aktualisiert:

BAD STAFFELSTEIN

Naturschutz am Stadtrand

Ein Männlein steht im Felde: Hans-Karl Hertel inmitten eines der Blühstreifen, die er um zwei seiner Maisäcker im Bad Staffelsteiner Süden angelegt hat. Foto: Markus Drossel

Als im Frühjahr das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in aller Munde war, hatte der Horsdorfer Landwirt Hans-Karl Hertel die Samen für seine Blumenmischung bereits in der Scheune eingelagert. Ende April, noch vor der Maissaat, startete er dann seine privat finanzierte Aktion, um einen Beitrag gegen das Insektensterben zu leisten. Um zwei seiner Maisfelder, die ganz in der Nähe des Horsdorfer Kreisels in Bad Staffelstein liegen, säte er zwischen fünf und zehn Meter breite Blühstreifen, die zusammen über einen Hektar Fläche bedecken. 70 Kilogramm Saatgut waren dafür notwendig.

Schon noch einigen Wochen blühte dann die Phacelia, Lupinen, Erbsen und Weißklee folgten, so dass immer reichlich blühender Nachschub und Unterschlupf für allerlei Kleingetier vorhanden war.

Derzeit stehen die Sonnenblumen in voller Blüte, und nach wie vor tummeln sich Heerscharen von Insekten rund um die beiden Maisfelder.

Eine Frage brennt Hans-Karl Hertel noch auf den Nägeln: Sind bestimmte Sonnenblumenarten besser für die Bienen, und wie lassen sich diese erkennen? Foto: Markus Drossel

Bei den Sonnenblumen hat sich Hertel für die Sorte Peredovick entschieden, da diese angeblich besonders nektar- und pollenreich sein soll und daher vielen Insektenarten eine üppige Nahrungsgrundlage bieten würde. „Die landwirtschaftlich genutzten Sonnenblumen sind natürlich auf den Ertrag der Kerne beziehungsweise deren Ölgehalt gezüchtet. Da ich aber etwas für die Insekten tun wollte, habe ich mich für die laut Herstellerangaben nektar- und pollentragende Variante entschieden.“

Was ist dran an den vermeintlich bienenfreundlichen Sorten?

Inzwischen hat er auch im Gespräch mit einigen Imkern versucht, genauer zu ergründen, was denn dran ist an den bienenfreundlichen Sonnenblumensorten. „Das ist doch auch ein Thema für Gartenbesitzer, die gerne Sonnenblumen pflanzen und etwas für den Artenschutz tun wollen“, ist Hertel überzeugt. Dabei konnten ihm sowohl die Bad Staffelsteiner Imkerin Manuela Trebes als auch der Rothmannsthaler Imker Norbert Mager bestätigen, dass in sogenannten Trachtpflanzenbüchern durchaus darauf hingewiesen wird, dass es diesbezügliche Unterschiede bei den Sonnenblumen gibt. Vor allem die kleineren und spät blühenden Sorten sollen mehr Nahrung besonders für Bienen produzieren. Ob dies aber generell so ist, konnten auch die beiden Experten nicht bestätigen. Ebenso wenig, wie es sich bei den für Hobbygärtner oft im Bau- oder Verbrauchermarkt angebotenen Sorten verhält.

Norbert Mager hat außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass auch die Form der Blüte damit zu tun hat, welche Insekten besser an Nektar und Pollen kommen. So hätten viele Hummelarten längere Rüssel als Bienen und könnten auch aus einem tieferen Blütenkelch noch den Nektar schlecken.

Im Internet wird zudem darauf hingewiesen, dass bei vielen Sonnenblumensorten die Eigenschaft zur Pollenproduktion herausgezüchtet worden sei. Der einfache Grund: Sie sollen als Schnittblumen möglichst wenig Pollenstaub auf der Tischdecke hinterlassen.

Wer sich mit dem Thema auskennt und „Licht ins Sonnenblumendunkel“ bringen kann, schickt eine Mail an redaktion@obermain.de oder meldet sich unter der Tel. (09571) 78827.

Von Stefan Lommatzsch

Weitere Artikel