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OBERLEITERBACH

Oberleiterbach erhält den Preis „Dorfökologie“

Oberleiterbach erhält den Preis „Dorfökologie“
Beim Rundgang durch das gastgebende Oberleiterbach lernten die Abordnungen von Gartenbauvereinen aus allen Teilen Oberfrankens die vielen schönen Ecken und die Vorzüge des Landessilberdorfs kennen. Foto: Martina Drossel

Eine ehemalige Trafostation wird zum Tierhotel umgestaltet, wo Insekten, Fledermäuse und Vögel einziehen. In einer Jugendaktion entstehen ein Insektenhotel und werden kleine Insektennisthilfen in Biene-Maja-Optik gefertigt. Außerdem werden Blühwiesenflächen ausgesät und gepflegt, im privaten wie im öffentlichen Bereich. Hinter all diesen und noch vielen weiteren ökologisch hervorragenden Projekten steht der Gartenbauverein als Triebfeder, und das wurde am Wochenende als beispielgebend gewürdigt: Vorsitzende Gudrun Brendel-Fischer zeichnete die Verantwortlichen des 273-Einwohner-Dorfes namens des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege am Wochenende im Gemeinschaftshaus mit dem Preis „Dorfökologie – Gartenbauvereine vorbildlich aktiv“ aus.

Oberleiterbach erhält den Preis „Dorfökologie“
Im Kreise der Gratulanten: Die Verantwortlichen des Oberleiterbacher Gartenbauvereins mit Gudrun Brendel-Fischer, der Vorsitzenden des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege (im lila Jacket), sowie ihrer Stellvertreterin Jeannette Simon-Tischer, Friedhelm Haun, Projektleiter bei der Aktion Dorfökologie des Bezirksverbands, Landrat Johann Kalb, Kreisvorsitzendem Dr. Günther Denzler, Bürgermeister Volker Dittrich, Zweitem Bürgermeister Andreas Schonath und Kreisfachberaterin Claudia Kühnel. Foto: Markus Drossel

„Der Gartenbauverein ist der Motor der Dorferneuerung und beim Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft‘. Er ist die ,grüne Eminenz‘ im Ort“: Friedhelm Haun, der Kreisbachberater des Landkreises Kulmbach und Projektleiter bei der Aktion Dorfökologie, kam in der Laudatio fast ein wenig ins Schwärmen. Kein Wunder, ging es hier doch um eines der Golddörfer Oberfrankens (2017), das im Landesentscheid Silber holte und damit einer der schönsten Orte Bayerns ist. Und dort kümmert sich der Gartenbauverein um acht Streuobstflächen und initiierte, dass Oberleiterbach und der Markt Zapfendorf Teil des Biodiversitätsprojekts „Fränkisch verwurzelt“ der Regierung von Oberfranken wurde. Der Spielplatz wurde nicht nur in Eigenregie der Gartler von Grund auf neugestaltet, er erhielt auch eine Vogelschutzhecke mit heimischen Gehölzen. „Und ein Workshop führt die Möglichkeit ein, bei der Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen ökologische Bewirtschaftungsrichtlinien zu verankern.“

Bezirksvorsitzende Gudrun Brendel-Fischer übergibt Preisgeld

Aus den Händen von Gudrun Brendel-Fischer, der Vorsitzenden des Bezirksverbands für Gartenbau und Landespflege, sowie ihrer Stellvertreterin Jeannette Simon-Tischer erhielten die Oberleiterbacher Gartenfreunde eine Urkunde sowie ein Preisgeld von 300 Euro, von den Festgästen gab es reichlich Applaus für die vorbildhafte Arbeit. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Die Summe, so Brendel-Fischer, sei zwar nicht hoch, dennoch wieder ein Mosaikstein, der der beispielhaften ehrenamtlichen Arbeit vor Ort zukomme. Schon weit vor dem Volksbegehren für mehr Insektenschutz hätten sich die Gartenbauvereine für die Belange der Natur eingesetzt. Dabei versuche man natürlich immer, auch ohne Chemie auszukommen. Mit Blick auf die Landwirtschaft aber sagte sie, dass das nicht immer ganz leicht sei. Meist sei der Mittelweg der Beste.

