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KLOSTER BANZ

Orgelmatinee in Kloster Banz

Dr. Markus Blomenhofer ist Organist in Küps-Johannisthal und spielt seit seinem neunten Lebensjahr Orgel. Foto: archivAndreas Welz

In der halbstündigen Orgelmatinee am Sonntag, 18. Juni, um 11.30 Uhr ist Markus Blomenhofer aus Johannisthal zu Gast. Das Programm enthält Musik von unbekannten Komponisten der Renaissance, Rathgeber, Balbastre und Bach. Wie immer bei den Matineen ist der Eintritt frei. Am Ausgang wird um eine angemessene Kollekte für die Erhaltung des großartigen barocken Seuffert-Woehl-Instruments gebeten.

Am Anfang stehen Werke von Komponisten aus der Renaissance. Mit fünf kurzen Stücken werden verschiedene Klangfarben des Banzer Instruments vorgestellt.

Aus der Feder des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach spielt Blomenhofer zwei Choralbearbeitungen aus dem sog. „Orgelbüchlein“. Die Entstehungsgeschichte dieses Orgelbüchleins geht auf Bachs Wunsch zurück, eine Sammlung kleinerer Orgelchoräle zu komponieren, die durch das ganze Kirchenjahr führen sollte.

Religiöse Texte mit Musik verdeutlichen

Albert Schweitzer nennt das Orgelbüchlein das „Wörterbuch“ der Bachschen Tonsprache überhaupt. Er meint damit Bachs besondere Fähigkeit, den religiösen Textgehalt mit musikalischen Mitteln zu verdeutlichen. Mit einer schönen und abwechslungsreichen Harmonisierung und einer reich verzierten Melodiestimme erklingt der Choral „Herzlich thut mich verlangen“.

In der Choralbearbeitung über den österlichen Choral „Heut‘ triumphiret [sic] Gottes Sohn“ symbolisieren charakteristische Begleitfiguren (Freudenrhythmus, zahlreiche bewegte aufsteigende Tonfolgen, ostinate Baßfiguren) das Geheimnis des Osterfestes.

Pater Johann Valentin Rathgeber war ein Zeitgenosse Bachs und lebte als Benediktinermönch in Kloster Banz. Von ihm erklingen aus der Sammlung „Musikalischer Zeit-Vertreib auf dem Clavier“ op. 22, komponiert 1743, vier Schlag-Arien. Unter der Bezeichnung „für Clavier“ sind – dem Gebrauch der damaligen Zeit entsprechend – alle Tasteninstrumente gemeint, also Orgel, Cembalo und Clavichord.

Von dem in Frankreich lebenden Komponisten Claude-Bénigne Balbastre stammt die „Romance in C“. Sie ist ursprünglich für eine Flötenuhr, eine Uhr mit einem kleinen mechanischen Spielwerk, komponiert. Den Bau eines Spielwerks für dieses Stück beschreibt der Mönch Dom François Bedos de Celles in seinem Buch „L?art du facteur d?orgues“. Bei der Romance in C sind die vierfüßigen Flötenregister der Seuffert-Orgel zu hören.

Die Orgelmatinee endet mit einem weiteren Stück von Bach. Bei seiner Fantasia in G handelt es sich um ein großes, dreiteiliges Werk: Eine einstimmige Einleitung mit Echowirkungen, ein fünfstimmiger homophoner Mittelteil von fast pathetischer Großartigkeit und schließlich ein Schlußteil mit rauschenden Manualläufen und abwärtssteigenden Bässen. Das ganze Werk ist getragen von ansteckendem jugendlichem Feuer und der Freude an Virtuosität, Klangpracht und Klangrausch.

Der aus Johannisthal stammende Markus Blomenhofer ist promovierter Chemiker und als nebenamtlicher Organist vorwiegend in der katholischen St. Marien-Kirche in Johannisthal und in der evangelischen Pfarrei Burkersdorf/Hain tätig.

Die Seuffert-Orgel

Das Instrument in der Stiftskirche mit 35 klingenden Registern auf zwei Manualen und Pedal wurde 1745–48 von Johann Philipp Seuffert, Würzburg, für Kloster Grafschaft errichtet, und nach zwischenzeitlicher Verwendung in Frankenberg an der Eder wurden 1987 durch Gerald Woehl, Marburg, und seine Mitarbeiter Pfeifen und die Schleifladen in das erhaltene Gehäuse der bis 1903 bestehenden Banzer Seuffert-Hauptorgel eingesetzt.

Von Rainer Herr

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