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KLEUKHEIM

Kleukheim: Die Osterbotschaft kommt via YouTube

Ein symbolischer Akt: Pfarrer Udo Zettelmaier segnet am Palmsonntag die Palmzweige Foto: red

Auf den ersten Blick ist es für den Betrachter wie immer: Pfarrer Udo Zettelmaier steht hinter dem Altar der barocken Kleukheimer Saalkirche „Sankt Wolfgang“ und bereitet zu Orgelmusik das Abendmahl vor. Es sind nur Augenblicke, dann würde er Geistliche die Gemeinde einladen, von ihm die Heilige Kommunion zu empfangen. Doch es gibt keine Gemeinde an diesem Tag: Das Gotteshaus ist nahezu menschenleer. Nur Thomas Krauß filmt die Messe eifrig mit, um sie danach im Internet für die Gläubigen bereitzustellen.

Der erste Versuch und die Tücken der Technik

Krauß war es auch, der die Idee zum Video-Gottesdienst hatte. „Mit meinen Kunden mache ich schon eine ganze Weile das Meiste online“, sagt der 52-jährige IT-Spezialist. „Beratungen, Schulungen …: Da läuft vieles über Videokonferenz oder -aufzeichnung. Und eines Nachts kam mir dann die Idee: Warum diese Technik nicht auch für einen Gottesdienst nutzen?“

Pfarrer Zettelmaier war zunächst ein wenig skeptisch: Online- und Video-Gottesdienst, die gab es zu diesem Zeitpunkt schon. „Doch mit dem Argument, dass der regionale Aspekt ausschlaggebend sei, hat er mich dann schnell überzeugt.“ Dann aber halt es erst einmal, die Technik zu perfektionieren – und die Tücken selbiger auszumerzen. „Beim ersten Gottesdienst dachte ich noch, ich brauche eine perfekte Webcam und habe mir dafür sogar eine äußerst hochwertige angeschafft“, so Krauß. Aus eigener Tasche, versteht sich. „Hinzu kamen spezielle Mikrofone, mit denen ich auch beruflich Videos aufzeichne. Im Test hat alles super funktioniert.“

„Mit dem Argument, dass der regionale Aspekt ausschlaggebend sei, hat er mich schnell überzeugt.“
Pfarrer Udo Zettelmaier über seine anfängliche Skepsis

Nicht aber in der Praxis: Gesang, Orgelspiel und Nebengeräusche sowie Autos, die draußen an der Kirche vorbeifahren, machten das Klangerlebnis zunichte. Letztlich lieferte das parallel mitlaufende Smartphone die besten Ergebnisse. Auch das perfekte Licht und der perfekte Blickwinkel waren letztlich eine Sache des Ausprobierens. „Zwar musste ich dann noch einige Stunden in die Überarbeitung stecken, doch dann hatten wir ein zufriedenstellendes Resultat. Und wir waren einhellig der Meinung, dass es nicht das letzte Mal sein sollte.“

Um den Gläubigen Halt im Alltag zu geben

Pfarrer Zettelmaier war früher Krankenhausseelsorger und kannte so das Erlebnis von kleinen, intimen Gottesdiensten. Mit der großen Ausnahme, dass es diesmal kein Zimmer in einem Klinikum, sondern eine große Kirche war. In Zeiten wie den jetzigen sei es sehr wichtig, weiter Gottesdienste anzubieten. „Zunächst für diejenigen, die den Sonntag gerne aus dem jetzt ,allgegenwärtigen Alltag‘ herausheben wollen und sich gerade jetzt eine Ermutigung für das Leben durch den Glauben erwarten“, so der Geistliche. „Dann natürlich gerne auch für alle, die durch eigenes Zuschauen oder durch die Weitergabe an Eltern und so weiter so nun einen Impuls bekommen, für den sie vielleicht in diesen Tagen besonders offen sind.“ Auch für Zettelmaier hatte das Ansehen des ersten fertigen Video-Gottesdienstes übrigens ein Aha-Erlebnis: „Da ich mich nun seit langer Zeit wieder einmal selbst hörte und sah, wurde mir deutlich, dass ich langsamer und ,disziplinierter‘ sprechen muss – ohne deshalb künstlich oder gar schauspielernd wirken zu wollen.“

