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BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Rollstuhlfahrer muss draußen bleiben

Weil er nicht vor seinem Haus im Weidenweg parken darf, stellt Marc Friedrich sein Auto notgedrungen auf dem Äußeren Frankenring ab. Zu gefährlichen Situationen kommt es, wenn der Rollstuhlfahrer ein- oder aussteigt. Foto: Gerhard Herrmann

Seit Freitag parkt Marc Friedrich sein Auto auf dem Äußeren Frankenring in Bad Staffelstein. Jedes Mal, wenn der Rollstuhlfahrer anhält und die Autotür öffnet, kommt es zu einem kleinen Stau, Autos bremsen abrupt ab, blinken, ziehen an ihm vorbei. Wenige Meter von seinem Rollstuhl entfernt. Eine Gefahrensituation nicht nur für den 49-Jährigen, sondern auch für die anderen Verkehrsteilnehmer. Doch Marc Friedrich weiß sich nicht anders zu helfen, seit ihm ein Polizeibeamter verboten hat, vor seinem Wohnhaus im parallel laufenden Weidenweg auf dem gepflasterten Gehstreifen zu parken und ihm eine Verwarnung ausgestellt hat.

Auf dem Pflasterstreifen vor seinem Haus im Weidenweg darf Marc Friedrich nicht mehr parken, obwohl die Stadtverwaltung das 20 Jahre lang tolerierte. Foto: Gerhard Herrmann

Der 49-jährige Bautechniker ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Das Auto benötigt er für den täglichen Weg zur Arbeit und Besorgungen. „Seit 20 Jahren parke ich mit Einverständnis der Stadtverwaltung vor meinem Haus, weil ich als Rollstuhlfahrer keine andere Möglichkeit habe“, wundert sich Marc Friedrich. Auf dem Pflasterstreifen ist das Parken zwar verboten, doch die Parkbuchten auf der anderen Seite sind zu schmal, als dass Friedrich mit seinem Rollstuhl dort einsteigen könnte, wenn auf dem benachbarten Stellplatz ein Auto parkt. Einen Behindertenparkplatz gibt es in der Umgehung nicht.

„Das hat wehgetan: Ich habe mich hilflos, diskriminiert und gedemütigt gefühlt.“
Marc Friedrich, Bautechniker
Diesen Strafzettel erhielt Marc Friedrich, weil er auf dem gepflasterten Gehstreifen vor seinem Haus im Weidenweg parkte. 20 Jahre lang hatte niemand daran Anstoß genommen. Foto: Von Gerhard Herrmann

Den ersten Strafzettel nach 20 Jahren geduldeten Parkens erhielt Marc Friedrich am vergangenen Freitagmorgen. Mehrfach versuchte er den Beamten, der ihn ausgestellt hatte, zu erreichen, doch da telefonisch keine Einigung zu erzielen war, fuhr er nachmittags zur Polizeistation und erklärte ihm sein Problem. „Ich dürfe da nicht stehen, er werde im Weidenweg vermehrt Streife fahren und mir jedesmal eine Verwarnung aussstellen, wenn ich dort parke“, habe der ihm beschieden. „Wenn ich keinen anderen Stellplatz fände, könnte ich mich auch auf den Äußeren Frankenring stellen.“ Als er ihn auf seine Behinderung und den blauen Berechtigungsschein an der Windschutzscheibe hinwies, habe der Beamte ihn abgespeist mit der Bemerkung: „Ihr habt mit eurem blauen Schein schon genug Vorteile, dieser Schein ist kein Freifahrtschein für alles.“

„Das hat wehgetan: Ich habe mich hilflos, diskriminiert und gedemütigt gefühlt“, sagt der 49-Jährige. Seitdem parkt er auf dem Äußeren Frankenring, obwohl er sich der Gefahr bewusst ist. Allerdings hat er Sorge, wie er den etwa 300 Meter weiten Weg bei Glätte oder Schnee mit seinem Rollstuhl bewältigen soll. Kurioserweise wurde er in der Freitagnacht von zwei Polizeibeamten in Zivil aufgesucht, weil sie Beschweden über Behinderungen durch das Auto auf dem Äußeren Frankenring erhalten hatten. „Die wunderten sich auch über die Maßgabe ihres Kollegen.“

Nachbar bestätigt: Müllabfuhr und Feuerwehr kommen problemlos durch

Beim Aussteigen fahren die Autos mit 50 Kilometern an Marc Friedrich vorbei. Foto: Gerhard Herrmann

„Es stört keinen, wenn er sein Auto dort parkt“, bestätigt auch Friedrichs Nachbar Stefan Bauer. Der Gehstreifen werde in der Sackgasse ohnehin nicht benutzt. Die Müllabfuhr komme problemlos durch, sogar ein Feuerwehreinsatz wegen eines Küchenbrand sei problemlos abgelaufen, obwohl Friedrichs Auto auf dem Gehstreifen stand.

„Von der Stadt aus ging das so in Ordnung, bei uns hat sich niemand darüber beschwert“, erklärt auch Günther Kestel vom Ordnungsamt auf Anfrage. „Das Parken auf dem Frankenweg ist nicht die Lösung“, betont er.

Eine Polizeistreife habe nach Beschwerden von Anwohnern über Falschparker im Weidenweg kontrolliert – dabei sei das Auto von Friedrich aufgefallen, erklärt Sonja Schneider, Leiterin der Polizeistation Bad Staffelstein. Sie habe Verständnis für die Situation von Marc Friedrich, doch müsse die Polizei alle Verkehrsteilnehmer gleich behandeln und könne aufgrund seiner Behinderung keine Ausnahme machen. Es gebe private und öffentliche Parkplätze in dem Bereich, aber auf dem Gehstreifen gelte Parkverbot.

Der zuständige Beamte habe Friedrich nicht angewiesen auf dem Äußeren Frankenring zu parken, sondern ihn im Gespräch lediglich darauf hingewiesen, dass das Parken dort nicht verboten sei. Zu einer mündlichen erteilten Duldung der Stadt könne sie nichts sagen, die Polizei könne nur aufgrund der Rechtslage entscheiden. „Wir nehmen uns der Sache an und hoffen auf eine einvernehmliche Lösung zusammen mit der Stadt, betonte sie.

Gleichzeitig stellte sich die Polizeichefin vor ihren Untergebenen und wies den Sturm der Vorwürfe, der sich in den sozialen Medien gegen den Beamten erhoben hat, zurück. „Gegen polizeiliche Maßnahmen kann jederzeit Einspruch erhoben werden, auch gegen das Verhalten einzelner Beamter.“ Sie würden vorbehaltlos untersucht. Die Vorwürfe gegen den Beamten seien haltlos.

Von Gerhard Herrmann

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