aktualisiert:

HORSDORF

Ein Chor für die Fuchsenmühle in Horsdorf

Wollen zusammen einen Mühlenchor aufbauen: (v. li.) Denise Felsecker als Stimmtrainerin und Chorleiterin, Bernhard Stengele als szenischer Leiter und Schauspieltrainer und Ulrich Pakusch als musikalischer Leiter und Klavierbegleiter. Foto: Mayer

Wer kennt sie nicht, die klappernde Mühle am rauschenden Bach? Und den wanderlustigen Müller? Vielleicht werden diese schönen alten Volkslieder bald wieder zu hören sein: Denise Felsecker, Mezzosopranistin und gebürtige Horsdorferin, möchte zusammen mit Bernhard Stengele und Ulrich Pakusch einen Mühlenchor gründen.

Die drei haben schon in den vergangenen beiden Jahren ein großes Publikum in die Fuchsenmühle gelockt. Mit ihrem Programm „Müllerin, wo bist du?“ haben sie das gesamte Anwesen bespielt, ihre Zuhörer unter den alten Nussbaum und zum Mühlbach mitgenommen und dazu passende Kunstlieder, Gedichte und Arien von Schubert, Bizet oder Möricke angestimmt. Eine Mischung aus klingendem Spaziergang und Schauspiel, die auch die Gäste mit der Aufforderung zum gemeinsamen Singen einbezog.

„Es geht darum, das Anwesen in der Natur zu bespielen.“
Denise Felsecker, Chorleiterin

Die Resonanz war enorm, freut sich Denise Felsecker. Auch das Experiment, das Publikum mitsingen zu lassen, gelang und offenbarte ein großes Interesse daran, selbst aktiv zu werden. Und das greift das Trio nun auf – mit dem Mühlenchor, dessen Auftritte einem ähnlichen Muster folgen sollen. Am Ende wartet also nicht „nur“ ein Chorkonzert: „Es wird auch eine szenische Arbeit mit einem Regisseur geben“, erklärt Denise Felsecker. „Es geht darum, das Anwesen in der Natur zu bespielen, an verschiedenen Stationen, am Schluss in der Mühle selbst, wo es eine kleine Bühne gibt und das Publikum dann auch sitzen kann.“

Die Mezzosopranistin, die bis zum Beginn der Ausgangsbeschränkungen am Freien Landestheater Bayern in Miesbach die Carmen gesungen hat, wird als Stimmtrainerin und Chorleiterin fungieren. Bernhard Stengele, Lyriker und ehemaliger Schauspieldirektor in Altenburg-Gera und Würzburg, übernimmt die szenische Leitung und das Schauspieltraining. Musikalischer Leiter und Klavierbegleiter wird Ulrich Pakusch, zurzeit künstlerischer Leiter der Opernschule an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig.

Freude am gemeinsamen Singen und an der Natur

Ein ehrgeiziges Projekt, das nicht für jeden Hobbysänger geeignet ist? Weit gefehlt. Keiner müsse Angst vor dem Vorsingen haben, wirbt Denise Felsecker um Teilnehmer. Mitzubringen seien nur die Freude am gemeinsamen Singen und an der Natur sowie Neugier. Vorerfahrungen seien nicht nötig.

Die Fuchsenmühle selbst hat eine wichtige Rolle bei dem neuen Projekt. Die Chorsänger sollen sie als kreativen Raum erfahren, den sie zusammen bespielen werden. Foto: Till Mayer

Das Projekt ist für das Förderprogramm „Musik vor Ort – Chöre und Orchester braucht das Land“ des Bundesverbandes für Chöre und Orchester ausgewählt worden. Die Proben sollten eigentlich im Mai starten; die Aufführung war für den 22. August geplant. Eigentlich. Auch hier kam die Corona-Pandemie dazwischen.

„Treffen sind ja grad nicht möglich, deshalb haben wir das Projekt noch nicht beworben“, sagt die Sängerin, die dennoch gelassen klingt: „Wir sind noch optimistisch.“ Das Trio habe sowieso recht großzügig geplant, inklusive Puffer. Und es wäre auch möglich, den Konzerttermin nach hinten zu verschieben, wenn das nötig sein sollte.

Jetzt schon etwas haben, worauf man sich freuen kann

Wann es losgeht, hängt davon ab, wann die Beschränkungen gelockert werden – und wie. Vielleicht werden Chorproben, bei denen die Sänger Abstand halten, ja irgendwann erlaubt, hofft Denise Felsecker. Auf jeden Fall möchte sie den Menschen jetzt schon Mut machen, ihnen etwas geben, worauf sie sich freuen können. „Bestimmt denken ja viele jetzt schon darüber nach, was sie nach der Krise alles machen können.“

Wann und wie sich die Sänger zum Proben treffen werden, ist nicht nur wegen der Corona-Krise noch offen. Es hängt auch davon ab, wie die Leute Zeit und Lust haben. Denise Felsecker schweben neun Einheiten a zwei bis drei Stunden mit einer Pause vor, alternativ Probenblöcke freitags und samstags. Wem das jetzt viel erscheint: Es ist nicht so wild, wenn man mal ein Treffen auslassen muss. „Hauptsache, bei der letzten Probe sind alle da.“

Von Stimmbildung bis zur Programmgestaltung

Die Zeit wird gebraucht, denn es wird nicht nur gesungen. Stimmbildung gehört dazu, Körperarbeit, die Verbindung zum darstellenden Spiel, der Aufbau von Verständnis für die Kompositionen und die Gestaltung eines abendfüllenden Programms. So steht es in der Projektbeschreibung des Förderantrags, die offensichtlich überzeugt hat.

Nun muss Denise Felsecker nur noch die Bad Staffelsteiner überzeugen. Ganz wichtig ist ihr in diesem Zusammenhang, dass ihr Projekt keine Konkurrenz zu den Kirchen- und Gospelchören der Badstadt ist. Das Repertoire soll eher Richtung Volkslied, Kanon, vielleicht auch Kunstlied gehen. Vielleicht schmettert der Chor also wirklich bald „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Oder stimmt er doch eher das zarte „Abendstille überall“ an?

Interessierte schreiben am besten eine E-Mail an muehlenchor@gmail.com. Dann nimmt Denise Felsecker sie in den Verteiler für ihre Rundmails auf.

Von Annette Körber

Weitere Artikel