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BAD STAFFELSTEIN

Die Historie des Bad Staffelsteiner Kastenhofs

Die Historie des Bad Staffelsteiner Kastenhofs
Die Georgenkapelle aus ungewohnter Perspektive von der Stadtmauer aus gesehen. Foto: Mario Deller

Das Anwesen eines im Auftrag des Landesherrn tätigen Verwalters, unweit davon entfernt eine Schmiede und Schweineställe – heute können wir uns ein solches Miteinander im Herzen der Adam-Riese-Stadt kaum noch vorstellen. Umso interessierter verfolgten rund 40 Zuhörer die Ausführungen von Stadtarchivarin Adelheid Waschka im Stadtmuseum. Im Rahmen ihrer Vortragsreihe „Bad Staffelsteiner Straßennamen“ ging sie diesmal auf den „Kastenhof“ ein.

Nach der Begrüßung durch Hermann Hacker – zu der Veranstaltung hatte der Arbeitskreis Stadtgeschichte der Kulturinitiative eingeladen – wurde aufgrund vorhandener Quellen die Zeitachse der Stadtgeschichte ein gutes Stück zurückgespult. Der heutige Straßenname „Kastenhof“ ist in Zusammenhang mit früheren bürokratischen Vorgängen zu sehen. Als Kastenamt oder auch Rentkammer wurden im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit Behörden bezeichnet, die Einkünfte des Landesherrn verwalteten. Der bestellte „Kastner“ wurde mit der Aufsicht und Verwaltung des herrschaftlichen Kammerguts beauftragt, also auch des „Kastens“, sprich dem Speicher, wo die Naturalabgaben der Untertanen zusammenflossen.

Um die Georgenkapelle war zu wenig Platz

Waschka ging diesbezüglich etwa auf das in Bad Staffelstein einst lebende Kastnergeschlecht Sündermahler ein und zeigte hierzu ein Familienwappen. Einen herrschaftlichen „Kastenhof“ wie etwa in Weismain gaben die beengten räumlichen Verhältnisse rund um die Georgenkapelle aber nicht her. Deshalb, so ließ sie wissen, wurde in der Lichtenfelser Straße einst ein Grundstück erworben, um hier ein domkapitelsches Amtshaus zu errichten. Beim „Kastenhof“ in Bad Staffelstein handelte es sich einst um einen strategisch gut gelegenen Burgstall. Waschka präsentierte eine historische Zehntkarte aus dem Jahr 1504. Die bei näheren Betrachtung ersichtliche Plateaulage des „Kastenhofs“ veranschaulicht zudem eine Topografie-Karte aus dem Jahr 1856.

Die Schutzmedaillons des Georgrittenordens

Heute an dortiger Stelle stadtbildprägend ist die Georgenkapelle, die, 1413 erstmals erwähnt, damals zum Kastenhof gehörte, umgeben von Zehntscheunen des Domkapitels. Nach dem Stadtbrand von 1684, der von der Stadtarchivarin natürlich auch thematisiert wurde, erfuhr das kleine Gotteshaus 1728 einen Neuaufbau. Ein eminent wichtiges Datum war für die „Georgsbrüder“, die Kapitulare des Bamberger Doms, die Verleihung des Marktrechts für Staffelstein per Siegelurkunde am 5. April 1130 durch König Lothar III. Wie die Referentin erläuterte, gab die Gemahlin des Königs, Richiza, hierzu den Anstoß. Talismancharakter hatten übrigens die bis ins 19. Jahrhundert hergestellten Schutzmedaillons des Georgrittenordens, welche die Georgsbrüder um den Hals trugen.

Die Wasserleitungen waren aus Holz

Der genaue Standort des alten Amtshauses am einstigen Kastenamt konnte bisher nicht ermittelt werden, bedauert Waschka, hofft aber, dass dies irgendwann noch gelingt. Aber nichtsdestotrotz genossen die Zuhörer diese aufschlussreiche Zeitreise. So zeugt eine Brunnenmeister-Rechnung anno 1470 von den damals bereits bestehenden hölzernen Wasserrohrleitungen. Vermutlich war das Areal sogar schon in der Merowingerzeit besiedelt.

Nach dem großen Stadtbrand von 1684 wies die dortige Besiedlung jahrzehntelang Lücken auf. So wurden nach einer Quelle für einen Bauplatz 34 Gulden bezahlt. Überhaupt vermittelten die Ausführungen der Stadtarchivarin auch Einblicke, was die gesellschaftlichen Normen im Wandel der Zeit betrifft. So übergab laut einer Aufzeichnung 1816 ein Schreiner an seinen Sohn ein Anwesen am Kastenhof gegen Zahlung von 300 Gulden. „Das war damals so üblich, quasi als Versorgung für den Vater, denn eine Rentenversicherung gab es zu jener Zei ja noch nicht“. Ferner erfuhren die Zuhörer, dass man zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch zwingend über ein Grundstück verfügen musste, um in Staffelstein heiraten zu dürfen.

Ohne Grund auch keine Hochzeit

Am Kastenhof lebten, wie die Wohnlisten beweisen, im Laufe der Zeit auch Wegewarte, Schmiede oder – praktisch für das „Bären-Wirtshaus“ nebenan – auch beispielsweise im 19. Jahrhundert auch der Büttner Nikolaus Stumpf.

Diejenigen in den Reihen der Zuhörer, die selbst am Kastenhof wohnten oder immer noch wohnen, verfolgten die Ausführungen natürlich mit besonderem Interesse und fühlten sich dabei auch in die eigene Kinderzeit zurückversetzt. Ein älterer Herr, Jahrgang 1947, etwa erinnerte sich an einen Dumme-Jungen-Streich, als Fünftklässler eine Scheune am Bären-Anwesen in Brand setzten, weil sie die örtliche Feuerwehr, die gerade eine Übung abgehalten hatte, nachahmen wollten.

Das Publikum dankte mit Applaus der Referentin für den wertvollen Vortrag. „Historische Dokumente oder alte Dias und Fotos sind natürlich immer herzlich willkommen“, ergänzte Waschka, denn man sei natürlich bestrebt, das historische Bild des Stadtgefüges so gut es geht noch mehr zu vervollständigen. „Es gibt noch einiges zu tun“, räumt sie sein.

Vortrag über archäologische Spuren am Staffelberg

Auch die Vortragsreihe Waschkas soll eine Fortsetzung erfahren. Hierzu kündigte Hermann Hacker an, dass zu gegebener Zeit, wenn die „Alte Darre“ wieder nutzbar ist, im Rahmen der Reihe der Bereich Bamberger Straße/Spitalhaus beleuchtet werden soll. Außerdem nahm der Leiter der KIS die Gelegenheit wahr, um auf einen weiteren Vortrag des Arbeitskreises Archäologie hinzuweisen: am Freitag, 3. Mai geht Karl-Heinz Gertloff, ebenfalls im Stadtmuseum, auf archäologische Spuren am Staffelberg und auf das in diesem Zusammenhang zur Anwendung kommende moderne Verfahren des Laser-Scannings ein.

Von Mario Deller

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