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Bad Staffelstein: Obermain Therme öffnet zum 13. Juli

Noch ist er menschenleer, der Heinrich-Kohles-Platz an der Obermain Therme. Ab dem 13. Juli aber dürfte das wieder anders werden, denn dann wird der Betrieb nach der Corona-Zwangspause wieder aufgenommen. Foto: Markus Drossel

Nun wird es doch erst der Montag, 13. Juli, an dem die Obermain Therme nach dann 16-wöchiger Pause aufgrund der Corona-Pandemie wieder ihre Tore öffnet. Erlaubt wäre es laut Erlass der Staatsregierung zwar schon drei Wochen früher, doch verzögern sich die Sanierungsarbeiten an der Badewasseraufbereitung. Dort sind die Schäden größer, als ursprünglich angenommen.

In der Suuri-Sauna laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Foto: Drossel

In der Sitzung des Kreisausschusses im großen Saal des Landratsamts nahm Werkleiter Hans-Josef Stich ausführlich Stellung zur Situation in den vergangenen Monaten. „Das Jahr 2019 war ein Rekordjahr. Nach 2014 erreichten wir noch einmal über 800 000 Besucher. Über 300 000 davon durften wir in der Sauna begrüßen“, so Stich. „Damit gehören wie in Deutschland zu den Top fünf der meistgenutzten Einrichtungen dieser Art.“ Die Obermain Therme investierte im vergangenen Jahr über 3,4 Millionen Euro, vornehmlich in die Fortführung der Generalsanierung, und schaffte es dabei, ohne weitere Darlehen auszukommen.

In den ersten Monaten des Jahres 2020 sehr hohe Besucherzahlen

„In den ersten Monaten des Jahres 2020 waren wir erneut auf Rekordkurs.“ Dann aber kam der Aschermittwoch und mit ihm immer mehr Meldungen zu Corona. Und es war ausgerechnet der Freitag, der Dreizehnte (März), an dem „das Jammertal“ (Landrat Christian Meißner, CSU) für die Obermain Therme und deren Mitarbeiter und Verantwortliche begann. Die Therme Erding, die nach eigenen Angaben größte Therme der Welt, meldete frühmorgens ihre Schließung aufgrund von Covid-19, im Landkreis Lichtenfels gab es auch schon die ersten Erkrankten. Woraufhin der Krisenstab um Landrat Christian Meißner der Thermenleitung signalisierte, dass die Obermain Therme auch schließen müsste. Und so kam es dann auch am Sonntag, 15. März.

Lockt jährlich normalerweise über 300000 Besucher: Das Saunaland der Obermian Therme. Foto: Markus Drossel

Zur Hälfte gehört der Zweckverband Thermalsolbad dem Landkreis Lichtenfels, zur anderen der Stadt Bad Staffelstein. „In den über 30 Betriebsjahren war die Obermain Therme in der Regel nur an Heiligabend zu“, sagte Landrat Christian Meißner, der auch aktuell Verbandsvorsitzender ist. „Der Tourismus der Region hängt zu großen Teilen unmittelbar an der Therme, die Besucher ebenso lockt wie Vierzehnheiligen, Kloster Banz oder der Staffelberg.“ Und die auch von den Landkreisbürgern gerne genutzt wird.

Vermutlich bis auf Weiteres keine Aufgüsse in bayerischen Thermen

„Es waren bittere Momente. Umso wichtiger ist die Nachricht, dass die Thermen in Bayern wieder öffnen dürfen“, so Meißner. Aber: „Wir wissen zwar, dass wir wieder öffnen dürfen, und das laut Freistaat zum 22. Juni. Doch das ,Wie?‘ ist bis heute nicht bekannt“, übte Werkleiter Hans-Josef Stich Kritik an der Staatsregierung.

