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KLOSTER BANZ

Melton-Tuba-Quartett in Banz: Schneller als David Garrett

Melton-Tuba-Quartett in Banz: Schneller als David Garrett
Tubist Ulli Haas wagt den Kniefall vor Hartmut Müller. Das Ensemble war so musikalisch wie humorig. Foto: Markus Häggberg

Da stand Achim Melzer und flachste: Die Herren, die da kommen werden, die seien „ausgezeichnete Conferenciers“ und daher sei es ihm erlassen, große Worte zu machen. Also machten andere als der künstlerische Leiter der Kammerkonzerte auf Kloster Banz Worte, nämlich vier Tubisten im Kaisersaal am Sonntag. Und nebenher brillierten sie als einziges professionelles Tubaquartett Deutschlands.

Vier Männer, vier Symphoniker, Philharmoniker, Kammermusiker oder Professoren – zusammen das Melton-Tuba-Quartett. Was Hartmut Müller, Heiko Triebener, Jörg Wachsmuth und Ulrich Haas bei diesem zweiten Konzert der Banzer Kammermusik-Saison so trieben, dürfte den Menschen im Kaisersaal auf eine im besten Sinne merkwürdige Weise im Gedächtnis bleiben. Denn Tuben können tönen, hallen, einen Raum mit Klang auf eigene Art ausfüllen, gerade so, als ließe sich Musik in Scheiben schneiden. Die laute Seite der Klassik.

Stille Post für Tuba oder wenn Musiker eine Geschichte erzählen

Die war auch spaßig, denn während Müller, Mitglied des Symphonieorchesters Wuppertal, zu Beginn noch weiszumachen suchte, dass der Rest des Quartetts irgendwo verloren gegangen sei, kam der Rest durch die Tür und spielte den berühmten „Washington-Post-Marsch.“ Noch recht leichte Kost im Vergleich zu Rossinis „La Danza“, einem einer neapolitanischen Tarantella nachgestalteten Erlebnis mit präzisen Läufen, die in einen 6/8-Takt gesetzt wurden.

Aber schon das erfuhr eine glatte Steigerung durch ein Stück, das im Original für ein Tuba-Quartett komponiert wurde. Auf diese Idee kam Etienne Crausaz mit „Old Legend“, einer Art „Stille Post“ für Tubaspieler. Der Grundgedanke: es wird eine schlichte Melodie erzählt, die von einer Legende kündet. So begann Müller, reichte die Melodie an Haas weiter, der an Wachsmuth und der an Triebener von den Bamberger Symphonikern. Unter dem Staunen der Zuhörer wuchs sich das Ganze zu Nebenmelodien aus, erfuhr hier eine Phrasierung und dort eine Ausschmückung. Am Ende wurde aus der alten Legende eine vierstimmige Komplexität, aus einer einfachen Geschichte eine hochmusikalische Übertreibung.

Ein bisschen Instrumentenkunde gab es von den spaßig aufgelegten Männern auch. 1835 wurde das Instrument Tuba geschaffen, lange nach den Bachs und Mozarts. Aber das Quartett ging mit „gutem Gewissen ein bisschen klauen“, wie es das Umschreiben von Stücken für andere Instrumente nannte. Das nämlich sei zu Zeiten der Mozarts und Bachs üblich gewesen und so kam es sogar zu Rimski-Korsakows „Hummelflug“ und zu einem erstaunlichen Bericht. Wachsmuth nämlich, vielfacher Musikpreisträger und Solotubist der Dresdner Philharmonie, trat in Stefan Raabs Sendung den Beweis an, dieses berühmt-berüchtigte temporeiche Stück mit seinen 720 Sechzehntelnoten schneller als der Geiger David Garrett spielen zu können.

„Musik für Geigen, Flöten oder Oboe klingt auf der Tuba viel schöner.“
Hartmut Müller, Tubist

Den „Hummelflug“ sollte sich das Quartett diesmal teilen und auch gekonnt gegen andere Instrumente frotzeln. Musik für Geigen, Flöten oder Oboe klinge „auf der Tuba viel schöner“, so Müller und führte aus, dass Leonard Bernstein das bei seiner „West Side Story“ noch nicht gewusst habe. Aber hörte er sie jetzt spielen, so würde er sicher vom Himmel aus geläutert lächeln. Dunkler und durch die Tuben tiefer gesetzt, kam es zur „Story of the Lower Westside“, einem Medley bekannter Bernstein-Melodien.

Zwei Stunden Hochmusikalität zwischen Bekanntem und weitgehend Unbekanntem, eine Entdeckungsreise zu einem ziemlich unbekannten Instrument. Das Publikum, äußerst zahlreich erschienen, genoss das sichtlich.

Von Markus Häggberg

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