Den Palmsonntag mitsamt symbolischer Weihe einiger Palmzweige gibt es bereits auf der Homepage zu sehen (die Videos sind bei YouTube abgelegt), den Oster-Gottesdienst wird es dort auch geben. Allerdings ist dieser noch nicht im Kasten. Der Vorteil der Video-Gottesdienste: Sie sind zu jeder Zeit zu besuchen, können auch mehrfach angesehen und im Bedarfsfall unterbrochen werden. Ob das wohl auch Personen in die virtuelle Kirche lockt, die sonst bislang eher zögerlich oder unregelmäßig kamen? „Zumindest ist es ein Angebot auch für all diejenigen“, meint Zettelmaier. „Auch deshalb wollen wir diese Gottesdienste möglich ansprechend gestalten.“

Die Musik während der Video-Gottesdienste kommt übrigens nicht aus der Konserve, sondern ist live eingespielt. „An der Orgel sitzt unsere Organistin Isabel Voll. Auf unseren Organisten Gerhard Pabst haben wir bewusst nicht zurückgegriffen, da er schon etwas älter ist und ältere Menschen ja gefährdeter sind als junge“, erklärt Regisseur Thomas Krauß.

Pfarrer Udo Zettelmaier predigt, Thomas Krauß filmt mit: In „Sankt Wolfgang“ entstehen derzeit katholische Video-Gottesdienste, die auf der Internetpräsenz www.kleukheim.com kostenfrei angesehen werden können. Foto: red

„Gesangstechnisch unterstützen unser Pfarrer sowie ich. Beim ersten GD waren auch Bürgermeister Bernhard Storath und Theo Voll, der Kirchenpfleger von Oberküps, mit dabei.“ Der Rathaus-Chef übrigens findet die Idee großartig, hatte nahezu zeitgleich einen ähnlichen Einfall. „Ganz wichtig ist aber, dass die Sänger weit genug auseinandersitzen, um sich nicht in Gefahr einer Ansteckung zu bringen. Man weiß ja nicht. „Platz haben wir ja genug in der Kirche.“ Für den Palmsonntagsgottesdienst war Krauß bemüht, noch die ein oder andere Sängerin für den Video-Gottesdienst zu begeistern. „Es soll ja nicht klingen wie eine Männerschola“, fügt er augenzwinkernd hinzu. Und so konnte er Daniela Eberth und die Cäcilie Lieb für die Sache gewinnen. Einen brauchte er nicht groß bitten: Mesner Karl Pfister, „der immer zur Stelle ist, wenn wir ihn brauchen“, unter anderem als Lektor.

„Endlich ist der Sonntag wieder ein Sonntag“

Die ersten Rückmeldungen, die Initiator Thomas Kraus und Pfarrer Udo Zettelmaier aus der Pfarrgemeinde erhalten haben, geben ihnen die Kraft, weiterzumachen. „Die Resonanzen sind hervorragend. Manche sehen sich den Gottesdienst sogar mehrmals an, wurde mir gesagt. Es gibt auch Aussagen wie ,Endlich ist der Sonntag wieder ein Sonntag‘“, freut sich Krauß. „Auch meine Nachbarin, die über 80 Jahre alt ist, hat mir über den Gartenzaun gesagt, dass sie es sehr gut findet. Ich bekomme WhatsApp- oder auch Facebook-Nachrichten, in denen sich die Leute bedanken.“ Da macht es dann auch nichts, dass Krauß am heimischen Rechner bis zu vier Stunden in die Nachbearbeitung der Video-Gottesdienste steckt. Ehrenamtlich, versteht sich. Oder besser: zu Gottes Lohn.

Von Martina Drossel

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