarten statt, denn nur so waren die Auflagen bezüglich Abstands zu gewährleisten, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.

„Letztes Jahr hatten wir ja 30-jähriges Jubiläum. Wir haben sagenhafte drei Konzerte spielen dürfen. Aber das holen wir jetzt alles nach.“
Ralf Albers, Sänger von Fiddlers Green

Pünktlich auf die Minute betraten sechs junge Menschen die Bühne und wurden die ersten Riffs durch die Lautsprecher gepumpt, gefolgt von einem weiblichen Wirbelwind, der Flöte spielend über die Plattform hüpfte, tanzte, sprang und sowohl die Band als auch das Publikum mitriss. Die „Kilkenny Knights“ aus Coburg heizten kräftig vor, ließen die Betriebstemperatur beim Publikum steigen. Ihr Irish Folk riss das Publikum mit.

„Kilkenny Knights“ heizt kräftig ein

Bereits beim zweiten Lied stand der Großteil der Gäste und klatschte begeistert mit. Nach 45 Minuten verließen sie unter großem Beifall die Bühne, die lautstark geforderte Zugabe musste aus zeitlichen Gründen leider entfallen.

Bad Staffelsteiner Kurpark bebt bei Fiddlers Green
Auch mit einer Gießkanne kann man Musik machen. Foto: Werner Diefenthal

Zwanzig Minuten später war es dann soweit, Fiddlers Green, die Band, die 2020 ihr 30-jähriges Bestehen hätte feiern können, betrat die Bühne. Bei „Whisky in the jar“ hielt es niemanden mehr auf seinem Sitzplatz. Mit einem Seitenhieb auf ein vor kurzem durch einen Veranstalter abgebrochenes Konzert von Nena, die das Publikum aufgefordert hatte, die Regeln nicht zu beachten, brachte Sänger Ralf Albers es auf den Punkt: „Ihr dürft sitzen bleiben, wenn ihr wollt. Aber ihr könnt aufstehen, klatschen, hüpfen, tanzen. Ungefähr im Radius von so 20 Zentimetern. Denn wir halten uns ja an die Regeln!“

Ordner hatten nicht viel zu tun

Der Bereich vor der Bühne war absolut tabu. Und das Publikum hielt sich erfreulicherweise daran. Die Ordner, die mit Argusaugen alles beobachteten, hatten an diesem Abend nicht viel zu tun. Mitreißend und laut ging es weiter. Man spürte, sowohl die Band als auch das Publikum waren hungrig nach Musik, nach Tanzen, Singen, Klatschen. Takt- und Textsicher gingen alle mit, die Hände zum Himmel gestreckt. Der Gesang aus 900 Kehlen unterstützte dabei als Chor die Akteure auf der Bühne, die ihr Bestes gaben, um die langsam kühler werdenden Temperaturen vergessen zu lassen.

Eine Punk-Version der Ballade „Auld Long Syne“ ließ den Kurpark endgültig erbeben. Und bei „Galway Girl“ wurde der Refrain teilweise lauter gesungen, als der Leadsänger es tat. Auch das neue Stück „Land in Sicht“ durfte nicht fehlen – ein Lied, das die Stimmung der Band auf den Punkt bringt. Es geht wieder aufwärts, man darf wieder spielen, es ist Land in Sicht.

Das Geheimnis um eine Gießkanne gelüftet

Verwirrung herrschte kurzfristig, als man eine Gießkanne auf die Bühne brachte. Das Geheimnis lüftete sich schnell, als sich Schlagzeuger Frank Jooss an eine Pauke stellte, Tobias Heindl mit seiner Geige dazugesellte und Stefan Klug die Bodhrán schlug. Unter einem Regen aus der Kanne verwandelte sich die Pauke unter dem Lichtspiel der vielen Scheinwerfer auf der Bühne in eine Art funkensprühendes Instrument, bevor sie schließlich als Schlaginstrument benutzt wurde.

Bad Staffelsteiner Kurpark bebt bei Fiddlers Green
Das Publikum ging begeistert mit. Foto: Werner Diefenthal

Mit extremer Spielfreude, unter launigen Sprüchen, arbeitete man sich durch die ja inzwischen 31-jährige Bandgeschichte. „Letztes Jahr hatten wir ja 30-jähriges Jubiläum. Wir haben sagenhafte drei Konzerte spielen dürfen. Aber das holen wir jetzt alles nach“, brachte Sänger Ralf Albers die Situation auf den Punkt. Doch der Höhepunkt fehlte, und der kam mit dem Lied „Old Dun Cow“. Ein Song, der beschreibt, wie ein Pub brennt, aber einer der Gäste einfach sitzen bleibt und sich nicht stören lässt, egal, wie oft man ihn ruft.

Die verschiedenen Fußbekleidungen von Pat Prziwara

Nicht vergessen wurde natürlich „Folk?s not dead“, bevor man sich zum ersten Mal verabschiedete. Die geforderten Zugaben wurden selbstverständlich erfüllt. Und nun wurde auch das Rätsel um die verschiedenen Fußbekleidungen von Pat Prziwara gelüftet. Dieser hatte sich drei Tage vor dem Konzert den kleinen Zeh an einer an der Wand lehnenden Bierbank malträtiert, so dass er in keinen Schuh mehr passte. Dies hinderte ihn aber nicht daran, diesen Auftritt zu genießen. Das hatte auch das Publikum getan, nachdem ein lauter, aber toller Abend zu Ende gegangen war.

Ein Wermutstropfen war die nicht perfekt ausgesteuerte Anlage, die die Gesangsstimmen leider zu oft nur als Geschrei wiedergab. Und vielleicht hätte man gut daran getan, die Bühne ein wenig höher zu setzen, um den Gästen in den hinteren Reihen eine bessere Sicht zu bieten. Doch das störte das Publikum herzlich wenig, zu groß war die Freude, endlich wieder gemeinsam feiern zu können.

 

Von Werner Diefenthal

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