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VIERZEHNHEILIGEN

Neue Glocken für Vierzehnheiligen

„Friede sei ihr erst Geläute“
Schweißtreibend: die Glockengießer nach dem Anstich bei der Arbeit. Foto: Stanislaus Wentowski

Mancher Bewohner des Gottesgartens wird sich am Freitag, 15.30 Uhr, gewundert haben, dass für 20 Minuten alle Glocken der Basilika läuteten. Sie haben ihre „neuen Geschwister“ begrüßt: Zur gleichen Zeit begann in Neunkirchen in Baden bei der Gießerei Bachert der Guss der neuen Basilikaglocken. Diese „Gleichzeitigkeit“ haben sich die beiden Basilikamesner Tobias Hartmann und Daniel Reitz ausgedacht, der eine in Neunkirchen, der andere in Vierzehnheiligen – die Gleichzeitigkeit ist im Zeitalter des Smartphones ja kein Problem mehr.

„Allmächtiger Gott, segne dieses flüssige Metall, das für den Guss der Glocken bestimmt ist. Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg. Gib, dass die neuen Glocken deinen Namen verherrlichen.“ So hieß es in dem Gebet, das Pater Heribert vor dem fauchenden Ofen und den vorbereiteten Bahnen für die glühende Bronze in der Glockengießerei Bachert in Neunkirchen in Baden betete.

Tränen in den Augen

Fasziniert schauten die Teilnehmenden, darunter 25 aus dem Gottesgarten, auf den riesigen schwarzen Kessel, in dem die Bronze brodelte, und auf Meister Albert Bachert, der mit seinen Männern, bekleidet mit Schutzmänteln und -helmen, auf dem Sandhügel stand, in den die Gussformen eingegraben waren.

Und dann kam der Moment, der manchem der Teilnehmer Tränen in die Augen trieb und fast allen eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ: Der Kessel wurde angestochen – und die glühende Bronze floss in die vorbereiteten Kanäle auf dem Sandhügel. Es zischte und sprühte, und die Zuschauer starrten wie gebannt auf die Bahnen, in denen die Gießer das Metall zu den einzelnen Formen leiteten.

„Allmächtiger Gott, segne dieses flüssige Metall, das für den Guss der Glocken bestimmt ist. Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg.“
Pater Heribert

Am Glockenguss nahmen auch Vertreter der evangelischen Gemeinde von Wurzen in Sachsen und der syrisch-orthodoxen Gemeinde von Bietigheim-Bissingen teil, für die beim gleichen Guss Glocken entstanden.

„Friede sei ihr erst Geläute“
Die Gruppe aus dem Gottesgarten im Gespräch mit Rosemarie Vollmer. Foto: Stanislaus Wentowski

Abgeschlossen wurde der Guss mit einem Fürbittgebet für die Mitarbeiter der Gießerei, für die, die den Guss der Glocken an den verschiedenen Orten fördern, und für alle die, die der Klang dieser Glocken erreichen wird. Im Anschluss an den Guss erklärte Christiane Bachert, die Frau des Meisters, an einem Modell, wie die Form für den Guss über die Bearbeitung der „falschen Glocke“ Schritt für Schritt entsteht. Die Vierzehnheiligener Gruppe traf sich dann mit Rosemarie Vollmer, der Künstlerin, die die Glocken gestaltet hat. Sie erklärte, wie sie die Namen und Aufschriften der Glocken – entstanden im Zusammenwirken von Kirchenverwaltung, Basilikaorganist Georg Hagel und dem deutschlandweit bekannten Glockensachverständigen Dr. Claus Peter – graphisch gestaltet und bebildert hat. „Für mich war es eine Ehre, die Glocken für die berühmte Basilika Vierzehnheiligen gestalten zu dürfen!“, sagte Vollmer, und man merkte ihr ihre Freude an.

„Falsche“ und „echte“ Glocken

„Friede sei ihr erst Geläute“
Die „falsche Glocke“ mit der künsterischen Gestaltung. Foto: emarie Vollmer

Was die Teilnehmer besonders interessierte, war die Frage, wie es möglich ist, die Gestaltung auf die Glocke zu bringen. Hoch interessant zu erfahren, wie zunächst die „falsche Glocke“ künstlerisch bearbeitet wird, aus der später der Hohlraum für die „echte“ wird. Wenn die Glocken gegossen und in der Basilika ausgestellt sind, können alle das Werk von Rosemarie Vollmer bewundern.

Dann machten sich die 25 Teilnehmer auf den Heimweg, unter ihnen auch Bürgermeister Jürgen Kohmann mit seiner Frau, der es sich nicht hatte nehmen lassen, an diesem historischen Ereignis teilzunehmen. Und ein historisches Ereignis war das allemal: Die Teilnehmer waren sich bewusst, dass die soeben gegossenen Glocken alle Anwesenden um Jahrhunderte überleben werden.

Auf der Heimfahrt im Bus las Pater Heribert Verse aus Schillers „Das Lied von der Glocke“. Manches wurde lebendig, was die Heimkehrer kurz vorher erlebt hatten. Das Gedicht mündet in den Vers: „Friede sei ihr erst Geläute.“ und das wünschten sich alle, die dabei waren: Das Geläut von Vierzehnheiligen möge stets die Botschaft vom Frieden verkünden. (H. A.)

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