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BAD STAFFELSTEIN

Große Resonanz auf CHW-Vortrag über Thermalbohrung

Große Resonanz auf CHW-Vortrag über Thermalbohrung
Bundsandgestein wie das vom Referenten gezeigte bildet die in Bad Staffelstein liegende Schicht in 880 bis 1450 Metern Tiefe. In diesem Bereich stieß man 1975 auf das salzhaltige Wasser. Foto: Mario Deller

Im Jahr 2001 erhielt die Adam-Riese-Stadt Staffelstein den Zusatz „Bad“. Die Freude war ob des Werbeeffekts groß, doch die Grundlage hierfür wurde schon ein Vierteljahrhundert vorher gelegt mit einem Projekt, das das Attribut „Meilenstein“ fürwahr verdient.

„Eine Quelle in 1600 Metern Tiefe? Hydrogeologische Erläuterungen zur Thermalbohrung 1975“ war der CHW-Vortrag des Diplomgeologen Dr. Friedrich Leitz überschrieben. Rückenwind für die spätere Realisierung der Obermain Therme gab es durch die vorherigen Bohrungen in Mürsbach und Bad Rodach.

Rund 80 Zuhörer hatten sich im Stadtmuseum eingefunden. Ob der tollen Resonanz erfreut zeigte sich Ulrich Sünkel vom veranstaltenden CHW. Mit Dr. Friedrich Leitz stellte er einen Referenten vor, der die geologischen Zusammenhänge in der Region kennt wie kaum ein zweiter. Der 76-jährige Diplomgeologe ist bekannt durch etliche Exkursionen etwa zu den Steinbrüchen bei Birkach.

Als Berufsanfänger bei den Bohrungen dabei

Am 7. August 1975 trat das 52 Grad heiße Wasser an die Oberfläche. Ein historischer Moment, der quasi den Startschuss für die heutige Obermain Therme bildete. Als bei einer Bohrtiefe von 900 Metern an Stelle der heutigen Obermain Therme noch immer keine heiße Quelle floss, war Staffelstein „in Aufruhr wie ein Wespennest“, erinnert sich der Geologe. Sein renommierter Berufskollege Dr. Helmut Gudden als Projektleiter der Bohrungen – Leitz selbst war damals noch Berufsanfänger – habe sich angesichts der aufkommenden Ungeduld in der Bevölkerung „geschüttelt wie a Petz“, formulierte es der Referent auf gut fränkisch.

Guddens Konzept, so Leitz weiter, lautete eben, mindestens 1000 Meter tief zu bohren, dann könne auch mit einer Förderung von Thermalwasser gerechnet werden. Und so kam es dann auch. In dieser Tiefe ist in Bad Staffelstein die Schicht des Bundsandsteins angesiedelt. Leitz hatte ein solches Gestein mitgebracht und hielt es zur Veranschaulichung in die Höhe. „Die darin befindlichen Löcher sind eine Folge der Auflösung durch die Wirkung der Kohlensäure“, erläutert er dazu.

Das Thermenwasser stammt aus 1000 Metern Tiefe

Große Resonanz auf CHW-Vortrag über Thermalbohrung
Ein Anblick, der Zeitgenossen im Gedächtnis bleibt: der Bohrturm 1975 an Stelle der heutigen Obermain-Therme. Foto: Archiv Obermain Therme

Wenn nun heute mitunter verlautbart wird, dass das Thermenwasser aus 1600 Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt wird, sei das nicht korrekt, betonte der Geologe ausdrücklich. 1975 sei zwar so tief gebohrt worden, so dass die in Bad Staffelstein in 1450 bis 1550 Metern unter der Oberfläche liegende Zechsteinschicht durchstoßen wurden. Und die Fortführung der Bohrungen auch in diese Bereiche sei auch gerechtfertigt gewesen, weil es abzuklären galt, ob dadurch nicht sogar ein noch heißeres oder höher mineralisiertes Wasser zutage gefördert würde.

Doch die Hauptmenge werde bei 1000 Metern Tiefe gefördert. Das Bohrloch sei mittlerweile ab einer Tiefe von 1200 Metern verfüllt. Diese Tatsache tue der wohltuenden Wirkung des Solwassers keinen Abbruch, dürfe aber bei korrekter Darstellung nicht unerwähnt bleiben. „Deshalb war mir das Fragezeichen im Titel meines Vortrages auch so wichtig“, merkte Leitz an.

