aktualisiert:

BAD STAFFELSTEIN

Stadtrat Bad Staffelstein: „Grüne/Sbun“ die Wahlgewinner

Am Sonntag wurde die Zusammensetzung des Stadtrats Bad Staffelstein neu bestimmt, der mehrheitlich im Sitzungssaal des historischen Rathauses tagt. Foto: Markus Drossel

Lediglich den Stadtrat, nicht aber den Bürgermeister hatten die Wähler für „ihr“ Bad Staffelstein zu bestimmen. Stärkste Kraft wurde mit 37,3 Prozent die CSU, die trotz Verluste neun Mandate für sich verzeichnen kann. Die Sozialdemokraten büßen einen Sitz ein, während die gemeinsame Liste von Grünen und Staffelsteiner Bürger für Umwelt und Naturschutz (Sbun) einen Stadtrat hinzugewinnt.

Vor sechs Jahren schenkten noch 40,24 Prozent der Wähler den Christsozialen ihr Vertrauen, was 2020 ein Minus von rund drei Prozent bedeutet. An der Anzahl der Sitze ändert sich nichts, wohl aber an den Namen: Während Hans-Josef Stich, der Zweite Bürgermeister (4475 Stimmen), und Jürgen Hagel (Altenbanz, 3361 Stimmen) kräftig zulegen konnten im Wählervertrauen, schafften es Andreas Pfarrdrescher (Schwabthal) und Udo Möhrstedt (Bad Staffelstein) nicht mehr ins Gremium. Bei Andreas Pfarrdrescher waren es gerade einmal 39 Stimmen, die ihm auf Ottmar Kerner (Bad Staffelstein) fehlten und der weiter im Rat ist.

„Im Großen und Ganzen kann ich nicht zufrieden sein mit dem Ergebnis, betrachtet man den den Aufwand, den wir im Wahlkampf betrieben haben.“
Jürgen Hagel, CSU

Für die beiden Abgewählten sind nun zwei Frauen im Kommunalparlament: Dritte Bürgermeisterin Sabine Scheer, die bislang für die Jungen Bürger vertreten war, und Europaabgeordnete Monika Hohlmeier. „Im Großen und Ganzen kann ich nicht zufrieden sein mit de m Ergebnis, betrachtet man den den Aufwand, den wir im Wahlkampf betrieben haben“, lautet die nüchterne Analyse von CSU-Sprecher Jürgen Hagel. „Ich bin enttäuscht, dass unsere gradlinige Politik vom Wähler nicht belohnt wurde. Wir haben 2000 Stimmen verloren, obwohl mehr Wähler sich beteiligt haben. Das stimmt mich nachdenklich.“ Angesprochene Wahlbeteiligung lag bei 58,5 Prozent, was im Vergleich zu anderen Kommunen überaus niedrig ist. Das dürfte wohl der Tatsache geschuldet sein, dass in der Thermenstadt kein Bürgermeister gewählt wurde.

Grüne/Sbun: Frauenpower hat die Wähler überzeugt

Bestens gelaunt ist Werner Freitag, Listenführer von „Grüne/Sbun“ im Gespräch mit dieser Redaktion: „Ganz klar: Wir sind der große Gewinner der Stadratswahl“, sagt er. Stimmten im Jahr 2014 noch zehn Prozent für die Sbun, so waren es diesmal 13,7 Prozent für die Listenverbindung, in Stimmen ausgedrückt: 15423.

„13,7 Prozent: Das ist rund ein Drittel mehr. Wir sind nun zu dritt im Stadtrat.“ Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, also ob „Grüne/Sbun“ vier Mandate bekommen würden, „doch das wäre ein Traum gewesen. Wir haben einen Sitz mehr, haben unser Ziel erreicht und sind sehr, sehr zufrieden. 13 Prozent erreichten die Grünen bereits bei der vorangegangenen Landtagswahl, im Vergleich dazu haben wir noch einmal leicht zugelegt.“

Mehrere Gründe seien es gewesen, die der Gemeinschaftsliste der Wählervertrauen sicherten: „Wir hatten ein gutes Personalportfolio, überzeugten mit unser Frauenpower und stehen für Themen, die aktuell sind, nämlich der Umgang mit dem Klima und Nachhaltigkeit.“ Der Stadeler Werner Freitag wird auch auch weiterhin im Stadtrat sein. Flankiert wird er künftig von Sandra Nossek aus Stublang und der 24-jährigen Rica Kohmann aus Bad Staffelstein. „Sandra ist eine sehr engagierte Frau, gerade, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit betrifft, Rica verkörpert darüber hinaus die junge Generation bei uns und ist ehrenamtlich stark engagiert.“ Und alle drei sind sehr aktive Sportler des TSV Staffelstein.

„13,7 Prozent: Das ist rund ein Drittel mehr. Wir sind nun zu dritt im Stadtrat.“
Werner Freitag, Grüne/Sbun

Klaus Schnapp, der zwölf Jahre für die Sbun im Stadtrat war, stand nicht mehr zur Wahl. „Er war ein sehr guter Stadtrat und ein hoher Gewinn für die Stadt Bad Staffelstein“, so Freitag.

