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LOFFELD

Ausgrabung auf dem Staffelberg: Knochenjob in großer Hitze

Ausgrabung auf dem Staffelberg: Knochenjob in großer Hitze
Knochenjob: Die Loffelderin Helga Völker half zwei Wochenlang ehrenamtlich bei den Ausgrabungen mit. Daneben Ausgrabungsleiter(und Referent) Dr. Markus Schußmann. Foto: Monika Schütz

Das CHW und der Landkreis Lichtenfels hatten am Sonntag zu einer Infoveranstaltung in den Brauereisaal nach Loffeld eingeladen. Thema vor den mehr als 100 Gästen war kein geringeres als das „Zangentor“ vom Staffelberg. „Sozusagen Endbilanz der Grabung“, so Landrat Christian Meißner, dessen Dank an dieser Stelle auch dem anwesenden Bad Staffelsteiner Bürgermeister Jürgen Kohmann galt: „Ohne Genehmigung der Stadt hätten wir gar nicht graben dürfen!“

Bezirksheimatpfleger Professor Günter Dippold stellte noch kurz den Leiter der Ausgrabungen vor, Dr. Markus Schußmann aus Aub im Kreis Würzburg: „Der war wirklich im Schweiße seines Angesichts bei der Grabung mit dabei – von Anfang bis Ende.“ Dann nahm der Wissenschaftler der Vor- und Frühgeschichte seine Zuhörer mit auf eine rund 80-minütige Reise in die Vergangenheit des Staffelberges, in die Zeit der Besiedlung durch die Kelten.

Menschenopfer, Münzen und Messerklingen

Die im Jahr 2018 begonnenen Ausgrabungen beim Zangentor der keltischen Stadt auf dem Staffelberg sind nun beendet. Viele spektakuläre Funde sind gemacht worden, Menschenopfer in einem Kindergrab entdeckt, aber auch metallene Gewandspangen (sogenannte Fibeln), silberne Münzen, Schmuck aus Eisen und Bronze, Keramik, Wetzsteine und Messerklingen, Feuerstellen, Reste von verkohlten Pflanzen und Hölzern und ein Fußabdruck in einer weichen Schicht: gut erhalten und durchaus nicht klein. „Ich schätze, der hatte Schuhgröße 43“, so Dr. Schußmann.

Von wesentlicher Bedeutung für die Kelten war natürlich der Schutz ihrer Stadt. Eine acht Kilometer lange Steinmauer umgab ein Gebiet von etwa 49 Hektar Innenfläche, an positionierten Stellen waren Tore.

„Das war keine primitive Baustelle, da brauchte man schon leichte Baumaschinen.“
Dr. Markus Schußmann, Grabungsleiter, über den Bau des Zangentors

Das Zangentor etwa hatte enorme Ausmaße. Anhand einer grafischen Rekonstruktion konnten sich die Zuschauer ein Bild machen von dem 12,5 Meter hohen Bauwerk: massivste Eichen, weitere Tonnen an Holz für die Plankenwand, stabile Längs- und Querbindungen, Trockenmauern, Pfostenschlitzmauern mit Erdaufschüttungen im Fundament, um das Gefälle des Berghanges auszugleichen – „das war keine primitive Baustelle, da brauchte man schon leichte Baumaschinen“, kommentierte der Referent.

Dazu haben die Kelten gepflasterte Wege angelegt, nicht nur im Torbereich und in der ganzen Torgasse, sondern auch auf Wegen, die hoch zum Plateau führten. Hier seien sogar Rad-Spuren gesichert worden. Immer wieder seien Mauern und Wege ausgebessert, Erde und verschiedenes Gestein eingefügt oder ausgewechselt worden.

Kindergrab gibt den Archäologen Rätsel auf

Aber nicht nur Überbleibsel der Bauphase, sondern auch auch aus dem „täglichen“ Leben fanden die Archäologen: Spangen, mit denen die Menschen ihre Kleidung zusammensteckten, Schmuck, blaue Glasscherben und Reste von Feuerstellen, Keramik und Messerklingen. Dr. Schußmann ging kurz auf das Kindergrab ein, das leer, also ohne Leichnam und Grabbeigaben, entdeckt wurde. Möglicherweise nahmen die Kelten bei ihrem Weg-Zug alle ihnen wertvollen Dinge mit. Vielleicht zündeten sie auch selbst das mächtige Tor an, von dem die Forscher nur noch eiserne Beschlag-Bänder, Nägel und viel Brandschutt fanden.

Ausgrabung auf dem Staffelberg: Knochenjob in großer Hitze
So könnte eine Holz-Konstruktion des Tores vom Staffelberg ausgesehen haben: Fünf Meter hohe Tore plus Dach ergeben stattliche 12,5 Meter Höhe. Foto: Monika Schütz

Das Räumen ihrer Gräber, analysierte Dr. Schußmann, spricht für ein planmäßges Verlassen des Plateaus: „Die haben das mehr oder weniger besenrein hinterlassen“ und seien weiter gezogen. Die Zeit der Kelten (die sehr wahrscheinlich aus Böhmen eingewandert waren) währte am Staffelberg von circa 260 vor Christus bis 400 nach Christus.

Schädel als Trophäen oder kultische Objekte

Gefunden haben die Archäologen außerdem Reste von menschlichen Schädeln, die wahrscheinlich Trophäen oder kultische Objekte gewesen sind. 37 Fragmente, die von bis zu 30 Personen stammen könnten. Vielleicht, so Schußmann, sind sie aber auch zur Abschreckung der Feinde am Tor angebracht worden. Das lasse sich derzeit noch nicht mit Gewissheit sagen.

Die Loffelderin Helga Völker war als ehrenamtliche Helferin an den Grabungen beteiligt. „Ich hab gewusst, was mich erwartet“, erinnert sie sich an die Zeit vor knapp zwei Jahren, als sie sich auf eine Announce hin beworben hatte. „Das war ein Knochenjob, alles Handarbeit, und es war richtig heiß“, kann sie jetzt aber schmunzeln. Zwei Wochen lang, jeden Tag von Montag bis Freitag, ist sie zu Fuß von Loffeld aus oder ab Romansthal zu den Grabungsstätten gelaufen. Essen und Getränke mussten die Helfer selbst mitbringen.

Mit ihr zusammen waren damals im April 2018 noch zwei Männer aus Fürth und einer aus Bamberg bei den Ausgrabungen. Und Helga Völker hat tatsächlich auch etwas gefunden: einen Armreif aus Bronze, ein Schmuckstück für eine keltische Frau.

Von Monika Schütz

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