aktualisiert:

BAD STAFFELSTEIN

Kelten-Projekt auf Staffelberg: Filigranes Arbeiten

Kelten-Projekt auf Staffelberg: Filigranes Arbeiten
Nicht marktschreierisch, sondern der Verantwortung für die Historie gerecht werdendes Vorgehen: In dieser Zielsetzung sind sich Ausgrabungsleiter Dr. Markus Schussmann und Landrat Christian Meißner, hier beim jüngsten Gespräch vor Ort, vollkommen einig. Foto: Mario Deller

Viele Jahrhunderte lang zog und im Zuge der gestiegenen touristischen Zugkraft der Adam-Riese-Stadt in der jüngeren Vergangenheit vermehrt zieht es zahlreiche Wanderer hinauf zum Staffelberg. Per pedes machen sie sich auf den Weg – und wandeln dabei, viele unbewusst, auf historischen Spuren.

Landrat Meißner macht sich ein Bild vom Fortschritt der Grabungsarbeiten

Hier auf dem Staffelberg wohnten einst Kelten in einer mächtigen Siedlung, vor rund 2000 Jahren verschwanden sie wieder von der Bildfläche. Der vermutlich bedeutendste Eingang zu dieser keltischen Stadt in Form eines „Zangentors“ soll originalgetreu am ursprünglichen Standort rekonstruiert werden (wir berichteten mehrfach). Vor ziemlich genau einem Jahr haben die Grabungsarbeiten hierzu begonnen. Landrat Christian Meißner machte sich jüngst ein Bild zum Fortschritt im Gespräch mit Grabungsleiter Dr. Markus Schussmann.

„An der verbliebenen

Holzkohle ist das gitterartige Fachwerk der einstigen

Anlage zu erkennen.“

Dr. Markus Schussmann, Grabungsleiter
Kelten-Projekt auf Staffelberg: Filigranes Arbeiten
Im Hintergrund „grüßt“ der Gipfel des Staffelberg, während Markus Schussmann in Ausführungen auf die Mauerreste des einstigen keltischen „Zangentors“ hinweist. Foto: Mario Deller

Gewandnadeln, Messer, Keramikscherben und sogar Reste menschlicher Schädel – allerhand Funde traten seit April 2018 dort zutage, wo sich einst das rund sieben Meter breite westliche Eingangstor von „Menosgada“ befand. Man entschloss sich, dieses keltische Erbe für die Öffentlichkeit künftig erlebbar zu machen. Landrat Christian Meißner unterstützt ausdrücklich das Projekt, das durch Zuschüsse in Höhe von 80 Prozent seitens des EU-Leader-Programmes für den ländlichen Raum und der Oberfrankenstiftung gefördert wird. Ein Fünftel der veranschlagten Investitionen von 380 000 Euro steuert der Landkreis bei.

„An der verbliebenen Holzkohle ist das gitterartige Fachwerk der einstigen Anlage zu erkennen“. Interessiert lauscht Landrat Meißner den Ausführungen von Markus Schussmann bei neuerlichen Treffen vor Ort, nachdem die Grabungsarbeiten nun wieder aufgenommen wurden.

Kelten-Projekt auf Staffelberg: Filigranes Arbeiten
Als Grundlage für die angedachte Rekonstruktion des „Zangentors“ dienlich sind freilich die erhaltenen Reste der damaligen Mauer, auf die Schussmann beim Termin auch einging.

Geschützt wurde die keltische Siedlung von einer meterhohen Mauer, von denen noch erhaltene Überreste zeugen. „Bei der Errichtung des Mauerwerks gab es über den damaligen Zeitraum von 70 bis 80 Jahren vier verschiedene Bauphasen“. Schon erstaunlich, was der Experte aus Steinen und Erdschichten „lesen“ kann, denkt sich da der gemeine Laie. So ist auch interessant, dass der Standort von Holzpfosten nicht nur aus verfaulten Überresten erkennbar wird. Ein Indiz, das nur der Insider „sieht“, bildet die die Absenkung des umgebenden Materials.

Toranlage war 7,10 Meter breit und acht Meter lang

„Hier stand der mittlere Pfosten“, „Hier befand sich die Torgasse“ - mit Erklärungen wie diesen vermittelt Schussmann anhand der bisherigen Ausgrabungen seit Frühling 2018 ein mittlerweile entstandenes „Bild“ der früheren, rund 7,10 Meter breiten und acht Meter langen Toranlage.

