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EBENSFELD

Volksbegehren: Bereits in eigenem Garten für Vielfalt sorgen

Volksbegehren: Bereits in eigenem Garten für Vielfalt sorgen
Sie sorgen sich um den Bienenbestand: die Imker Olaf Märkel (li.) und Sven Wagner-Baumeister. Foto: Franziska Wagner

„Rettet die Bienen!“ So lautet das Volksbegehren, über das die Bürgerinnen und Bürger in Bayern ab dem 31. Januar abstimmen sollen. Um das Thema rund um Artenschutz und Erhalt des Ökosystems den Menschen näher zu bringen, fand eine Informationsveranstaltung im Pfarrheim statt. Eingeladen hatten ÖDP, Landesbund für Vogelschutz (LBV), Bündnis 90/Die Grünen, Bund Naturschutz (BN), der Imkerverein Ebensfeld, SPD, die Kreisgruppe Bad Staffelstein des Bayrischen Jagdverbandes und der Angelsportverein Ebensfeld.

Das Insektensterben fordere auf zum Handeln auf, ermahnte BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt: „Wer offenen Auges durch die Flure geht, der stellt fest, dass es immer weniger Insekten gibt.“ Das bestätigten Untersuchungen des Entomologischen Vereins Krefeld. Demnach habe zwischen 1989 und 2016 die Zahl der Insekten um 76 Prozent abgenommen. „Das ist besonders alarmierend, da die Daten nicht aus intensiv genutzten Landflächen, sondern aus Naturschutzgebieten stammen“, so Reinhardt.

„Rote Liste“ wächst

Immer mehr Tiere würden auf der „roten Liste“ landen, die kontinuierliche Belastung durch Vergiftung des Ökosystems bekämen nicht nur die Insekten am eigenen Leib zu spüren. Noch über eine lange Zeit werden sich diese Gifte in der ganzen Nahrungskette halten und schließlich zum Menschen selbst durch Lebensmittel und Trinkwasserverzehr zurückkommen.

Reinhardt betonte, dass sich das Volksbegehren nicht gegen die Landwirte richte, sondern allein dem Erhalt der Artenvielfalt diene. Da die Pflanzenvielfalt ebenfalls zurückgehe, verschwänden Rückzugsorte und Nahrungsquellen für Insekten.

Ein weiteres Problem sei die „Biofragmentierung“, die mit Flächenversiegelung durch Infrastruktur-Erweiterungen, Industrie- und Wohnflächen-Erschließungen sowie landwirtschaftliche Flächennutzung verknüpft sei. Da das Ökosystem ein zusammenhängendes System sei, seien einzelne „Inseln“, wie kleine Naturschutzgebiete oder natürliche, ungenutzte Flächen auf Wiesen, Feldern und Wäldern nur bedingt eine Lösung.

Anton Reinhardt: „Das Volksbegehren heißt zwar: ,Rettet die Bienen!‘ Aber hierbei geht es um viel mehr. Nämlich darum, die gesamte Vielfalt für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.“

Mehr Transparenz

Das von der ÖDP iniziierte Begehren sei eine Möglichkeit, die Landwirtschaft zukunftsfähig zu machen. Reinhardt: „Wenn sich die Region als Ökoregion bewirbt, muss sie die eigenen Standards weiter auffahren: Wo kommen Produkte wie Salat, Tomate & Co. wirklich her? Wie wurde das Tier, von dem mein Ei, Milchprodukt oder Sonntagsbraten stammt, gehalten? Mehr Transparenz ist gefordert.“ Der BN-Kreisvorsitzende wies auf die Filme „Coburg survival – das Ende der Gentechnik“ und „Das Wunder von Malz“ hin, die an den kommenden beiden Donnerstagen jeweils um 19.30 Uhr in der Neuen Filmbühne Lichtenfels gezeigt würden. Michel Bäumler (LBV) wies auf Blühstreifen an Feld- und Straßenrand hin, von denen mobile Arten durch beispielsweise Luzerne angelockt werden. Der Malvendickkopffalter könne sich beispielsweise nur in der namensgebenden Malve entwickeln, erklärte Bäumler. Beispielsweise habe der Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath über den Winter vier Grünstreifen stehenlassen. So konnten einige Falter nach dem Winter schlüpfen.

Zeit zum Umdenken

Es sei höchste Zeit umzudenken, so LBV-Kreisgruppenvorsitzende Marion Damm: „Im Garten eine ungerührte Ecke als Rückzugsmöglichkeit für den Igel oder Brennnesselbüsche, die für verschieden Schmetterlingsarten stehen bleiben können, sind nur einige Möglichkeiten“, erklärte sie. In manchen „schönen“ Gärten fänden dagegen kein Vogel und keine Biene etwas zu fressen. Damm setzt dazu ein klares Statement: „Ein solcher Garten ist tot.“

Marion Damm wandte sich auch gegen das Ausbringen von Schneckenkorn, das so giftig wie Rattengift sei. Durch die Erde gelange es in den Salat. Die LBV-Vorsitzende: „Wenn es uns nicht gelingt, das Artensterben zu stoppen, dann werden wir schlussendlich die Letzten sein, die das zu spüren bekommen.“

Von Franziska Wagner

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