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BAD STAFFELSTEIN

Auf der Spur der Kelten zum Staffelberg

Auf der Spur der Kelten zum Staffelberg
Als Experte für Kelten erläutert Bernhard Christoph den Standort des Osttores des Oppidums auf dem Staffelberg. Foto: Franziska Wagner

Hoch über dem Maintal sorgt ein sanfter Wind für Abkühlung. Am Staffelbergkreuz blickt eine Gruppe von Menschen auf die umliegenden Täler. Unter der Leitung von Bernhard Christoph traten am Mittwoch, 5. August, im Rahmen des Sommerferienprogramms des evangelischen Bildungswerks Lichtenfels 20 Geschichtsinteressierte eine Reise in die Zeit von vor über 2000 Jahren an und begaben sich auf die Spuren der Kelten.

Mit den Fragen „Wo komm ich denn her?“, „Wie haben die früher gelebt?“ und „Wie sah es hier in der heute so beliebten Wanderregion am Staffelberg eigentlich früher aus?“, werde sich die Führung beschäftigen, erklärt Joachim Wegner, Leiter des EBW.

Lanze, Schwert und eine 2400 Jahre alte Vase

Auf der Spur der Kelten zum Staffelberg
Auch keltenbegeistert: Die "Angreifer" an der Mauer. Foto: Franziska Wagner

Um das Bild eines typischen Kelten vor Augen zu führen, bewaffnete Bernhard Christoph zum Einstieg einige der kleineren „Krieger“ mit hölzernen Lanzen. Auch ohne Metallspitze vermitteln sie ein Gefühl dafür, wie sich ein Krieger damals wohl in Erwartung eines Angriffs gefühlt haben muss. „Sie sind nach allen Abbildungen, die wir kennen, die Hauptbewaffnung gewesen“, erklärt Christoph. Er zeigt auch das Replikat eines Keltenschwertes. Bevor die Erkundungstour rund um das Oppidum, so die Bezeichnung für die stadtähnliche Siedlung, startet, zeigt der Keltenexperte noch eine 2400 Jahre alte Vase, denn „Kelten waren vor allem eines: Handwerker und nicht nur Krieger.“

An der ersten Informationstafel zum keltischen Oppidum angekommen, verlässt die Gruppe die bekannten Wege und Bernhard führt über das Feld, entlang des ehemaligen Schutzwalls. Früher eindrucksvolle fünf Meter hoch, zeugen heute nur noch mit Buschwerk bewachsene Hügel von den Stufen, auf denen früher die keltischen Behausungen standen.

Auf der Spur der Kelten zum Staffelberg
Auf den Spuren der Kelten im Rahmen des Sommerferienprogramms des evangelischen Bildungswerks Lichtenfels erkunden Geschichtinteressierte den Staffelberg. Foto: Franziska Wagner

„Auf der Hochebene hier verlaufen die alten Straßen der Kelten“, berichtet. Christoph nahe dem Abstieg zum Löwental. Da das Oppidum an diese Straßen angebunden war, könne man schließen, dass sich auch das Tor zur Stadt hier befinden müsse. Auf der Hochebene, an einer Stelle, die gut zu schützen ist, sei dafür die optimale Situation, da Angreifer erst 80 Meter am Wall entlang müssten. Mit dieser logischen Schlussfolgerung und Hinweisen aus der Erdmagnetik wurde vor wenigen Jahren der Standort eines zweiten Tores, des Osttors zum Oppidum, neben dem bereits ausgegrabenen Westtor topografisch nachgewiesen.

Da die Kelten in ständigem Handelskontakt mit den Germanen und Römern standen, hatten die Straßen einen hohen Stellenwert. Honig, Fälle und Metallwaren waren beliebte Handelswaren, aber auch Germanen selbst, die nach den Beutezügen der Kelten als Sklaven an die Römer verkauft wurden. „Wir wissen das aus der griechischen Geschichtsschreibung und Funden“, so Bernhard: „Denn unter denen gibt es auch Halsriemen.“

Reger Handel mit Germanen und Römern: Sogar Sklaven verkauft

Auf der Spur der Kelten zum Staffelberg
Gespannte Zuhörer: Eltern und Kinder lauschen den Ausführungen zur keltischen Geschichte. Foto: Franziska Wagner

An einem schmalen Pfad durchs Unterholz macht Bernhard Halt. Er deutet auf eine Senke im Waldboden, die als Himmelsteich bezeichnete Zisterne, in der Brauchwasser für die Versorgung der Tiere gesammelt wurde. Das Trinkwasserversorgung bezogen die Kelten aus einer Quelle im Löwental, zu der die Kinder mit ihren Eseln geschickt wurden, um mit Krügen Wasser zu holen.

Nach kurzem steilem Anstieg auf dem dicht bewachsenen Pfad findet sich die Gruppe nun auf der Rückseite der Staffelbergklause, wo die Lage des Westtors und der Platz der Keltengräber erkundet wird. Ein Loch nicht weit vom Staffelbergkreuz sei eine eingestürzte Höhle oder Doline und wohl Hintergrund für die Sage um den Fisch im Staffelberg, erklärt Bernhard Christoph. Dieser zufolge nach soll ein Fisch in den Höhlen des Staffelberges leben, der so groß wurde, dass er seinen Schwanz ins Maul nehmen musste, bis der Zeitpunkt kam, wo er ihn nicht mehr halten konnte und so die Höhle einstürzte. Eine weitere Sage über einen Goldschatz im Staffelberg sei keltischen Ursprungs. „Wir wissen, dass an höchster Stelle im Oppidum ein Heiligtum ist. Diese Sage ist wohl vor dem Hintergrund der Opferstätte der Kelten entstanden“, erklärt Christoph.

Auf der Spur der Kelten zum Staffelberg
Wie eine Adelige: Sonja darf den keltischen Grabschmuck probieren. Foto: Franziska Wagner

Zum Abschluss der Führung, als die Gruppe sich an der Staffelbergklause versammelt, hat der Keltenexperte noch etwas mitgebracht. „Zur Zeit der Kelten starben viele junge Frauen schon im Kindbett. Waren es hochgestellte Persönlichkeiten wurden sie besonders beerdigt“, erklärt er. Unter den Grabbeigaben waren auch Schmuckstücke wie der bronzene Reif, den er den Kindern zum Anprobieren gibt. „Schön sieht das aus“, strahlt die kleine Sonja. Für Verwunderung sorgt ein kunstvoll gearbeitete Glasperle.

„Der normale Besucher läuft hier an so vielem vorbei, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt.“
Joachim Wegner, Leiter evangelisches Bildungswerk

„Meinen Sohn interessieren die Kelten schon eine Weile und da dachten wir, wir verbinden das gleich mit einen Familienausflug“, sagt eine Mutter. „Wir wollten etwas anbieten, damit Eltern und Kinder gemeinsam etwas unternehmen“, erklärt Joachim Wegner. „Der normale Besucher läuft hier an so vielem vorbei, ohne zu wissen, welche Geschichte dahinter steckt.“

Von Franziska Wagner

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