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Acker-Wildkraut-Wettbewerb: Sie sind nicht nur farbenfroh

Acker-Wildkraut-Wettbewerb: Sie sind nicht nur farbenfroh
Auftaktveranstaltung zum Ackerwildkraut-Wettbewerb für Oberfranken am Ebensfelder Rathaus mit (v. li.) Lothar Teuchgräber, stellvellvertretender Kreisobmann des BBV, Rebekka Mayer, LPV, Ludwig Wendler, BN-Ortsvorsitzender, Maike Fischer vom DVL, Manfred Rauh, LPV, Bernhard Storath, Esrter Bürgermeister, Dr. Franziska Mayer vom LfL, Marion Ruppaner, BN-Agrarreferentin, und Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender. Foto: red

Acker-Wildkräuter sind nicht nur eine farbenfrohe Abwechslung in der oft einheitlichen Agrarlandschaft, sondern bieten Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl heimischer Tierarten. Allerdings ist ihre Vielfalt in den vergangenen Jahren immer stärker zurückgegangen. Viele von ihnen gehören inzwischen zu den seltensten Pflanzenarten Deutschlands.

„Wir müssen versuchen,

den Artenschwund zu bremsen. Die artenreichen Äcker mit Wildkräutern

verbessern nachweislich

auch die Biodiversität.“

Marion Ruppaner, Agrarreferentin des BN-Landesverbandes

„Um diese Vielfalt zu erhalten, ist nun zum vierten Mal der Acker-Wildkraut-Wettbewerb ausgeschrieben worden, für den sich sowohl Biolandwirte als auch konventionell wirtschaftende Bauern bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bewerben können, wenn sie Ackerwildkräuter auf ihren Flächen haben oder vermuten“, ermunterte Dr. Franziska Mayer vom Lf die Landwirte Oberfrankens bei der Auftaktveranstaltung im Ebensfelder Rathaus.

Bürgermeister Bernhard Storath, in seiner Freizeit selbst Biolandwirt, freute sich, dass der Landschaftspflegeverband (LPV) im Landkreis mit Geschäftsführer Manfred Rauh und Mitarbeiterin Rebekka Mayer diese Aktion voll unterstützen.

Großflächiger Rückgang erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen

Maike Fischer, Projektleiterin vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL), ließ wissen, dass Acker-Wildpflanzen schon seit der Jungsteinzeit die Kulturpflanzen begleiten. Im Mittelalter sei der Ackerbau wegen des starken Bevölkerungswachstums auch in Oberfranken auf mageren Standorten, wie etwa den Kalkscherbenäckern auf der Jurahochebene ausgeweitet worden. Der großflächige Rückgang der Acker-Begleitflora, häufig als „Unkräuter“ bezeichnet, habe erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen, als man sich in der Landwirtschaft auf weniger Kulturpflanzen auf immer größeren Flächen beschränkt habe.

Damit einher ging laut Fischer der verstärkte Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Inzwischen seien mehr als ein Viertel der auf den Lebensraum Acker spezialisierten Wildpflanzen gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Acker-Wildkraut-Wettbewerb: Sie sind nicht nur farbenfroh
: Sommer-Adonisröschen (gefährdet Rote Liste 3) orangerot oder selten hellgelb mit schwarzem Grund ,hier in einem Roggenfeld eines Kalkscherben-Ackers am Morgenbühl. Foto: Rebbeka Mayer

Agrarreferentin Marion Ruppaner vom Landesverband des Bund Naturschutz (BN), einem der Mitinitiatoren des Wettbewerbs, mahnte: „Wir müssen versuchen, den Artenschwund zu bremsen. Die artenreichen Äcker mit Wildkräutern verbessern nachweislich auch die Biodiversität. Das Mikroklima in solchen Feldern lockt zahlreiche Insekten, wie beispielsweise Marienkäfer an - Nützlinge, die auf natürliche Weise Blattläuse dezimieren.“ Bei dem Ackerwildkraut-Wettbewerb komme es darauf an, dass nicht nur am Rand die vielen kleinen, konkurrenzschwachen Kräuter vorkommen, sondern verteilt im ganzen Feld.

Junge Leute bekommen wieder Spaß am Entdecken der bunten Artenvielfalt

Mit farbenfrohen Bildern von einem so genannten Kalkscherbenacker am Morgenbühl konnte Rebekka Mayer vom Landschaftspflegeverband aufwarten. Hier konnten im Sommer vergangenen Jahres Acker-Rittersporn, Acker-Wachtelweizen, Frauenspiegel, Kornrade, Adonisröschen und viele andere inzwischen selten gewordene Wildkräuter kartiert werden.

BN-Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt sagte: „Der Wettbewerb dient auch dazu, dass junge Leute, die viele Pflanzenarten gar nicht mehr kennen, wieder Spaß am Entdecken der bunten Artenvielfalt in ihrer Heimat finden. Das zeigte auch die rege Beteiligung am Säen von Blühstreifen nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren ,Rettet die Bienen'.“

Stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Lothar Teuchgräber, kann sich mit dem Wettbewerb anfreunden, zumal er selbst schon 30 Jahre erfolgreich am Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) teilnehme, teilweise auch am Vertragsnaturschutzprogramm (VNP). Einschränkend merkte er an: „Die entsprechenden Auflagen der Programme dürfen nicht so weit gehen, dass die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist.“

Anmeldung zum Wettbewerb: Formulare gibt es beim Landwirtschaftsamt, Landschaftspflegeverband oder im Umweltbüro des Bund Naturschutz sowie online.

Von Anton Reinhardt

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