In Brandenburg beispielsweise bemesse sich das Gästeaufkommen an der Zahl der Umkleiden. Das würde für die Obermain Therme bedeuten: Sie hat 1400 Umkleiden, dürfte 700 Gäste einlassen. Statt bislang durchschnittlich 2300 pro Tag. Doch welche Hygienebestimmungen und Abstandsregeln werden gelten? Wie viele Gäste dürften gleichzeitig in einem Becken sein? „Da wird es wohl in den nächsten Tagen Informationen geben“, meinte Landrat Christian Meißner. Stich: „Sicher ist wohl, dass es bis auf Weiteres keine Aufgüsse geben wird.“

Im Haushalt des Zweckverbands Obermain Therme, der noch von einer Öffnung zum 1. Juli ausgegangen war, nehmen die Kalkulatoren an,, dass ab dann 50 Prozent der Einnahmen generiert werden können, verglichen mit einem „normalen“ Monat. Die Kosten sind indes auch während der Zwangspause weitergelaufen: Gas-, Strom-, Personal- und weitere Grundkosten bleiben. „Man kann eine Therme eben nicht komplett auf Null herunterfahren“, erläuterte Stich. Stattdessen wurden Instandsetzungsarbeiten vorgezogen (diese Redaktion berichtete), unter anderem an den Piscinen, im Ruhehaus (hier wurde Boden ausgetauscht) und im Keller an den Betonbehältern der Badewasseraufbereitung. „Diese sind seit über 30 Jahren im Dauereinsatz. Ihre Sanierung wäre während des laufenden Betriebs gar nicht möglich gewesen“, sagte Stich. Letztlich hatte das Salz der Sole den Becken aber weit mehr zugesetzt als angenommen. „Erst wenn die Behälter fertig saniert sind, können wir die Badewasseraufbereitung wieder starten.“

Klar sei, dass 2020 „ein Jahr mit Blessuren“ wird für die Obermain Therme, so Stich. Und mit hohen Verlusten, die der öffentlich-rechtliche Zweckverband Thermalsolbad selbst schultern muss. Denn während der große Konkurrent, die Therme Erding, Überbrückungsgelder von Bund und Land bekomme, weil sie von einem privaten Unternehmen betrieben wird, und das Staatsbad Bad Steben der Freistaat finanziell auffängt, erhalte die Obermain Therme nichts. „Dabei sind wir in einer Branche, die extrem von Corona getroffen wurde und am längsten von Schließung betroffen war“, ärgerte sich Werkleiter Stich. Das machte Kreisrätin Monika Faber (SPD) fassungslos: „Dieses Ungleichgewicht ist ja ein Hammer!“ In Ihrer Eigenschaft als VdK-Kreisvorsitzende fragte sie an, wie es um die Anwendungsmöglichkeiten beispielsweise der Osteoporosegruppe des VdK bestellt sei. Stich konnte dazu noch eine Auskunft geben.

„Wir wissen, dass wir wieder öffnen dürfen, um zwar laut Freistaat zum 22. Juni. Doch das ,Wie?' ist bis heute nicht bekannt.“
Hans-Josef Stich, Werkleiter Obermain Therme
In den Becken der Obermain Therme befindet sich derzeit kein Badewasser. Foto: Markus Drossel

Der Haushalt des Zweckverbands Thermalsolbad, der den Ausschussmitgliedern einstimmig verabschiedet wurde, enthielt coronabedingt viele Fragezeichen. Gerechnet wird damit, dass die Obermain Therme Kredite in Höhe von 3,6 Millionen Euro aufnehmen muss. Rund eine Million Euro wird der vierte Teil der Generalsanierung verschlingen, weitere 500 000 Euro der fünfte. Die Gießerei einer benachbarten Firma wich zugunsten eines Parkplatzes für die Obermain Therme (215 000). Ein Sonnensegel für den Kurpark soll 220 000 Euro kosten. Und dergleichen mehr.