Mit welcher Akribie Markus Schussmann und sein Ausgrabungsteam vorgehen – sinnvoll, um einem Nachbau höchstmögliche Übereinstimmung mit dem einstigen Original angedeihen zu lassen -, wird auf dem gesamten Areal immer wieder deutlich. So werden die Standorte von Eisennägel-Funden markiert und, wie jede weitere gewonnene Erkenntnis, dokumentiert.

„Der im 19. Jahrhundert

hierfür geschaffene Hohlweg ist in seinem Höhenniveau deutlich unter dem

keltischen Weg angesiedelt.“

Der Fachmann zum Steinbruch aus

dem 19. Jahrhundert und den Folgen

Die Zeit ist seit der Kelten-Ära auf dem Staffelberg nicht stehen geblieben. Auch dies gilt es zu beachten, wie der Landrat bei diesem Ortstermin der außergewöhnlichen Art erfuhr. Vor dem Hintergrund, dass in der Neuzeit an dieser Stelle einst ein Steinbruch angelegt worden war, meinte Schussmann beispielsweise: „Der im 19. Jahrhundert hierfür geschaffene Hohlweg ist in seinem Höhenniveau deutlich unter dem keltischen Weg angesiedelt“. Dies gilt es bei den aufwändigen Vorarbeiten zur Rekonstruktion zu berücksichtigen, neben allerhand weiterer Aspekte. Mit den strengen Auflagen, die das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz vorgibt – schließlich gilt der gesamte Staffelberg als „Bodendenkmal“, ist der erfahrene Archäologe freilich auch vertraut.

Verzörgerungen durch stürmische Wetterphase im März

„Hier liegen verschiedene Wege aus unterschiedlichen Zeitepochen quasi aufeinander“, nennt Schussmann einen der Gründe, warum behutsames Vorgehen unabdingbar sei. Durch eine sturmbedingte Wetterphase im März sei man zudem in Verzug geraten. Nachdem ursprünglich angedacht war, die Ausgrabungsarbeiten Ende Mai abzuschließen, machte Schussmann deutlich, dass man sich von dieser Zielsetzung nun verabschieden müsse. „Wir werden wohl noch den ganzen Juni brauchen“.

Kelten-Projekt auf Staffelberg: Filigranes Arbeiten
Hier sehen wir ringsum angebrachte Steine als Indiz für ein Pfostenloch. Foto: Mario Deller

Das musste auch der Landrat einsehen. Gut Ding will Weile haben, zumal er im Gespräch einmal Wert darauf legte, das Zangentor auf Grundlage der Funde und erworbenen Kenntnisse wieder aufzubauen. „Wir wollen hier kein Disneyland“, betonte er einmal mehr. Das sei, so Meißner, sicher auch im Sinne der Bevölkerung, die das Ganze mit Spannung und Interesse verfolge.

„Es gilt nun, die gewonnene Detailfülle zu verwerten, die Erkenntnisse einfließen zu lassen, um zusammen mit den Gremium und auch mit der Bevölkerung Ideen zur Umsetzung der Zangentor-Rekonstruktion zu diskutieren“, meinte er weiter.„Bei Ihnen und ihrem Team ist das Projekt in guten Händen“, lobte der Landrat Markus Schussmann und sein Ausgrabungsteam. Unaufgeregt und konzentriert ist dieses emsig im Einsatz, so auch der positive Eindruck bei diesem Vorort-Termin. Sie dürfen sich glücklich schätzen, an dieser Lebendigmachung der Siedlungsgeschichte am Staffelberg mitwirken zu können - und setzen dies mit großem Verantwortungsbewusstsein um.

Diffziles archäologischen Puzzlespiel ist faszinierend

Die Wiedererrichtung des westlichen Zangentors am Eingang zur keltischen City „Menosgada“ dürfte ein touristischer Hingucker werden. Aber schon dem vorangeschalteten, diffzilen archäologischen Puzzlespiel, wohnt eine große Faszination inne. Jedes Steinchen erzählt auf seine Weise von den keltischen Vorfahren.

Kelten-Projekt auf Staffelberg: Filigranes Arbeiten
Jedes einzelne archäologische „Puzzleteil“ ist kostbar, um sich am Ende ein möglichst gutes Gesamtbild vom früheren Zangentor der Kelten machen zu können – so etwas Funde von Eisennägeln, hier sind einige der Standorte markiert. Foto: Mario Deller

Von Mario Deller

Weitere Artikel