Sechs Sitze für die Freien Wähler, aber keiner mehr für Hans Bramann

Sechs Sitze wie gehabt stehen den Freien Wählern zu. 24,6 Prozent (27 717 Stimmen) bedeuten einen leichten Zugewinn: Vor sechs Jahren waren es noch 23,28 Prozent. Die meisten Stimmen konnte Fraktionsvorsitzender Winfried Ernst für sich vereinnahmen. Neu im Gremium ist Jörg Breidenbach, der Urgestein Hans Bramann aus Wiesen aus dem Kommunalparlament verdrängt.

„Es freut mich, dass gut 2000 Stimmen mehr bekommen haben. Es hat aber leider nicht zu einem weiteren Sitz gereicht“, lautet das Fazit von Winfried Ernst. „Es ist auch erfreulich, dass bei uns die jungen Leute so gut gewählt worden sind. Ich bedaure aber, dass unser langjähriger Mitstreiter Hans Bramann es nicht mehr geschafft hat.“

Einen Seitenhieb kann sich Ernst nicht verkneifen: „Gott sei Dank haben wir mit unserem Ergebnis ganz zum Schluss noch den Sitz für die AfD verhindert können.“ Als alle bis auf drei Wahlbezirke ausgezählt waren, sah es noch anders aus. Dann aber sammelten die Freien Wähler Stimmen – und die „Alternative“ war raus. „Dem kommenden Stadtrat wünsche ich faires Miteinander und gute Entscheidungen zum Wohle unserer Stadt.

SPD: Ehemaliger Bürgermeister Müller hat kein Stadtratsmandat mehr

Wunden lecken ist dagegen bei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands angesagt. Die 11,23 Prozent aus der Kommunalwahl 2014 sind auf magere 7,5 Prozent zusammengeschrumpft. Das bedeutet: Harald Konietzko und Dieter Leicht sind zwar weiterhin Teil des Stadtrats, der frühere Bürgermeister Georg Müller aber muss seinen Stuhl räumen. Und das nicht nur im Stadtrat, sondern wohl auch im Kreistag.

„Bei uns herrscht tiefe Enttäuschung“, fasst Dieter Leicht die Meinung in Worte. „Es hatte sich leider schon abgezeichnet, da wir im Vorfeld unsere Stadtratsliste nicht voll bekommen haben. Die SPD in Bad Staffelstein hat leider den bayern- und bundesweiten Trend mitgemacht.“ Im Stadtrat habe man immer versucht, gute Arbeit zu machen, „doch das wurde nicht so honoriert, wie wir uns das erhofft haben.“

Nun gelte es auch, sich im Ortsverein Gedanken zu machen: „Wir müssen uns personell neu aufstellen. Wir müssen Leute finden, die sich wieder für die SPD und ihre Werte einsetzen wollen.“

Christina Gründel aus Uetzing neu für die Jungen Bürger im Stadtrat

Wieder mit vier Leuten im Stadtparlament vertreten sind die Jungen Bürger. Sie mussten minimale Einbußen hinnehmen: 14,9 Prozent der Wähler (16 802 Stimmen) machten bei ihnen ihre Kreuzchen, bei der Wahl 2014 waren es noch 15,2. Neben den etablierten Kräften Holger Then (Unnersdorf), Christian Ziegler und Tobias Dusold (End) ist nun auch Christina Gründel aus Uetzing mit an Bord. Sie wurde von Platz sieben nach vorne gewählt und ist eine von sieben Frauen unter den 24 Stadträten (25 Prozent).

„Ich finde es sehr gut, dass sie als neues Gesicht in den Stadtrat gewählt wurde“, sagt Christian Ziegler. „Christina ist 28 Jahre und ist Referendarin an der Grundschule in Grundfeld.“ Dass es wieder für vier Mandate reichen würde, hatte man gar nicht erwartet: „Nach dem Abgang von Sabine Scheer, die sehr viele Stimmen für sich bekam, hatten wir befürchtet, dass es nur noch drei werden.“ Umso glücklicher seien die Jungen Bürger mit dem Ergebnis.

„Gott sei Dank haben wir mit unserem Ergebnis ganz zum Schluss noch den Sitz für die AfD verhindert können.“
Winfried Ernst, Freie Wähler

„Wir hatten ein motiviertes Team und es war ein klasse Wahlkampf“, bilanziert Ziegler. „Und ich würde mir wünsche, dass all die Jungen, die es diesmal nicht in den Stadtrat geschafft haben, bei der Stange bleiben und voll angreifen in sechs Jahren. Die Zukunft für die Jungen Bürger ist gesichert, nun müssen wir den Weg dafür bereiten.“

Tabellen mit der Aufschlüsselung der Wahlergebnisse nach Kandidaten und Stimmbezirken gibt es in den nächsten Tagen.

Der neue Stadtrat

Folgende Frauen und Männer sind nach vorläufigem Endergebnis im Stadtrat vertreten:

CSU: Hans Josef Stich, Jürgen Hagel, Sabine Scheer, Roswitha Jörig, Monika Hohlmeier, Walter Mackert, Stefan Dinkel, Wolfgang Herold und Ottmar Kerner.

Freie Wähler: Winfried Ernst, Erwin Richter, Volker Ernst, Bärbel Köcheler, Manuel Schrüfer, Jörg Breidenbach.

Junge Bürger: Holger Then, Christian Ziegler, Tobias Dusold und Christina Gründel.

Grüne/Sbun: Sandra Nossek, Werner Freitag und Rica Kohmann.

SPD: Harald Konietzko und Dieter Leicht.

 

Von Markus Drossel

Weitere Artikel