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Genusswanderung: Wenn Lachs das Gartenallerlei küsst

Genusswanderung: Wenn Lachs das Gartenallerlei küsst
Nahm sich Zeit, in das Wissenswerte zum Tomatenanbau einzuführen: Helga Dressel. Foto: Markus Häggberg

„Tomaten sind meine Rosen“: Wer kann das schon von sich behaupten? Dort, wohin jüngst die Genusswanderung führte, wird das behauptet. Startpunkt war Stadtturm, Zielpunkt das „Reich“ von Helga Dressel in Grundfeld. Kurz: Es ging zur „Tomatenfraa“.

Genusswanderung: Wenn Lachs das Gartenallerlei küsst
Nicht jede Tomate, auf die man im Garten des Zieltortes stieß, war wirklich authentisch. Foto: Markus Häggberg

Der Himmel verhieß nichts Gutes. Einerseits. Andererseits wäre es gar nicht so leicht, eine Genusswanderung kurz vor ihrem Start noch abzusagen. Und das sei auch noch nie passiert, erklärte Hildegard Wächter.

Über den „Panoramaweg“ zunächst nach Romansthal gelaufen

Immerhin 14 Wanderer, zuallermeist treue Anhänger der von dem Kur- und Tourismus-Service angebotenen Serie, fanden sich am Stadtturm ein. Der Himmel war zwar bedeckt, die Luft aber war lau und klar. Angesichts des noch vom Vortag feuchten Bodens entschied sich Wanderführerin Hildegard Wächter für eine Route, die auf halber Höhe des Staffelbergs lag und über den „Panoramaweg“ nach Romansthal führte.

Dort angekommen, sorgte Wächter für ein wenig Erhellung. So bezöge der Ort seine Namensbedeutung mit starker Wahrscheinlichkeit von jemandem, der aus dem romanischen Sprachraum gestammt habe, sehr vermutlich aus Italien.

Paradeiser auf der Speisekarte

Zu diesem Zeitpunkt stand der Ehemann der Grundfelderin Helga Dressel in der Küche und bereitete etwas vor, was noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte: gefüllte Hähnchenkeulen, Kaiserschmarrn mit süßen Paradeisern (so nennt man in Südtirol die Tomaten) oder ein „buntes Gartenallerlei“, welches „Mango, Lachs und Parmesan küsst“. So sollte es auf den Speisekarten stehen, die auf dem Tisch unter der Weinlaube in Dressels Garten ausgelegt wurden.

Genusswanderung: Wenn Lachs das Gartenallerlei küsst
Ein Highlight des Tages: Tomate verband sich auf mehreren Ebenen mit Mango und Lachs. Foto: Markus Häggberg

„Schweres Geläuf“ hatten die Wanderer bis dorthin nicht zu bewältigen. Aber was die Gruppe erwartete, dürfte den wenigsten aus ihr klar gewesen sein. Helga Dressel ist ausgebildete Garten- und Gästeführerin und quasi ein wandelndes Lexikon zum Thema Tomaten, Tomatengeschichte, Tomatensorten. Allein in ihrem Garten befinden sich 150 angebaute Sorten, zudem steht dort ein kleines Lädchen mit selbstgemachtem Tomatenallerlei zwischen Pesto und Gewürzen.

Eine Führung durch die Welt der Tomatenvielfalt

Beim Eintreffen war das Erstaunen groß. Helga Dressel führte durch ihren Garten, durch eine Welt der Tomatenvielfalt. Doch einige der ulkigsten Utensilien in ihrem Garten befanden sich kurz unter der Decke der Gartenlaube: Augenbinden. „Es gibt Leute, die mögen keine gelben Tomaten. Die bekommen dann Augenbinden und doch gelbe Tomaten, dann schmecken sie ihnen doch“, erklärte die „Tomatenfraa“.

Genusswanderung: Wenn Lachs das Gartenallerlei küsst
Was hängt denn da? Tatsächlich hat Helga Dressel auch für Blindverkostungen Vorsorge getroffen. Unter Zuhilfenahme dieser Augenbinden baut sie Vorurteile gegen unbekannte Tomatenformen oder Tomatenfarben ab. Foto: Markus Häggberg

Vor drei Jahren kam es erst zur Bekanntschaft zwischen ihr und Hildegard Wächter und im vergangenen Jahr dann zu dem Umstand, wonach Dressel erstmalig gastgebend für eine solche Wandertour war. Als schön an der Wandertour dürfte neben dem originellen und schmackhaften Essen auch in Erinnerung bleiben, was Dressel an Wissenswertem zum Phänomen Tomate bereithielt. Die Frau, die selbst von Obst- und Gartenbauverständigen zu Anbaufragen konsultiert wird, beschritt Spuren, die auf Feldern der Sprachkunde, der Soziologie, der Geschichte oder Ernährungskunde zur Tomate ausgelegt sind. Der Heimweg hingegen fiel ins Wasser, aber da lag das Wesentliche ja schon hinter den Wanderern.

 
 

haeg

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