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BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Kontroverse um Photovoltaik-Freiflächen

IBC Solar beabsichtigt, bei Unterzettlitz eine weitere Photovoltaik-Freifläche zu errichten. Foto: Markus Drossel

Dass an der Nutzung von Sonnenenergie kein Weg vorbeiführt, da waren sich alle Stadträte bei der jüngsten Sitzung einig. Doch um die Umsetzung entspann sich eine deutliche Kontroverse, deren Positionen an diesem Abend unvereinbar schienen. Es ging um drei geplante Photovoltaik-Freiflächen im Stadtgebiet, zwei davon im Umfeld des kleinen Dörfchens Stadel im Banzgau.

8,8 Hektar könnte der „Solarpark Herrether Berg“ umfassen, der an der alten Gemeindeverbindungsstraße Stadel-Herreth mittig zwischen den beiden Dörfern im Bereich des „vorderen Häckerwegs“ errichtet werden soll. Betreiber könnten die Stadtwerke Bamberg sein, der vorhabenbezogene Bebauungsplan stand zur Diskussion. Vorgeprüft hatte das Vorhaben, wie auch die beiden weiteren Solarparks, die an diesem Abend thematisiert wurden, der Ausschluss für Klima und Energie – und letztlich für gut befunden.

An der alten Ortsverbindungsstraße Stadel-Altenbanz ist es die Firma IBC Solar, die gerne den „Solarpark Stadel“ installieren würde. 17,6 Hektar sind dafür anvisiert, etwas oberhalb des Ortes. Und bei Unterzettlitz ist es ebenfalls IBC, das gerne in Richtung Gemeindegrenze Ebensfeld an der Bahnlinie einen neun Hektar umfassenden Solarpark umsetzen würde. Auf Ebensfelder Seite, jenseits des dortigen Baum- und Heckenriegels, gibt es bereits Solarkollektoren. Für alle drei Projekte, so Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler), solle es Bürgerbeteiligungen geben.

IBC Solar beabsichtigt, bei Unterzettlitz eine weitere Photovoltaik-Freifläche zu errichten. Foto: Markus Drossel

Winfried Ernst (FW): Anlagen im ganzen Stadtgebiet verteilen

„Der Stadtrat Bad Staffelstein sollte diese Entwicklung nicht verschlafen, da sie notwendig ist“, betonte Winfried Ernst, Fraktionssprecher der Freien Wähler. „Dennoch sollten wir die Flächen für solche Photovoltaikanlagen auf zwei oder drei Prozent des Stadtgebiets begrenzen. Hier geht schließlich Ackerland verloren. Vor allem aber dürfen diese Anlagen nicht alle nur in einem Bereich entstehen, sondern müssen über das Stadtgebiet verteilt werden.“

Genau da hakte Jürgen Hagel, der Fraktionssprecher der CSU, ein. Im Stadtrat müsse tunlichst einmal über die Flächen-Matrix zur Verteilung der Photovoltaikanlagen gesprochen werden. Auch er machte sich für eine Obergrenze der dafür zur Verfügung stehenden Gesamtfläche stark, nannte fünf Prozent als Maximum. Und er äußerte einen Verdacht: „Man könnte meinen, der Banzgau sei das kleinere Übel. Photovoltaikflächen im ,Gottesgarten‘ sind nicht erwünscht, also sollen sie wohl hinter der Steglitz versteckt werden.“

Jürgen Hagel (CSU): Landwirtschaft im Banzgau massiv unter Druck

Das aber schade der Landwirtschaft im Banzgau massiv, die eh schon mit großen Problemen zu kämpfen habe: Großbetriebe aus dem Coburger Land würden horrende Pachtsummen zahlen, die die Bauern vor Ort oft nicht stemmen könnten. Mit der Folge, dass den heimischen Landwirten die Flächen ausgehen. „Sie suchen händeringend jeden Quadratmeter im Banzgau“, schilderte er. Zumal der Banzgau durch ICE-Strecke und Ausgleichsflächen eh schon einen herben Verlust an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen erlitten habe.

Hagel betonte mehrmals, dass dies keine Kritik am Klimaausschutz und seiner Arbeit sei. „Wir brauchen Photovoltaik, aber mit Maß und Ziel. Wir brauchen eine zukunftsfähige Planung, würden aber mit diesen Bauvorhaben einige Schritte zu schnell machen“, warnte Hagel. „Wir brauchen eine Grundsicherung in alle Richtungen.“ Außerdem gebe es noch genügend Flächen auf Dächern, die noch mit Photovoltaik bestückt werden könnten. Rosi Jörig (CSU) sprang ihrem Parteikollegen Hagel bei: „Wir müssen im Banzgau die Landwirtschaft schützen. Alles in allem ist das zu geballt im Banzgau.“ Auch sie lenkte den Blick auf die vielen noch leeren Dächer im Stadtgebiet, die mit Solaralagen versehen werden könnten.

„Es würde uns gut zu Gesicht stehen, wenn wir energieautark werden würden. Diese Anlagen liefern 36 Millionen Kilowattstunden, so viel, wie alle Haushalte im Stadtgebiet verbrauchen.“
Erwin Richter, Stadtrat (Freie Wähler)

Sandra Nossek (Grüne/SBUN), selbst Mitglied im Ausschuss für Klima und Energie, verteidigte die Vorarbeit des Gremiums. Man habe genau hingesehen, wer hier Flächen für Photovoltaikanlagen anbiete. Es seien die Besitzer, die Landwirte selbst. Für Hagel verständlich, denn damit lasse sich gutes Geld mit wenig Aufwand verdienen. Bürgermeister Mario Schönwald (Freie Wähler) reagierte verwundert auf den heftigen Gegenwind: Alle drei Flächen zusammen machten gerade einmal 0,3 Prozent der Gesamtfläche des Stadtgebiets aus. „Wir haben vor Ort eine Pionierfirma, könnten in Bad Staffelstein eigentlich schon viel weiter sein. Irgendwo müssen wir ja mal anfangen“, warb er für Verständnis.

