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Eine Stimme trotzt der Kälte im Brückentheater im Kurpark

Eine Stimme trotzt der Kälte im Brückentheater im Kurpark
Dany Hertje und ihr Vater Vitali interpretierten Songs von Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Sarah Vaughan. Foto: Gerda Völk

Dany Hertje stand nicht zum ersten Mal auf der Bühne des kleinen Brückentheaters im Kurpark. Als Jazz-Sängerin Billie Holiday in „Blues der Lady“ begeisterte die Theatersommer-Künstlerin schon mehrmals ihr Publikum. Aber noch niemals war es so lausig kalt wie bei ihrem Auftritt am Donnerstag in „Jazzballaden mit einem Dreigestirn“.

„Wir stellen es unseren Künstlern frei, bei dieser Kälte aufzuhören, wann immer sie wollen“, erklärte Theatersommer-Intendant Jan Burdinski in der Pause. Den Zuhörern bot er an, mit ihren Eintrittskarten doch zur Eröffnung des Gartentheaters am 9. Juni (Pfingstsonntag) nach Kutzenberg zu kommen. „Da haben wir viel Sonne“, versprach er. Letztlich entschieden sich Dany Hertje, ihr Vater Vitali Hertje (Piano) sowie das Publikum, auch den zweiten Teil bei Temperaturen im einstelligen Bereich durchzustehen, allerdings ohne Pause.

„Wir stellen es unseren Künstlern frei, bei dieser Kälte aufzuhören, wann immer sie wollen.“
Jan Burdinski, Theatersommer-Intendant

Dany Hertje ist wie ihre großen Vorbilder Billie Holiday, Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan mit dem Jazz aufgewaschen. Nur dass der nicht von einem Grammofon kam, sondern von ihrem Vater Vitali Hertje auf dem Piano gespielt wurde. „Jazz habe ich von morgens bis abends gehört“, erinnerte sich die Tochter bei einem früheren Gespräch vor vier Jahren.

Neben Billie Holiday hat sich Dany Hertje auch mit viel Engagement den beiden anderen Jazz-Legenden Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan genähert, deren Namen und vor allem ihre Musik bis heute nichts von ihrem Klang verloren haben.

Eine Stimme wie ein Instrument

Ella Fitzgerald spielte mit ihrer Stimme wie mit einem Instrument. Sie erblickte am 25. April 1917 im Städtchen Newport News im US-Bundesstaat Virginia das Licht der Welt. Als 17-Jährige trat sie bei einem Talentwettbewerb im legendären Apollo Theater in Harlem auf, allerdings nicht als Sängerin, sondern als Tänzerin. Doch das Lampenfieber hatte Ella Fitzgerald fest im Griff, und an Tanzen war nicht zu denken. Da das Publikum bereits unruhig wurde, fing sie an zu singen und überzeugte so. Daniela Hertje interpretierte neben weiteren Hits auch das fröhliche „A-Tisket, A-Tasket“, den Sommerhit des Jahres 1938.

Das Leben der Jazzsängerin Billie Holiday war vom Drama einer Vergewaltigung geprägt. Ihre Mutter, Sadie Harris, bringt ihre Tochter Eleanora am 7. April 1915 zur Welt. Als Vater gilt der Gitarrist Clarence Holiday, der seine Tochter oft „Bill“ nannte, weil sie als Kind so rauflustig wie ein Junge war. Billie Holiday wächst meist bei Verwandten auf. Als sie mit zehn Jahren von einem Nachbarn vergewaltigt wird, erhält ihr Vergewaltiger fünf Jahre Gefängnis. Billie dagegen wird in eine Besserungsanstalt gesteckt.

Ein einzigartiges Timbre

Danach schlägt sich Holiday für wenig Geld als Putzfrau bei der weißen Bevölkerung und in einem Bordell durch. „Billie Holiday hatte nicht den Stimmumfang von drei Oktaven, sie hatte ein Timbre, das einzigartig war“, erklärt Dany Hertje. Auch ihre Songs spiegelten ihr bewegtes Leben wider, darunter auch „Strange Fruit“, eine leidenschaftliche Anklage gegen die Lynchjustiz im Süden der USA. Das Lied erzählt von schwarzen Leichen, die in Bäumen baumeln, aus deren Blättern und Zweigen Blut tropft. Ein Song, der zum Markenzeichen von Billie Holiday wurde.

Wieder einmal gelang es Dany Hertje, die Widersprüche der drei Frauen und ihrer Schicksale sowohl musikalisch als auch schauspielerisch umzusetzen. Begleitet wurde von sie von ihrem Vater, dem Jazzpianisten Vitali Hertje. Eine Zeitreise in die Vergangenheit, die sich die Liebhaber dieser Musikrichtung trotz lausiger Kälte nicht entgehen lassen wollten.

Von Gerda Völk

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