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KUTZENBERG

Protest am BKO: „Politik lässt psychisch Kranke im Stich“

Protest am BKO: „Politik lässt psychisch Kranke im Stich“
Protestaktion auch am Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg. Vorstand Katja Bittner (erste Reihe, 2. v. li.) und Klinikbeschäftigte wenden sich gegen die geplante, bundesweite Personalbemessungsrichtlinie Psychiatrie. Foto: BKO

Kallerts Kritik richtet sich an die große Politik: „Stoppen Sie dieses unausgegorene Machwerk“, fordert er Gesundheitsminister Jens Spahn auf. Professor Thomas W. Kallert ist Leitender Ärztlicher Direktor der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken und sein Thema ist gerade die neue Personalbemessungsrichtlinie der Psychiatrie und Psychosomatik, die bundesweit für alle entsprechenden Kliniken gelten soll. Und nicht nur er protestiert dieser Tage.

Die neue Personalbemessungsrichtlinie für Psychiatrie und Psychosomatik lege künftig für die psychiatrische und psychosomatische Versorgung verbindliche personelle Mindestvorgaben fest, heißt es in einer Pressemitteilung des Bezirksklinikum Obermain. Diese Vorgaben, die nun mit hohem Bürokratieaufwand nachzuweisen sind (der Nachweis als solcher ist gut und wird von den Protestierenden nicht kritisiert) wurden auf Grundlage veralteter Werte verfasst und führen damit zu einer Unterbewertung vieler Berufsgruppen.

„Fakt ist auch, dass wir Außenstellen schließen müssen, wenn wir stationär die erforderlichen Mitarbeiter nicht vorweisen können.“
Katja Bittner, Vorstand der Gesundheitseinrichtungen

Katja Bittner, Vorstand der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken, sagt, dass künftig jede Berufsgruppe den in der Richtlinie festgeschriebenen Vorgaben entsprechen muss – ob man sie nun in der Behandlung brauche oder nicht. Umgekehrt werden Berufsgruppen, die in der modernen psychiatrischen Behandlung nötig sind, nicht ausreichend berücksichtigt werden. „Fakt ist auch, dass wir Außenstellen schließen müssen, wenn wir stationär die erforderlichen Mitarbeiter nicht vorweisen können.“

Kallert: Entwicklungen vergangener Jahrzehnte nicht mit einbezogen

Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre würden nicht einbezogen, meint Kallert. Er führt Leistungsverdichtung, leitliniengerechte Behandlung, personalintensive neue Behandlungsformen, veränderte juristische Vorgaben und die Stärkung der Patientenrechte an. Eine moderne psychiatrische Versorgung werde in der Richtlinie nicht abgebildet, so der Wortführer am Bezirksklinikum. Kallert sieht darin wieder eine Benachteiligung psychisch Kranker. „Kein Mensch käme auf die Idee, einen Operationssaal nach Vorgaben von vor 30 Jahren einzurichten.“ Hier drücke sich wieder eine Haltung der Politik gegenüber psychisch Kranken aus, die zeige, dass es hier keine Lobby gebe. „Wieder sind die psychisch Kranken das letzte Glied in der Kette.“

Gutes Personal ist in Zeiten des Fachkräftemangels Gold wert

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei gutes Personal Gold wert, so der Professor. Nur mit kompetenten und gut ausgebildeten Mitarbeitern in der Klinik gelingt eine zufriedenstellende psychiatrische Versorgung. Hinzu kommt, dass bei Nichterfüllung der Mindestvorgaben der Vergütungsanspruch entfalle. Dies könnte zu einer existenziellen Bedrohung für Kliniken, insbesondere für kleine Abteilungen, werden. In der Konsequenz könnte die Schließung von kleinen psychiatrischen Abteilungen drohen. Wesentliche Erfolge der Psychiatrie-Enquete würden damit rückgängig gemacht werden und eine psychiatrische Versorgung in der Fläche wäre nicht mehr möglich, meinen die Protestierenden.

Weitere Informationen hält die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde auf der Homepage www.dgppn.de bereit. Dort wirbt sie auch für die Online-Petition „Mehr Personal für psychische Gesundheit“. Ziel ist es, bis Heiligabend 50 000 Unterschriften dafür zu bekommen. (red)

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