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BAD STAFFELSTEIN

Endabnahme bei Fortuna: Naan-Brote aus Bad Staffelstein

Nachdem die Teiglinge flach gedrückt worden sind, kommen sie in den großen Gärschrank. Foto: Annette Körber

Stimmengewirr in der großen Montagehalle. Unterhaltung auf Deutsch, Englisch und Japanisch. Die Fortuna Maschinen GmbH hat Besuch aus Fernost: Die Kunden sind zur Endabnahme einer großen Backmaschine gekommen. Sie soll künftig in Japan zur Produktion von Naan-Broten eingesetzt werden.

Projektmanager Robert Prohaska schaut mit Stolz auf die Anlage, die größte bisher, die am Stück in Bad Staffelstein gebaut wurde: 23,5 Meter ist sie lang, erklärt er, inklusive Trichter, Teigteiler und Wirkmaschine, zwei Gärschränken und Walzen. In der Stunde können damit 8500 Teiglinge produziert werden. „Da kann man schon nicht mehr von einer Bäckerei sprechen. Das ist ein Backwarenproduzent“, sagt Prohaska über den Kunden, einen der größten Produzenten von Naan-Broten in Japan.

„Bei kleinen Backmaschinen dauert die Produktion drei bis vier Monate, hier waren es sieben bis acht.“

Robert Prohaska, Projektmanager

Per Hand werden die Naam-Brote in die typische Tropfenform gezogen. Ein paar dunkle Flecken dürfen sie nach dem Backen ruhig haben, erklärt Projektmanager Robert Prohaska. Foto: Annette Körber

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Fortuna Insolvenz anmelden musste. Damals hatte das Unternehmen den Auftrag schon an Land gezogen. Nachdem drei Monate später die österreichische König-Gruppe in Bad Staffelstein eingestiegen war, konnten die Mitarbeiter sich ans Werk machen. „Bei kleinen Backmaschinen dauert die Produktion drei bis vier Monate, hier waren es sieben bis acht“, verdeutlicht der Projektmanager die Dimensionen.

Prohaska schaut zuversichtlich nach vorn. Alle 90 Mitarbeiter sind übernommen worden. „Wir bilden auch wieder aus“, freut er sich. Und der neue Eigentümer investiert. Wo die alten Garagen standen, entstehen gerade Parkplätze. Außerdem wird eine neue Dreh- und Fräsmaschine angeschafft. Ihr Standort in der Maschinenhalle ist bereits vorbereitet.

Auf sechs Bändern kommen die Teiglinge aus der Wirkmaschine. Foto: Annette Körber

Die Kunden vertrauen dem Namen Fortuna

Befürchtungen, dass die Österreicher Fortuna nur gekauft hätten, um den Konkurrenten auszuschalten, dürften also mittlerweile ausgeräumt sein. Prohaska sagt, die Marke soll erhalten bleiben, schon weil so mancher Kunde eben diesem Unternehmen sein Vertrauen schenkt.

So wie die Japaner, die jetzt den Teig in den Trichter füllen, um die Backmaschine zu testen. Solche Abnahmetermine sind sehr wichtig, erklärt der Projektmanager, um zu sehen, ob die Erwartungen des Auftraggebers erfüllt wurden. Bisher lief die Kommunikation über den Händler; auch kann bei der Übersetzung vom Japanischen ins Englische ins Deutsche einiges verloren gehen.

Weizenmehl ist nicht gleich Weizenmehl

Es ist der zweite Tag der Endabnahme, und es läuft gut, freut sich Prohaska. Dabei geht's jetzt an die Details. Die Japaner haben für den Teig sogar ihr eigenes Weizenmehl mitgebracht. Denn Mehl ist nicht gleich Mehl, wie Hobbybäcker wissen: Wer es genau nimmt, greift für Torten zu Typ 405 und für Nudeln oder Hefegebäck zu Typ 550. Die Zahlen geben den Mineralstoffgehalt im Mehl an. „Es könnte aber auch sein, dass die Japaner eine andere Weizenzüchtung verwenden“, vermutet der Projektmanager. Dann könnte zum Beispiel der Eiweiß- oder der Wasseranteil variieren. Auch das kann Auswirkungen auf das Mehl und damit auf Teig und Brot haben.

Nun geht es auch darum, ob die Teiglinge bemehlt werden sollen, und ob sie erst mit Öl beträufelt werden und dann durch die Walze laufen sollen oder umgekehrt.

Und wie groß die Löcher sein sollen, aus denen das Öl heraustropft ... Einige der in mehreren Testreihen produzierten Brote werden mit zurück nach Japan genommen und dort der Qualitätskontrolle unterzogen.

In der Backmaschine steckt eine Menge Technik. Foto: Annette Körber

In sechs 40-Fuß-Schiffcontainern übers Meer zum Zielort

Die Perfektion ist wichtig. Zum einen sollen die Käufer in Japan nicht nur ein Naan-Brot bekommen, das so schmeckt, wie sie es gewohnt sind, sondern das auch so aussieht. Zum anderen ist Japan nun mal nicht um die Ecke. Fünf, sechs Wochen ist die zerlegte Maschine in sechs 40-Fuß-Schiffcontainern bis zum Zielort unterwegs. Sollte sich dann bei laufendem Betrieb herausstellen, dass etwas nicht passt, lässt sich der Fehler nicht mehr so einfach beheben.

Deshalb ist es wichtig, auch den schlimmsten Fall jetzt schon zu berücksichtigen und auszuschließen. Um sicher zu gehen, übernimmt ein Team aus Bad Staffelstein Aufbau und In-Betrieb-Nahme und schult die Mitarbeiter.

Die letzte große logistische Herausforderung

Der Aufbau. Das wird – wohl Mitte Januar – die letzte große Herausforderung dieses Projekts. Die Halle ist tunnelartig, erklärt Prohaska. Das heißt, die Maschinenteile müssen in der richtigen Reihenfolge angeliefert und aufgebaut werden. Und dann wird noch mal nachjustiert. Schließlich ist das Wasser in Japan anders, genauso wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Auch das hat alles Auswirkungen auf das Endprodukt.

Gut, dass die Naan-Brot-Backmaschine nicht das erste Großprojekt der Fortuna ist. Die Mitarbeiter können auf vielfältige Erfahrungen aufbauen: In Bad Staffelstein entstanden auch schon Anlagen für Pita- und Dönerbrote oder Hotdog-Brötchen. Und es ist auch nicht das letzte. Laut Prohaska sind weitere schon in der Planung.

Nach dem ersten Gärschrank werden die Teiglinge von Walzen flach gedrückt. Foto: Annette Körber

Von Annette Körber

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