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VIERZEHNHEILIGEN

Silvesterkonzert in Vierzehnheiligen

Silvesterkonzert in Vierzehnheiligen
Moritz Görg an der Trompete und Basilikaorganist Georg Schäffner beim Silvester-Konzerts in Vierzehnheiligen. Foto: Gerd Klemenz

Beim Silvesterkonzert wurde den zahlreichen Zuhörern in der weihnachtlich geschmückte Basilika ein wunderschöner Jahresausklang beschert. Organist Georg Schäffner aus Gößweinstein und Trompeter Moritz Görg aus Würzburg spielten Werke aus vier Jahrhunderte von Bach, Bernstein, Lemmens, Martini, Marcello und Vierne.

Vivaldis Kompositionen waren sehr beliebt

Zum Auftakt des Konzertes erklang präzise und beschwingt die Toccata D-Dur von P. Giambattista Martini, der als Kapellmeister der Franziskanerkirche in Bologna tätig war und mit seinen Kompositionen die Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Winter 1770 ließ sich der junge Wolfgang Amadeus Mozart auf einer Italienreise von Martini im Fach Kontrapunkt unterweisen. Martini schrieb bedeutende Lehrwerke über Musik und stand mit den namhaftesten Musikern und Gelehrten aus ganz Europa in Korrespondenz. Das Concerto D-Dur von Alessandro Marcello für Trompete und Orgel, das im Anschluss zu hören war, verdankt seine Popularität der Cembalo-Bearbeitung durch Johann Sebastian Bach. Um 1712 hatte Bach sich mit den Konzerten seines italienischen Zeitgenossen Antonio Vivaldi auseinandergesetzt. Vivaldis Kompositionen waren im 18. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Görg und Schäffner gelang es durch ihr virtuoses Spiel, barocke Klangpracht zu entfalten. So entstand durch ihr einfühlsames Zusammenspiel eine ganz besondere Atmosphäre im Kirchenraum.

Besonderheit im Werk von Johann Sebastian Bach

Zu den großartigsten Orgelwerken Bachs gehört die Toccata C-Dur. Toccata und Fuge C-Dur, BMV 564 ist eine Orgelkomposition von Johann Sebastian Bach, die er 1708 in Weimar in seiner Zeit als Hoforganist schrieb. Das Werk stellt eine Besonderheit innerhalb von Bachs Arbeit dar, weil Bach zwischen das Präludium (die Toccata) und die Fuge noch einen langsamen Satz einschiebt. Eine Komposition, die hohe Anforderungen an den Interpreten stellen.

Jerichos Posaunen durch Posaunen eingestürzt

„Joshua Fit the Battle of Jericho“, ein bekannter afroamerikanischer Spiritual, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert von Sklaven komponiert wurde, folgte im Mittelteil des Silvester-Konzerts. Das Stück bezieht sich auf die Eroberung Jerichos durch den Feldherren Josua. Die biblische Geschichte berichtet, dass die Mauern der Stadt durch den Klang von Posaunen eingestürzt sind. Die gewaltige Basilikaorgel mit ihren 5000 Pfeifen im Zusammenklang mit der Brillanz des Trompeters wird zu einem einmaligen Klangerlebnis.

Die Präludien des amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein „Something 's Coming“ und „Tonight“ aus dem Musical „West-Side-Story“ weisen deutliche Jazz-Elemente auf. Görg und Schäffner brachten die technisch und rhythmisch anspruchsvollen Stücke witzig, pfiffig und im Allegro dramatisch-bizarr zu Gehör.

Louis Vierne war Privatschüler von César Franck und wurde im Jahr 1900 zum Titularorganisten an Notre-Dame (Paris) ernannt. Zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa und die USA machten ihn weltbekannt. 1898 schrieb Vierne seine erste Orgelsinfonie op. 14. Das „Finale“ aus der 1. Sinfonie wurde von Georg Schäffner an der Rieger-Orgel vorgetragen.

Die Künstler beweisen sich als Meister ihres Instruments

Den Schlussteil des Konzerts leitete eine Kompositionen des Belgiers Nicolas Jacques Lemmens ein. Bei den drei aus der „Cole d'Orgue“ entnommenen Orgelstücken (Fanfare, Cantabile und Finale) des Spätromantikers überzeugten die beiden Künstler erneut als Meister ihres Instruments. Auf den begeisterten minutenlangen Beifall antworteten Schäffner und Görg mit dem „Ave Maria“ von Giulio Romano Caccini sowie „Highland Cathedral“, der inoffiziellen Hymne Schottlands, als Zugabe.

Von Gerd Klemenz

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