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BAD STAFFELSTEIN

Adolf Geuß hat viel für Bad Staffelstein geleistet

Adolf Geuß feierte am 11. April seinen 85. Geburtstag.
Ein Bad staffelsteiner Original: Adolf Geuß feierte am 11. April seinen 85. Geburtstag. Foto: me

Um sich eine Trompete kaufen zu können, brauchte Adolf Geuß als Jugendlicher Geld. Er kam auf die Idee, Eis zu verkaufen. Das war damals in Staffelstein etwas Neues, denn es gab noch keine Eisdiele. Ein Mitarbeiter des Milchhofs erzeugte solch kalte Süßspeisen im Privathaus in der Heimstättensiedlung und vertrieb sie als „Kühnels Spezialeis“. So wurde Adolf Geuß zum Subunternehmer. Das Schokoladen- und Zitroneneis – mehr Sorten gab es nicht – bot er bei Großveranstaltungen auf dem Staffelberg und auf dem Hausener Vereinsgelände des Schwimmvereins Coburg an. Aus dem Erlös finanzierte er seine erste Trompete.

Adolf Geuß war am 11. April 1934 in Staffelstein zur Welt gekommen. Zusammen mit sechs Geschwistern wuchs er im landwirtschaftlichen Anwesen seiner Eltern auf. In der Zimmerei Birkner machte er eine dreijährige Lehre, arbeitete dann drei Jahre in der Zimmerei Heymann als Geselle und begann schließlich bei der Firma Görtler & Schramm, wo er fortan sechs Jahrzehnte als Zimmermann arbeitete und für die Lehrlingsausbildung zuständig war. Besonders stolz ist er darauf, dass acht der von ihm ausgebildeten Lehrlinge zu Meistern heranreiften.

Von 1972 bis 2014 im Stadtrat

Von 1972 bis 2014 gehörte er für die CSU dem Staffelsteiner Stadtrat an. Mehrmals hatte er in diesen 42 Jahren die Aufgabe, als dienstältester Stadtrat die neuen Bürgermeister zu vereidigen: Baptist Faulstich (FW), Georg Müller (SPD) und Jürgen Kohmann (CSU).

Von Anfang an gehörte Adolf Geuß dem städtischen Bauausschuss und dem Zweckverband Thermalsolbad an. Im Stadtrat und in diesen Gremium gestaltete er Großprojekte mit: Die Obermain Therme, den Frankenring, die Sanierung der Bahnhofstraße, die Hochwasserfreilegung und vieles mehr. Ob er sich an eine humorvolle Situation im Stadtrat erinnert? Der 85-Jährige denkt kurz nach, um dann einen früheren Ratskollegen zu zitieren: „Mer kann ned schnell genug langsam tun.“

Vielseitig engagiert

Doch Adolf Geuß ist vielseitig. Dem Kreistag gehörte er zwei Perioden an. Zwölf Jahre wirkte er als Schöffe bei der Ersten Großen Strafkammer in Coburg mit, Anfang der 1950-er Jahre war er unter den Gründern der Staffelsteiner Wasserwacht, die er mit aufbaute. Bei der Staffelsteiner Blaskapelle spielte er Trompete und Flügelhorn. Und bei den „Nothelfern“ musizierte er bis zum Januar 2018. Dann erkrankte er schwer. Seitdem fehlt er im Ensemble der „Nothelfer“-Kapelle, einer Staffelsteiner Institution.

Wie der Name der elfköpfigen „Nothelfer“-Kapelle zustande kam, erklärt Adolf Geuß so: „Eines Tages, bei einer Kreuzweihe in Stublang, sagte die ursprünglich vorgesehene Kapelle kurzfristig ab. Wir Musiker sprangen spontan ein. Altbürgermeister Hans Hümmer fiel ein Stein vom Herzen: Ihr seid heute für mich die Nothelfer, lobte er – und der Name für die Kapelle war gefunden.“

Auf allen Kirchtürmen

Ruhestand war immer etwas Fremdes für Adolf Geuß – die Berufsgenossenschaft musste den Zimmermann buchstäblich vom Dach holen. Denn bis er 80 war, stieg er beruflich auf Dächern herum. Die Berufsgenossenschaft verbot ihm das schließlich und ließ nur noch beratende Tätigkeit zu. Auf allen Kirchtürmen im Staffelsteiner Land sei er gewesen, sagt er. Die große Treppe im Rathaus hat er geschaffen und darüber hinaus noch viele andere Gebrauchsgegenstände aus Holz.

Seit frühester Jugend war der Mann mit dem festen Händedruck begeisterter Skifahrer. Am Staffelberg fuhr er mit 17, 18 Jahren schon Rennen. 1963 machte er seinen Übungsleiter-Schein bei den „Naturfreunden“. Adolf Geuß wurde Lehrwart und betreute schließlich die sportliche Oberstufe. Mit einem schelmischen Grinsen merkt er an: „Mit 80 bin ich noch Ski g?fahr?n.“ Als Wasserwachtler und Bergretter kann er auf Erfolge verweisen: Er barg einen 14-Jährigen im Winter aus Bergnot und rettete zwei Kinder vor dem Ertrinken im See.

Drei Kreuze auf dem Staffelberg

Auf eine Brille verzichtet Adolf Geuß meistens noch immer. In seiner Zimmererwerkstatt am Staffelsteiner Stadtgraben schuf er bis ins hohe Alter kunstvolle Holzarbeiten mit filigranem Schnitzwerk. Drei der vier Kreuze auf dem Staffelberg sind aus seiner Hand. „Balkenschnitzerei – des is? mei? Hobby“, sagt er. Nur das Loffelder Staffelbergkreuz sei nicht von ihm, denn „die Loffelder haben selber einen Zimmermann“. In den Fluren am Obermain stehen heute insgesamt 21 Feldkreuze aus seiner Werkstatt.

Freude bereitet es ihm seit Jahrzehnten, jede Woche einmal mit seinen Freunden vom fliegenden Stammtisch einzukehren. Stets macht das Dutzend Männer dabei in einer anderen Gaststätte Station – dieses Ritual pflegt der 85-Jährige weiterhin, obgleich er seit der schweren Krankheit im vergangenen Jahr nicht mehr selbst am Steuer eines Autos sitzen kann. Nun lässt er sich abholen. Der Staffelberg ist einer von Adolf Geuß? Lieblingsorten: Jeden Sonntag versucht er, dort oben zu sein.

Der 85-Jährige hat in seinem Leben zahlreiche Ehrungen erhalten – die wichtigsten sind ihm die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland, die Bayerische Verdienstmedaille und die Ehrenmedaille der Stadt Bad Staffelstein.

Im „Ferrari“ durch die Stadt

Nach der schweren Krankheit 2018 erholte sich Adolf Geuß zu Hause unter der Pflege seiner Frau, seiner Tochter und seiner zwei Enkelinnen überraschend gut. Nun fährt er zwar kein Auto mehr, doch er ist häufig mit seinem dreirädrigen roten Elektro-Roller in der Stadt unterwegs, den er scherzhaft „Ferrari“ nennt. Traurig ist er nur über eines: „Der Zimmermannsberuf hat sich sehr verändert – der Holzrahmenbau hat nichts mehr mit diesem Beruf zu tun.“

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