Oberleiterbach erhält den Preis „Dorfökologie“
Von seiner besten Seite zeigte sich Oberletierbach beim Rundgang. Foto: Martina Drossel

„Hier wurde Beispielhaftes geleistet“, schloss sich Bambergs Landrat den Lobesworten an. „Und wir wurden beim Landesentscheid extrem unfair behandelt, denn dieser Ort hatte Gold verdient! Und das holen wir uns auch noch.“ Auch Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich hob die großen Leistungen der Oberleiterbacher und die Verdienste des Gartenbauvereins hervor. „Ich danke allen Bürgern für ihr Engagement, das letztlich im Silber auf Landesebene gipfelte. Wir haben in Oberleiterbach eine hervorragend aufgestellte Dorfgemeinschaft. Ohne deren ehrenamtliches Engagement würde das alles nicht funktionieren. So wird in Oberleiterbach Zukunft gemacht!“.

Oberleiterbacher stehen mit Leib und Seele hinter ihrem Dorf

Für Dr. Günther Denzler, der ehemalige Bezirkstagspräsident und Vorsitzender des gastgebenden Kreisverbands Bamberg, war der Preis nur eine logische Konsequenz: „Die Oberleiterbacher stehen mit Leib und Seele hinter ihrem Dorf. Hier ist ein Haus schöner als das andere. Das ist der interne Dorfwettbewerb. Die Begeisterung der Bevölkerung ist das, was den Ort so lebens- und liebenswert macht.“ Auch Kreisfachberaterin Claudia Kühnel gehörte zu den Gratulanten.

Der Feierstunde vorangegangen war eine einstündige Führung durch das Landessilberdorf Oberleiterbach. Das Team des örtlichen Gartenbauvereins um die Vorsitzenden Harald Hümmer und Angela Hennemann zeigten ihren Gästen, wie „Lätterboch“ dank Energiegenossenschaft, Biogasanlage und Dorfheizung bis zu 900 000 Kilowattstunden Wärme im Jahr selbst produziert, und das aus nachwachsenden Rohstoffen aus unmittelbarer Umgebung. Die Gäste erfuhren, dass Ivo Hennemann, der Pop-Star unter den Eremiten auf dem Staffelberg und eben jener, der in der fränkischen Nationalhymne „Wohlauf, die Luft …“ mehrfach vorkommt, in diesem Dorf geboren wurde und hier auch seine letzte Ruhestätte im Schatten der Sankt-Laurentius-Kirche fanden.

„Oberleiterbach blickt in die Zukunft, ohne die Vergangenheit zu vergessen“, sagte Harald Hümmer. Zum Ausdruck kommt das beim Historischen Dorfrundgang mit QR-Code, eine Art lebendiges Geschichtsbuch, das via Smartphone oder über die Internetseite www.oberleiterbach.de Einblicke in die Zeiten von Anno Dazumal gibt. Die Besucher staunten ob der vielen schönen Fachwerkhäuser, dem vielen Grün im Dorf und dem riesigen Engagement der Dorfbewohner. „Das Gemeinschaftsgefühl ist genau das, was den Ort so lebens- und liebenswert macht“, sagte Volker Dittrich, der Bürgermeister des Marktes Zapfendorf, stolz.

Die Preisträger

Gartenbauverein Oberleiterbach (Markt Zapfendorf, Landkreis Bamberg), Obst- und Gartenbauverein Trockau (Stadt Pegnitz, Landkreis Bayreuth), Gartenfreunde Stöppach (Gemeinde Untersiemau, Landkreis Coburg), Obst- und Gartenbauverein Eggolsheim (Markt Eggolsheim, Landkreis Forchheim), Obst- und Gartenbauverein Zedtwitz (Gemeinde Feilitzsch, Landkreis Hof), Obst- und Gartenbauverein Effelter (Gemeinde Wilhelmsthal, Landkreis Kronach), Gartenbauverein Grafengehaig (Markt Grafengehaig, Landkreis Kulmbach), Gartenbauverein Thierstein (Markt Zhierstein, Landkreis Fichtelgebirge).
 

Von Martina Drossel

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