Im Jahr 2015 errichtet, nun schon wieder zu klein: die Aufgusssauna

Zum Haushaltsposten „Neubau Aufgusssauna mit Ruheraum“, der mit 600 000 Euro vermerkt ist, hatte Heinz Petterich (Freie Wähler) Rückfragen. „Die Aufgusssauna wurde 2015 bei der letzten Erweiterung gebaut. Es hat sich herausgestellt, dass sie nicht viel zu groß, sondern viel zu klein ist“, antwortete Verbandsvorsitzender Christian Meißner. Statt der bislang 80 Gäste sollen dann zeitgleich bis zu 200 im Neubau Platz finden. „Immer mehr Gäste kommen wegen der Saunen. Wir sind sozusagen Opfer unseres Erfolgs.“

Werkleiter Stich merkte an, dass der Neubau aber ins kommende Jahr verschoben werden soll. Weil es eben auf Sicht keine Aufgüsse geben dürfte. „Unser Anspruch ist es übrigens nicht, irgendwann auf eine Million Besucher jährlich zu kommen, denn dann leidet die Qualität, die wir bieten wollen.“

Wohnmobilstellplätze an der Therme zu 80 Prozent ausgelastet

Bald dürften auch die „Querkerla“ am Brunnen vor der Obermain Therme wieder sprudeln. Foto: Markus Drossel

Ferner wollte Petterich wissen, ob es denn wirklich nötig sei, noch einen weiteren Wohnmobilstellplatz für die Therme zu errichten, veranschlagt im Plan für den Finanzierungszeitraum bis 2023 mit 1,2 Millionen Euro. Von Landrat und Verbandsvorsitzendem Meißner kam ein ganz klares Ja: „Das ist nichts, was von der Therme finanziert wird, sondern womit die Therme Geld verdient.“ Der bisherige Wohnmobilstellplatz sei 80 Prozent ausgelastet, das ganze Jahr über.

Landschaftspflege, Krisenstab, Pro-Kopf-Verschuldung: Im Kreisausschuss kurz notiert

* 518,46 Euro: So viele Schulden hatte jeder Landkreisbürger pro Kopf zum Jahreswechsel, rechnet man die Kredite des Landkreises auf die Einzelperson herunter. Der stellvertretende Kreiskämmerer Michael Matthes stellte die Zahlen des Haushaltsjahrs 2019 vor. Der Landkreis konnte Schulden in Höhe von 2,1 Millionen Euro tilgen und hatte zum Jahresschluss noch Verbindlichkeiten in Höhe von 34,6 Millionen Euro. Dr. Susann Freiburg (Grüne) richtete ihr Augenmerk vor allem auf die Kosten der Jugendhilfe, die höher ausfielen als kalkuliert. Pro Kind, das „aus dem Raster“ falle, müsste der Landkreis 50 000 Euro jährlich investieren. Sie mahnte dringend an, die Schulsozialarbeit zu intensivieren.

* Der Freistaat hat den Katastrophenfall aufgrund von Corona aufgehoben, der Krisenstab, der sonst täglich am Landratsamt tagte, trifft sich nicht mehr. „Hier wurde Großartiges geleistet“, lobte Landrat Christian Meißner alle Beteiligten. Waren am Anfang Schutzausrüstung und Tests Mangelware, so seien die Lager mittlerweile gut gefüllt. Schließlich wisse man nicht, was noch komme.

Die Schwerpunkt-Praxis Corona, die in der Stadthalle war, wird aufgelöst, da die Praxen vor Ort mittlerweile in der Lage sind zu testen. Aber: „Es ist noch nicht vorbei, die Pandemie ist nicht zu Ende. Es gibt keinen Impfstoff, keine Medikamente, es gelten weiterhin Regeln.“

* Bernhard Storath (CSU) stellte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands des Landkreises dessen Haushaltsplan 2020 vor. Das Team sei personell neu aufgestellt und leiste gute Arbeit. Froh sei man, dass die Landwirte der Region mithelfen. Die aber haben ein Problem, wie Heinz Petterich hinterfragte: Die „Heckenprämie“, also das Geld für das Pflegen von Hecken, wird vom Freistaat immer erst im Frühjahr des Folgejahres ausbezahlt. Die Landwirte, die diese Aufgabe übernehmen, müssen lange auf ihre Entlohnung warten. Mittlerweile tritt der Landschaftspflegeverband als Zwischenfinanzierer auf.

 

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Von Markus Drossel

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