Bei Unterzettlitz: Im Vordergrund ist die Anlage der „Neue Energien Obermain“ (auf Ebensfelder Gemeindegebiet) zu sehen, hinter den Büschen und Bäumen beginnt das Stadtgebiet Bad Staffelstein. Foto: Markus Drossel

Bürgermeister Schönwald (FW) verwundert über den Gegenwind

Erwin Richter (Freie Wähler) blickte über die Stadtgrenze hinaus. Der Markt Ebensfeld oder die Kreisstadt Lichtenfels seien diesbezüglich schon viel weiter. „Dass wir in Bad Staffelstein so weit zurückliegen, ist beschämend“, fand er. 5182 Hektar landwirtschaftliche Fläche gebe es im Stadtgebiet, die drei geplanten Anlagen würden gemeinsam 36 Hektar belegen. „Es würde uns gut zu Gesicht stehen, wenn wir energieautark werden würden. Diese Anlagen liefern 36 Millionen Kilowattstunden, so viel, wie alle Haushalte im Stadtgebiet verbrauchen.“ Wohlgemerkt: nur die Privathaushalte, denn: „Die Industrie verbraucht noch einmal die gleiche Menge.“ Das Fazit Richters, der sich bereits als Vorstandsmitglied der „Neue Energien Obermain“ (NEO) engagiert: „Wir blamieren uns in der Öffentlichkeit, wenn wir jetzt nicht vorwärts gehen!“ Und über Gewerbesteuer und Abgaben komme auch wieder Geld rein.

Letztlich stimmten jeweils 14 Stadträte inklusive der drei Bürgermeister Mario Schönwald (FW), Holger Then (JB) und Dieter Leicht (SPD) für die Aufstellung der drei vorhabensbezogenen Bebauungspläne. Gegenstimmen gab es jeweils von Jürgen Hagel, Rosi Jörig und Wolfgang Herold (alle CSU).

 

Standpunkt:
Schritt für Schritt unabhängiger werden

Standpunkt: Schritt für Schritt unabhängiger werden
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Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat uns dramatisch vor Augen geführt, wie abhängig Deutschland von Energielieferungen aus dem Ausland ist. Händeringend wird nach Alternativen gesucht. Diese Alternativen mögen nicht immer schön sein, nicht immer ins Landschaftsbild passen und sicher auch an der ein oder anderen Stelle weh tun. Um den Energiehunger zu stillen, braucht es aber diese neuen Wege. Die Energiegewinnung aus Wind, Sonne und Wasser ist alternativlos, aus Umweltschutzaspekten eben sowie wie aus Gründen der Produktionssicherheit – und nicht zuletzt zur Sicherung der hohen Lebensqualität, die sich auf viel Technik stützt, die bekanntlich viel Strom braucht. Und dass man es niemals allen recht machen kann, ist wohl auch leider wahr. Die Stadt Bad Staffelstein tut gut daran, sich genannten Energiealternativen nicht zu verwehren. Vor allem, weil der Strom dann in der Region und für die Region produziert wird. Freilich: Die Stadträte müssen ein Auge darauf haben, dass sich die Freiflächenanlagen nicht auf nur einen Teil des Stadtgebiets konzentrieren. Die drei Solarparks von vorne herein abzulehnen, wäre das falsche Signal gewesen. Wichtig ist nur, darauf zu achten, dass sich die weiteren Vorhaben nicht in einem Bereich des Stadtgebiets ballen. Sonst verliert man schnell die nötige Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern.     Markus Drossel

Im Stadtrat kurz notiert

An gleicher Stelle soll in Bad Staffelstein eine neue Aldi-Filiale entstehen. Foto: Markus Drossel

• Der Discounter Aldi möchte an gleicher Stelle neu bauen und auch einen Getränkemarkt errichten. Während der Bauantrag in der nächsten Bauausschusssitzung auf den Tisch kommt, ging es im Stadtrat um die dafür nötige Änderung des Bebauungsplans „Gewerbegebiet - Ost“ und die Abwägung der im Rahmen der Beteiligung von Öffentlichkeit, Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange eingegangenen Stellungnahmen. Die Anregung der Regierung von Oberfranken, das Gebiet besser an den Öffentlichen Personen-Nahverkehr anzubinden, fanden Seniorenbeauftragter Walter Mackert (CSU) und auch Volker Ernst (FW) gut und richtig. Die nächstgelegene Bushaltestelle ist derzeit in der Horsdorfer Straße und damit über 700 Meter entfernt. Bürgermeister Schönwald versprach, dies beim für ÖPNV zuständigen Landratsamt vorzubringen. Sandra Nossek (Grüne/SBUN) griff die Anregung der Regierung zur Begrünung der Fläche auf und forderte, darauf hinzuwirken. Insgesamt war ihr das Grün zu wenig, vor allem im Hinblick auf die Beschattung der Parkplätze. Dennoch: Der Satzungsbeschluss erfolgte einstimmig.

• Simon Hammrich ist der neue Ortsbeauftragte von Püchitz. Fünf Jahre führte Thomas Bachmann das Amt aus, nun legte er es aus zeitlichen Gründen nieder. Bürgermeister Mario Schönwald dankte ihm mit einem Präsent für seinen Einsatz.

• Christopher Krappmann und Matthias Gründel führen als Kommandanten die Freiwillige Feuerwehr Frauendorf. Der Stadtrat bestätigte sie einstimmig im Amt.

Von Markus Drossel

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