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KLOSTER BANZ

Vortrag über Banzer Stiftskirche entführt in den Barock

Vortrag über Banzer Stiftskirche entführt in den Barock
Am mittwochabendlichen Programmpunkt zum Weihejubiläum hatten Pfarrer Hans-Werner Alt und sein Gast, Kunsthistorikerin Uta Hengelhaupt, selbst viel Freude. Foto: Markus Häggberg

Irgendwann beim Durchlesen eines Buches wurde Pfarrer Hans-Werner Alt wohl besonders munter. Das Buch, welches er in Händen hielt, hat Altarbau und kirchliche Innenausstattung zum Thema. Die Autorin, die darin besonders erhellend erklärte, ist Professorin Uta Hengelhaupt aus Bamberg. So geriet die Frau mit einem Vortrag ins fünf Punkte zählende Festprogramm zu „300 Jahre Weihejubiläum der Stiftskirche“. Am Mittwoch kam es durch sie im Pfarrsaal zu einer reizvollen kunstgeschichtlichen Beleuchtung eben dieser Kirche.

27 Besucher mögen nicht die Welt gewesen sein, aber wenig war das ja auch nicht, und immerhin warten noch ein Vortrag und ein Orgelkonzert auf Interessenten. Nur war es eben so, dass Kunsthistorikerin und Genussbotschafterin Hengelhaupt durchaus zu vielem Erhellung bot, vor allem zum Geist einer barocken Zeit und seiner Art, sich mitzuteilen.

Eine „wunderbare und bedeutende“ Ausstattung

Denn wer nicht lesen konnte, der bedurfte vor 300 Jahren der Schaubilder und der Zeichensetzungen. Das boten die Kirchen über ihre Ausstattung. Die von Banz gehört für Hengelhaupt „zu den wunderbarsten und bedeutendsten“ und fällt in eine Zeit, die sie mit ihrem Buch aufgriff. Es ist die Spanne zwischen 1680 und 1720, die sie besonders im Auge hat.

So trug die Referentin vor, dass der Grundstock für den Bau Anno 1702 exakt 43 400 Gulden betragen habe. „Das Kloster hat alles finanziert – da war nix auf Pump.“ In diesem Zusammenhang erhellte Hengelhaupt auch einen gängigen Begriff, der in manchen Mund geriet, ohne richtig angewendet zu werden: Gesamtkunstwerk.

Eigentlich habe erst Richard Wagner dieses Wort geprägt und damit einen Kreativen gemeint, aus dessen Zurückgezogenheit und Leben für die Kunst etwas entsteht. Dieses Etwas muss nicht unbedingt, so wie es dem heutigen veränderten Verständnis des Wortes entspricht, „aus einem Guss“ sein.

Doch wer hätte gedacht, dass hinter dem in der Kunstgeschichte eingeführten Begriff vom „Fränkischen Barock“ das Bemühen stand, nach römischem Vorbild zu gestalten? Auftraggeber sakraler Bauten, so Hengelhaupt, hätten ein Augenmerk darauf gehabt, dass ihre Baumeister, Freskomaler und Stuckateure den römischen Barock aus eigener Anschauung kannten. Kilian Düring beispielsweise war so einer mit Augenmerk. Der Geistliche, der von 1701 bis 1720 Abt in Banz war und als der eigentliche Kirchenerbauer gilt, war 1680 selbst in Rom und sog die dortige Ästhetik in sich auf. Doch diese Ästhetik war auch darum eine, weil sie Wissen und Glaubensinhalte Menschen anschaulich vermittelte, die zu über 95 Prozent Analphabeten waren.

Ungewöhnliche Raumerlebnisse geschaffen

Kloster Banz ist mehr als Johann Dientzenhofer. Natürlich fiel bei dem Vortrag im Pfarrsaal der Name des Baumeisters von Kloster Banz, aber es fielen eben auch die der Freskanten und Bildhauer, die mittels „illusionistischer Techniken“ Raumerlebnisse schufen. Nachdem die Referentin auf das Wirken dieser Künstler einging, räumte sie auch dem Umstand Platz ein, wonach sich die Künstler untereinander kannten und empfohlen.

Die Illusionen, von denen Uta Hengelhaupt sprach, belegte sie auch bildlich eindrucksvoll, und verschuf Einblicke in eine ganze Welt zwischen Barock, Franken und der Pädagogik eines Theatrum sacrum.

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