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KLOSTER BANZ

Vernissage in Kloster Banz: Mit Äbten, die es krachen lassen

Vernissage in Kloster Banz: Mit Äbten, die es krachen
Unter herzöglichem Blick fanden sich am Dienstag Besucher ein, die Gänge samt der Schautafeln zu erkunden. Foto: Markus Häggberg

Wie rafft man rund 150 Jahre zusammen, noch dazu rund 150 bewegte Jahre? Im Museum Kloster Banz ist etwas dazu eingetreten, was über viele Felder hinweg zu einer reizvollen Gesamtschau zur Klostergeschichte führt. Wie das alles zusammenhängt, wurde am Dienstagabend während einer Vernissage klar.

Wie man Robert Schäfer so zuhörte, bekam man schnell eine Vorahnung zu dem, was einen auf den 13 Schautafeln begegnen wird. Schautafeln - das klingt so gewöhnlich. Aber das Museum ist ja schon an sich reizvoll mit seinem Ambiente, seinen beiden Stockwerken, seinem weichen Beleuchtungskonzept et cetera.

Nun konnte Museumsleiterin Brigitte Eichner-Grünbeck auf ein mit Kunsthistoriker Robert Schäfer und Grafikgestalterin Sandra Trunk umgesetztes Projekt verweisen, welches planerisch im Herbst 2018 begann und zum Ziel hatte, das Auf und Ab von Kloster Banz zwischen 1648 und 1803 auf dem Gebiet der Architektur, der Malerei, des gelehrten Wissens samt 19 000 Bänden zählenden Bibliothek und des Lebens eben unter dem Spannungsbogen zwischen Dreißigjährigen Krieg, Westfälischem Frieden und Säkularisation in „komprimierter, geraffter Form darzustellen“, wie es Schäfer nannte.

Ein Balthasar Neumann ist ohne Dientzenhofer nicht denkbar

„Kloster Banz - Auf dem Weg zur barocken und geistigen Blüte“, so der Name der noch bis zum 31. März 2020 währenden Ausstellung. Roter Faden ist dabei der Blick auf die Geisteswelt und insbesondere auch auf den Namen Dientzenhofer. „Das war ja eine ganze Sippe“, hob Schäfer einen Umstand hervor, der ihm darzulegen besonders am Herzen zu liegen schien.

Vernissage in Kloster Banz: Mit Äbten, die es krachen
Robert Schäfer zeichnete mitverantwortlich für das, was nun entstand. Der Mann, der in der Kunsthistorik beheimatet ist, half, 155 Jahre gerafft darzustellen.

Tatsächlich eine Sippe begabter Baumeister und insbesondere Johann Dientzenhofer (1663-1726), Schöpfer der Klosterkirche, hat es dem Magister Schäfer angetan. Ein Balthasar Neumann sei „ohne Dientzenhofer nicht denkbar“, so Schäfer an die Besucher gerichtet.

Doch auch Schäfer selbst hatte Befürworter, beispielsweise Neubanz' Ortsbeauftragten Manfred Büdenbender, der in seiner Begrüßungsrede die Kompetenz Schäfers zum Thema Barock hervorhob. Und Schäfer ließ Wissen aufblitzen, führte in die Welt architektonischer Gepflogenheiten des 18. Jahrhunderts.

So sei die Architektur eines Dientzenhofers nicht akademisch gewesen, akademische Architektur sei beim Militär im Festungsbau eher anzutreffen gewesen.

Doch was diese gerafften und komprimierten 155 Jahre besonders kennzeichnete, war die Rasanz des Geschehens innerhalb dieser Frist. Immerhin war das Kloster 1648 geschleift worden, war Ruine und ruiniert. Dann folgte eine ungewöhnliche Blütezeit auf vielen Gebieten, etwas, das im Grunde und vom Tempo her gegenläufig zur damaligen Realität war. Es gab Geld, ein Heer an Künstlern, die in Banz arbeiteten, es gab experimentelle Architektur und „Äbte, die es krachen“ ließen, um die Besonderheit des Ortes voranzubringen.

Es gab Geld und ein Herr an Arbeitern

Alles in allem zeigt die Ausstellung zwar keine neuen Forschungsergebnisse, aber eine unerwartete Themenvielfalt, bei der Bekanntes auf den Punkt gebracht wird und bei der auch Biografien von Äbten Beleuchtung finden, die bisher weitgehend unbekannt geblieben sind.

Vernissage in Kloster Banz: Mit Äbten, die es krachen
Robert Schäfer zeichnete mitverantwortlich für das, was nun entstand. Der Mann, der in der Kunsthistorik beheimatet ist, half, 155 Jahre gerafft darzustellen.

Von Markus Häggberg

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