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BAD STAFFELSTEIN

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag
Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Foto: Mario Dellerm

„Singen verleiht dir neuen Schwung, hält dich immer jung“, erschallte es aus den Kehlen der Sänger. Der Chor verbreitete musikalisch Zuversicht beim Landfrauentag des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) unter dem Motto „Region gestalten“. Der Tenor: Aufgrund der Komplexität der Herausforderungen braucht die Branche anno 2020 mehr denn je Schwung und Selbstvertrauen. Resignieren dürfe keine Option sein.

Die Dinge beim Namen nannte Kreisbäuerin Marion Warmuth, nachdem sie in der Peter-J.-Moll-Halle zahlreiche Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft begrüßt hatte. Sie benannte etliche aufgezwungene „Baustellen“, die den Bauern die Arbeit nicht gerade leider machen. So sorge die Gülleanlagenverordnung laut Warmuth für einen Investitionsstopp.

Marion Warmuth: Naturschutzgesetz komme einer Enteignung gleich

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag
Sprach Klartext und sieht die landwirtschaftliche Branche zu Unrecht an den Pranger gestellt: Kreisbäuerin Marion Warmuth. Foto: Mario Deller

Die im Vorjahr in Kraft getretene Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes, durch die an größeren Gewässern auf einem Zehn-Meter-Streifen die ackerbauliche Nutzung verboten ist, bezeichnete die Kreisbäuerin als „eine Enteignung gleich kommenden Regelung“, verbunden mit entsprechender Wertminderung der Flächen.

„Wir Bauern verwehren uns gegen Aussagen, nicht unseren Beitrag zu Verbesserung von Grundwasser, Umweltschutz und Klimaschutz zu leisten.“
Marion Warmuth, Kreisbäuerin

Landwirte und Landfrauen setzten sich für den Dialog mit der Gesellschaft ein, so Warmuth weiter, und zeigte in ihrer Rede auf, wie Landwirte ihren Beitrag für die Biodiversität leisten. Die Kreisbäuerin nahm auch die politischen Entscheidungsträger in die Pflicht, die zur sinkenden Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit beitrügen. „Wir Bauern verwehren uns gegen Aussagen, nicht unseren Beitrag zu Verbesserung von Grundwasser, Umweltschutz und Klimaschutz zu leisten.“

Die Leidenschaft und Arbeit hinter der Landwirtschaft vermitteln

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag
Die junge Generation müsse den Wert von Lebensmitteln wieder mehr schätzen lernen, betonte die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Foto: Mario Deller

Hauptrednerin war die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Tausende Bauern seien in den vergangenen Wochen auf die Straße gegangen, so Kaniber. „Nicht, weil sie gegen Veränderungen sind, sondern weil sie sich von dem ,Wie' und von der Geschwindigkeit der geforderten Anpassungen überfordert fühlen“.

Den Bauern riet Kaniber, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen und sicherte zu: „Die Staatsregierung steht fest an ihrer Seite. Bayern braucht seine Bäuerinnen und Bauern“. Von den aktuellen Herausforderungen dürfe man sich nicht lähmen lassen.

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag
Schmackhaftes Mitbringsel aus der Genussregion: Kreisbäuerin Marion Warmuth (re.) übergab Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber einen Korb voller Köstlichkeiten von heimischen Erzeugern. Foto: Mario Deller

Neue Verordnungen, Dürreperioden, Borkenkäferproblematik – das alles habe tiefe Spuren hinterlassen, so der Eindruck von Harald Weber, seit Februar 2019 Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg. Die landesweiten Schlepper-Korsos seien, so Weber, „keine Schlepperpartys, sondern zu verstehen als Hilferuf unserer bäuerlichen Familien an Politik und Gesellschaft“.

„Wir wissen ihre Arbeit zu schätzen. Was wäre unsere Region ohne ihr engagiertes Wirken“, sagte Bad Staffelsteins Zweiter Bürgermeister Hans-Josef Stich. „Ich finde es gut, wenn die Bauern Kante zeigen und der Politik signalisieren: So geht‘s nicht weiter.“

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag
Sie eint das Versprechen, auf kommunaler beziehungsweise landesweiter Ebene die Belange der vor großen Herausforderungen stehenden landwirtschaftlichen Branche ernst zu nehmen. Foto: Mario Deller

Wie auch andere Redner betonte Landrat Christian Meißner, dass sowohl ökologische als auch konventionelle Landwirtschaft ihre Notwendigkeit hätten und nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. „In der Bevölkerung muss deutlich werden, dass wir Artenvielfalt und Klimaschutz nicht ohne die Landwirtschaft schaffen, aber das habe manche noch nicht verstanden.“

Kartoffelbau, Flechthandwerk und Müllvermeidung

Fünf Vertreter aus dem Landkreis präsentierten ihre Unternehmen und Produkte: die Gemüsebauern Patrick Helmreich und Michael Zillig, Vermarkter Simon Holl mit Kartoffeln, Eier, Nudeln und Honig, Heinrich Gesslein als Vertreter des Flechthandwerks. Jürgen Müller zeigte die von ihm vertriebenen, nachfüllbaren Kaffeekapseln. Ein Reihe von Produkten, vom Honig bis zu Bandnudeln, konnte auch erworben werden.

Bad Staffelstein: Ministerin Kaniber beim Landfrauentag
Beim Landfrauentag blickte man auch über den Tellerrand der Branche hinaus: Zu den sich präsentierenden heimischen Direktvermarktern gehörte etwa Weidenflechter Heinrich Gesslein. Foto: Mario Deller

Der Lebensmitteleinzelhandel ist eine wichtige Absatzquelle der Produkte heimischer Bauern. Als deren Vertreter kam Christian Werner, der bei der Podiumsdiskussion mit Kreisbäuerin Warmuth Rede und Antwort stand. Er unterstütze sehr gerne in Form seines Warensortiments die heimischen Bauern: „Wir sind froh über jeden Landwirt, der auf uns zukommt“. Doch es kamen auch hier bürokratische Erschwernisse zur Sprache. Die Hürden bei der Vermarktung regionaler Produkte über den Supermarkt seien mitunter „so hoch, dass es für beiden Seiten nicht mehr Sinn macht“.

„Ich hoffe, dass dass das Land der Dichter und Denker sich besinnt auf sein Können und Wissen“, blieb stellvertretender BBV-Kreisobmann Lothar Teuchgräber optimistisch. Der Verbraucher möge sich den Wert heimischer Landwirtschaft und der von ihnen erzeugten Produkte bewusst machen.

Die Spendenkorb-Sammlung des BBV-Kreisverbandes erbrachte 500 Euro für die Lichtenfelser Tafel.

mde

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