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KLOSTER BANZ

Die "Sexy Hammers" in der Sinnkrise im Kutschensaal

„Wie waren doch die Sexy Hammers“: „Bugatti“ (Mi., Robert Eller) versteht die Freunde nicht mehr (li. Rüdiger Baumann als „Festus“ und re. Siggi Michl als „Limbo“). Foto: Monika Schütz

Eigentlich müsste man ja Mitleid mit den beiden haben. Wie sie so dasitzen, „Limbo“ in ausgebeulter Jogginghose mit Loch und ausgelatschte Schlappen an den Füßen, „Festus“ in einer nicht weniger attraktiven roten Latzhose, mit Strubbelhaaren und „Bierfläschla“ in der Hand, gedankenversunken auf einem umgedrehten leeren Bierkasten sitzend. Und sie sinnieren. „No women, no cry – Ka Weiber, ka Gschrei“ ist der Abend in der Kutschenhalle überschrieben, und die Zuschauer haben definitiv ihren Spaß.

Erinnerungen an die gute, alte Zeit

„Limbo“ und „Festus“ sinnieren über die Ungerechtigkeiten im Leben, über die Untugenden ihrer Ehefrauen – und dass sie nicht mehr im Stehen pinkeln dürfen. Da taucht Frauenschwarm „Bugatti“ auf der Bühne auf: herausgeputzt im weißen Anzug, mit Goldkette und riesigen Klunkern an den Fingern.

Die drei Freunde, die einst als die Musikband „Sexy Hammers“ die Tanzsäle und die Mädels in der Region aufmischten, wollen nämlich gemeinsam zum Klassentreffen gehen. 40 Jahre Mittlere Reife, mal die „Alten“ von früher wieder treffen. Doch „Limbo“ und „Festus“ ist nach häuslichem Ärger jede Lust vergangen.

„Die Hoch-Zeit ist vorbei mit der Hochzeit.“
„Limbo“ und „Festus“ über ihr Eheleben

„Festus“ Frau Eva kommt nur „auf Touren“, wenn sie die Chippendales auf dem Lichtenfelser Schützenfest sieht – daheim ist ansonsten Flaute im Schlafzimmer. „Limbos“ Frau hat entweder eine Fünf-Kilo-Frühgeburt geschafft oder ist schlichtweg fremd gegangen und hat ihm ein Kuckuckskind untergejubelt.

Weil Schadenfreude die schönste ist

„Die Hoch-Zeit ist vorbei mit der Hochzeit“, stellen sie betrübt fest. „Bugatti“, extra aus Berlin angereist, ist schockiert.

Das Mitleid des Publikums hält sich stark in Grenzen: Es lacht oder grinst genüsslich vor sich hin, auch wenn der eine oder andere Witz akustisch nicht ganz bis nach hinten zu den letzten Stuhlreihen durchdringt.

Nach Jahren der Vorbereitung

Eingeladen zu diesem Theaterabend mit den Schauspielern Robert Eller, Siggi Michl und Rüdiger Baumann hatte die Kulturinitiative Bad Staffelstein, die Kutschenhalle in Banz ist eines ihrer Ausweichquartiere. Nicht so gemütlich wie die Alte Darre, die gerade umgebaut wird, aber genau richtig für dieses Fränkische Kultstück. „Hoffen wir, dass die Darre bis Ende des Jahres fertig wird“, wünscht sich KIS-Vorsitzender Hermann Hacker. Über Jahre war Hacker bemüht, dieses Theaterstück von Autor Helmut Haberkamm nach Bad Staffelstein zu bekommen. Jetzt hatte es endlich geklappt und die weit mehr als 100 Zuschauer fiebern begeistert mit.

Sie erleben Soli auf der Gitarre und wehmütige Liedtexte von „Limbo“ (Siggi Michl), Berge von Selbstmitleid bei „Festus“ (Rüdiger Baumann) und ein „Bugatti“ (Robert Eller), der alles gibt. Und er schafft es tatsächlich, die beiden aus ihrem Selbstmitleid heraus zu holen.

Weil der Chef „a Depp“ ist

Leider musste er davor zugeben, dass die Bank ihm äußerst bedrohlich im Nacken sitzt und sein Chef „a großer Depp“ ist. Nun schlägt die Stimmung ins Ausgelassene über: Die drei Freunde prosten sich zu, singen, blödeln wie früher auf der Bühne herum, lachen.

„Limbo“ spielt alte Rockklassiker, auf „fränggisch“ natürlich. Das Publikum hat seine wahre Freude daran. Es klatscht und singt mit, wippt mit den Füßen und hat Spaß an der unerwartet zurückgekehrten Lebensfreude der drei Männer.

Zweieinhalb Stunden lang

Sehnsucht? Freiheit? Ausbruch aus dem Alltagstrott? Nein, so weit gehen sie dann doch nicht. Aber immerhin gehen sie zum Klassentreffen.

Wollen sie eigentlich, aber die Zuschauer klatschen die Schauspieler immer wieder zurück auf die Bühne. Eine allerletzte Zugabe, dann fällt nach fast zweieinhalb Stunden der Vorhang nach einer tollen Mischung aus Melodram, Komödie und Musik-Klassikern.

Von Monika Schütz

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