Die Ergebnisse aus Mürsbach und Bad Rodach als Signal

Besagte Zechsteinschicht hatte bereits für Aufsehen gesorgt bei den Erkundungsbohrungen 1970/71 in Mürsbach, wo diese Gesteinsformation bereits in 900 bis 1000 Metern Tiefe vorzufinden ist. In Mürsbach wurde überprüft, ob sich das Terrain für die Speicherung von Erdgas eignet. Dabei stieß man unerwartet auf kohlensäurehaltiges Salzwasser. Dies verträgt sich zwar nicht mit Erdgas, was das eigentliche Vorhaben zunichte machte, doch es keimten Hoffnungen auf ein „Bad Mürsbach“ auf.

Große Resonanz auf CHW-Vortrag über Thermalbohrung
Die unterschiedlichen Gesteinsschichten, der „Rückenwind“ aus Mürsbach und Rodach, die zentrale Frage der notwendigen und sinnvollen Bohrtiefe – auf diese und andere Aspekte zur Thermalbohrung anno 1975 ging Diplomgeologe Dr. Friedrich Leitz im Stadtmuseum ein. Foto: Mario Deller

Aus verschiedenen Gründen wurde dies nicht realisiert. Doch die Bohrungen und Ergebnisse in Mürsbach und auch 1972 in Bad Rodach sah Heiner Kohles als Signal. Der „Vater der Obermain Therme“ , so wird Kohles heute bezeichnet, setzte nun alles daran, seine Vision eines Thermalbades in der Adam-Riese-Stadt Realität werden zu lassen, legte sich bei Verantwortlichen ins Zeug, holte Bürgermeister Reinhard Leutner und Landrat Walther ins Boot.

Wichtige geologische Quellen mitunter falsch verknüpft

Leitz hob das Engagement von Heiner Kohles hervor, erwähnte aber auch, dass dieser bei seinen Plädoyers zwar wichtige geologische Quellen herangezogen, diese aber mitunter falsch miteinander verknüpft habe.

Eine zweite Bohrung an der nach ausgesprochen provisorischen Anfängen 1986 eröffneten Obermain Therme fand 1992/93 aus Gründen der Betriebssicherheit statt. Diese wurde von Anfang an auf 1200 Meter Tiefe begrenzt, weil längst klar war, dass dies ausreicht.

Noch manches andere Wissenswerte erfuhren die Zuschauer an diesem Freitagabend im Stadtmuseum. So würde es wohl ohne Heiner Kohles die heutige Obermain-Therme nicht geben. Doch mit der Idee an sich hatte sich laut Leitz schon Anfang der 1950-er-Jahre der Kulmbacher Schuldirektor Georg Stark beschäftigt. Er hatte als denkbaren Standort den heutigen Pendlerparkplatz bei Horsdorf an der jetzigen Autobahn im Kopf. Was den damaligen Projektleiter Dr. Helmut Gudden betrifft, so bleibt Leitz im Gedächtnis, dass dieser die Öffentlichkeit eher scheute. „Vor allem Besuche auf der Baustelle mochte er gar nicht – vor allem nicht von Fachkollegen“, scherzte der Referent.

„Vor allem Besuche auf der Baustelle mochte er gar nicht – vor allem nicht von Fachkollegen.“
Dr. Friedrich Leitz über Bohrungsleiter Dr. Helmut Gudden
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Diese historische Aufnahme aus den Anfängen des Badebetriebs 1976 in einer vom Milchhof zur Verfügung gestellten Wanne lassen schmunzeln. Foto: Archiv Obermain Therme

Leitz zieht den Hut vor denjenigen, die mit den damaligen Möglichkeiten 1975 die sehr komplexen Tiefenbohrungen bewerkstelligten. Es musste ja auch das Gestein nach oben befördert werden, was die Förderung des Solwassers erschwert.

Nach dem aufschlussreichen und interessanten Vortrag, den die Zuschauer mit lange Beifall honorierten, suchte noch mancher das Gespräch mit dem Geologen.

Von Mario Deller

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