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UETZING

Bald keine Bank mehr in Uetzing

Bald keine Bank mehr in Uetzing
Spontanes Treffen einiger Uetzinger vor der Filiale:"wir brauchen unsere Bank!", fordern sie. Vorne (v. re.)Andrea Kerner, Elmar Kerner, Stadtrat Stefan Dinkel und Stadtrat Manuel Schrüfer mit einer weiteren Unterschriftenliste. Foto: Monika Schütz

Ein zwei Seiten langer Brief der Raiffeisen-Volksbank erreichte Anfang Januar rund 700 Haushalte mit etwa 1200 Kunden im östlichen Bad Staffelsteiner Stadtgebiet. „Unsere Öffnungszeiten ändern sich“: so der Betreff des Schreibens, das vom Vorstandsvorsitzenden, Direktor Michael Lieb, und Vorstand Christoph Bäumel unterzeichnet war. Dabei geht es um mehr: Zum Jahresende 2021 soll die Geschäftsstelle am Ortseingang von Uetzing geschlossen werden.

„Eine Bankfiliale ist stets auch ein Treffpunkt im Ortsleben und wertet den Ort auf. Dieser sozialen Verpflichtung sind wir uns durchaus bewusst“, heißt es in dem Brief. „Ich lach' gleich“, sagt Elmar Kerner verärgert beim Ortstermin. „In Uetzing wird ein neuer Kindergarten gebaut, ein Feuerwehrhaus, ein Gemeinschaftshaus – und die Bank schließt! Wo soll die ältere Generation ihre Bankgeschäfte erledigen oder an Bargeld kommen? Oder diejenigen von den Jungen, die kein Online-Banking haben oder haben möchten?“

Gut erreichbar für die Kunden aus dem Lauter- und Döbertengrund

In der Tat ist in dem Gebäude nicht nur ein Schalterraum mit separatem Raum für Geldautomat, Kontoauszugsdrucker und Einwurf für Überweisungen und Post, sondern auch ein Beratungszimmer vorhanden.

Seit dem Jahr 1910 gibt es die Raiffeisenbank in Uetzing. Kunden aus dem ganzen Lautergrund, dem Döberten-grund und den „oberen Dörfen“ nutzen seit jeher den Service der kleinen Filiale, die zudem kundenfreundlich an der Hauptstraße liegt und gut anzufahrenden Parkplätze hat. „Nicht wenige Staffelsteiner fahren hier raus, weil man hier einfach besser parken kann“, bestätigt die Uetzingerin Andrea Kerner.

Die ersten 140 Unterschriften sind schon übergeben

Entsprechend viele Stadtteile sind als Wohnsitz vermerkt bei denen, die auf den ausgelegten Listen gegen eine Schließung der Bank unterschrieben haben: End, Gößmitz, Serkendorf, Kaider, Schwabthal, Loffeld und viele mehr. Erst am Freitag hatte eine fast 30 Mann starke Abordnung aus Uetzing zusammen mit Ortssprecher und Stadtrat Manuel Schrüfer die ersten 140 Unterschriften an Michael Lieb und Christoph Bäumel übergeben. Jenen beiden Herren, die in dem Brief betonen, „dass wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht haben“, und auf das Verständnis ihrer Kunden hoffen.

Bald keine Bank mehr in Uetzing
Christoph Bäumel, Vorstand der Raiffeisen-Volksbank, und Direktor Michael Lieb beim Pressegespräch zur geplanten Schließung der Filiale in Uetzing. Foto: Monika Schütz

Doch die zeigen kein Verständnis. Ursula Zenk (Uetzing): „Ich war erschrocken und entsetzt. Dass die Uetzinger Bank zumacht, hätte ich nie gedacht.“ Sie hat auch gegen die Schließung der Filiale unterschrieben. Die Liste liegt bei Manfred Reichert aus: In seinem gut sortierten Tante-Emma-Laden gibt es alles – außer einem Kartenlesegerät: „Es ist ja auch keine Pflicht“, sagt Verkäuferin Martina Weidner. Sie verweist ihre Kunden, die gerne mit Karte bezahlen möchten, gleich nach nebenan zum Geldautomat. Das sei kein Problem, sagt sie. Deshalb findet man auf den ausgelegten Listen auch Unterschriften von Lichtenfelsern, Coburgern, Bambergern und Rödentalern.

„Ich war erschrocken und entsetzt. Dass die Uetzinger Bank zumacht, hätte ich nie gedacht.“
Ursula Zenk, Uetzing

Die Raiffeisen-Volksbank begründet die Schließung damit, dass sonst umfangreiche Investitionen anstünden: Spätestens Ende 2021 müssten die gesamten Selbstbedienungsgeräte ausgetauscht werden. „Solange die Technik funktioniert, solange wir die Zertifizierung haben, solange halten wir den Betrieb dort aufrecht“, versichert Direktor Michael Lieb beim Pressegespräch.

„Drei bis vier Transaktionen pro Stunde in Uetzing stehen einer Zahl von 30 bis 40 Transaktionen pro Stunde etwa in Ebensfeld gegenüber“, verdeutlicht er, dass die Auslastung der Automaten weit unter dem Niveau einer kostendeckenden Nutzung ist. Er verspricht aber auch: „Wir werden die ganze Angelegenheit in der Vorstandschaft besprechen und informieren auch unseren Aufsichtsrat. Aber das Grundproblem kann man auch mit noch so vielen Diskussionen nicht wegbekommen.“

Die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist schuld

Vorstand Christoph Bäumel: „Die Kunden greifen immer häufiger zum Smartphone, um ihre Kontostände abzurufen. Vom Handy gibt es deutlich mehr Zugriffszahlen als beim Online-Banking.“ Früher habe es mal 30 000 Genossenschaftsbanken in Deutschland gegeben – heute seien es nur noch knapp unter 1000. Die Bad Staffelsteiner sei eine relativ kleine Genossenschaftsbank.

„Der Negativ-Zins ist der Treiber, der zu der momentanen Situation führt“, erklärte Lieb beim Pressegespräch, warum kein Geld für die Investition da ist. „Die Negativzinspolitik der EZB hat unsere Ertragslage kaputt gemacht. Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei.“

„Selbstverständlich fahren wir auch zu den Kunden raus, das ist überhaupt kein Thema!“
Michael Lieb, Bankdirektor

„Wir werden sicherlich eine Lösung finden, zum Beispiel Monatsauszüge per Post.“ Es werde auch weiterhin eine Beratung geben, sicherte er zu: „Selbstverständlich fahren wir auch zu den Kunden raus, das ist überhaupt kein Thema!“ Die nächsten Geldautomaten stünden in Bad Staffelstein und in Klosterlangheim, beim Geld abheben fielen für Kunden der Genossenschaftsbank keine Gebühren an.

Bald keine Bank mehr in Uetzing
Gehen in Uetzing bald die Lichter aus? Foto: Monika Schütz

Beim Ortstermin machte Stadtrat Stefan Dinkel einen nicht uninteressanten Vorschlag: „Warum schließen sich nicht zwei Banken zusammen und betreiben eine Automaten gemeinsam? Technisch ist das durchaus machbar. Sie teilen sich die Kosten, und jedem ist geholfen.“ Jürgen Krappmann hat sich über die Historie der Raiffeisenbank informiert: „Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele – das war doch der Leitspruch von Friedrich Wilhelm. 11 Dörfer hängen dran!“ Währenddessen hat Stadtrat Manuel Schrüfer die nächste Unterschriftenliste voll. „Wir bleiben dran“, sagt er.

Von Monika Schütz

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