BAD STAFFELSTEIN / LICHTENFELS

Zangentor: Beweise für monumentale Anlage am Staffelberg

Die Grabungsstelle mit den freigelegten Fundamenten des keltischen Zangentores am Staffelberg aus der Vogelperspektive.

„Das sind Ergebnisse, die wir uns nicht erträumt hätten“, sagte Archäologe Philipp Schinkel, als er am Montag im Kreistag die neusten Ergebnisse der Grabungen zur Rekonstruktion eines keltischen Zangentores am Aufgang zum Staffelberg präsentierte. „Menosgada“, die auf dem Staffelberg liegende keltische Stadt am Obermain, von der schon der griechische Geograf Claudius Ptolemäus berichtete, sei noch bedeutender gewesen als bislang angenommen, so Schinkel. Dies sei aus der sich abzeichnenden Dimension der Überreste der Toranlage zu schließen. Monatelang und in mühevoller Arbeit ist heuer das Grabungsteam um den Keltenexperten und Archäologen Dr. Markus Schußmann der offensichtlich ganz außergewöhnlichen Anlage auf den Grund gegangen, die aus dem ersten Jahrhundert vor Christi Geburt stammt.

„Das ist der älteste künstlich hergestellte und noch immer benutzte Weg in Bayern.“
Philipp Schinkel, Archäologe zum Weg durch Zangentor

Bei den Grabungen sind die Archäologen nicht nur auf Fundamente der keltischen Anlage gestoßen. Es gibt auch mehrere Funde, die über das damalige Leben Aufschluss geben und über Verbindungen, die die Menschen dieser Zeit auf dem Staffelberg und in der Umgebung über das Maintal hinaus hatten. Bauweise und Aussehen des über 2000 Jahre alten Stadttores können dank der bisherigen Funde bereits jetzt mit großer Sicherheit nachvollzogen werden. Zu den ganz eindeutigen Funden gehören diverse Pfostenlöcher, die mitunter spektakulär freigelegt worden seien. So habe der Chef persönlich einen seiner Mitarbeiter am Fußgelenk festgehalten, damit dieser kopfüber die Erde aus einem 1,5 Meter tiefen Loch heraussaugen konnte, in dem früher ein Holzpfahl stand. Die Pfosten gäben über die Stärke und die Funktion jener Stämme Auskunft, die den Holzpfahlwänden des rechtwinkligen Bauwerks Halt gaben. Manche hatten statische Bedeutung, andere stützten nur ab. Stämme als Ankeranlagen dienten auch dazu, Mauern im rückwärtigen Bereich abzustützen.

Zwischen den Holzpfosten sei aufgemauert worden, so Philipp Schinkel weiter. Die Archäologen hätten festgestellt, dass die Handwerker damals offenbar sehr gute Zimmerleute gewesen seien. Mit der Steinschichtung hätten sie es allerdings nicht so gehabt. „Die Kelten waren ganz schlechte Maurer“, so der Landrat dazu. Er gebe diese Einschätzung zum Staffelberg-Bauwerk aus dem Mund des Grabungsleiters weiter, der an diesem Tag aus Krankheitsgründen nicht selbst in Lichtenfels sein könne. Die Befestigungsmauern der Toranlage entsprächen indessen in ihrem Aussehen jenem Stück Außenmauer, das Besucher des Staffelbergs besichtigen können, wenn sie vor zum Aussichtsplateau laufen. Die Ausgrabungen haben weiter ergeben, dass die Toranlage mit massiven Holzflügeln verschlossen werden konnte. Unmittelbar an die befestigte Toranlage hätten sich rechts und links Wälle angeschlossen, die etwa fünf Meter hoch waren. Die Höhe dieser Wälle haben die Archäologen auch zu der Überzeugung gebracht, dass das Gebäude über dem Weg durch die Anlage zweistöckig gewesen sein muss. „Es war ein monumentaler Bau,“ so der Archäologe.

Ein zu niedriges Torgebäude hätte keinen Sinn gemacht, da es dann seine Funktion als Späh- und Wachturm nicht hätte erfüllen können. Das Torgebäude sei im Übrigen abgebrannt. Darauf wiesen Überreste verbrannter Materialien hin. Es sei ein absoluter „Glücksfall“ gewesen, dass bei dem Zusammensturz der Anlage ein großes Stück eines Torflügels heil geblieben sei. Dessen Überreste konnten gefunden werden und böten weitere Rückschlüsse auf die Größe der Anlage, dessen Tore insgesamt sieben Meter breit gewesen seien.

Siegelring gefunden

Die Toranlage sollte die Einwohner der Stadt auf dem Staffelberg-Plateau sichern. Sie war aber auch durchlässig. Die Grabungen hätten ergeben, dass zwei deutlich unterscheidbare Spuren – eine für den Weg hinauf und eine für den Weg abwärts – durch das Tor führten. Diese Wege seien unterschiedlich gut befestigt, der Weg nach oben sei gepflastert gewesen.

Die gesamte Befestigung sei „völlig untypisch“ für bislang bekannte Anlagen im deutschen Bereich, so Schinkel weiter. Solche Anlagen habe es eher im Mittelmeerraum gegeben. Vieles deute darauf hin, dass es „viel Verkehr“ aus der und in die Stadt oben gegeben habe. „Das Oppidum auf dem Staffelberg hatte wohl eine eine immens große Bedeutung,“ so der Archäologe. Die Wegführung zum Staffelberg aus der Keltenzeit habe sich indessen bis heute nicht verändert. „Das ist der älteste künstlich hergestellte und noch immer benutzte Weg in Bayern,“ sagte Schinkel. Weitere neue Funde im Grabungsbereich belegen die Bedeutung von „Menosgada“.

Schädelüberreste deuten auf Kult hin

Ein eiserner Siegelring kam zutage. Solch einen Ring hätten damals nur römische Senatoren getragen. Zu den weiteren Funden aus dem Alltagsleben zählen laut Schinkel Gewandspangen, Nadeln und Beschläge. Bei ihren Grabungen sind die Archäologen schließlich auch auf menschliche Überreste gestoßen. Schädelteile von bislang „zwölf Individuen.“ Es sei ziemlich wahrscheinlich, dass sie Bestandteil eines weithin verbreiteten keltischen Kultes sind. Die Schädel seien wohl in Aussparungen an Steinpfosten zu sehen gewesen. Im Frühjahr 2019 gehen die Grabungen am Zangentor weiter. Sie sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden.

So soll das Torhausgebäude ausgesehen haben, von dem aus der Weg durch die Anlage und die Umgebung kontrolliert ...
Die Befestigungsmauern der keltischen Anlage, wie sie sich aus den bisherigen Grabungen ergibt.
Dr. Markus Schußmann hält einen seiner Mitarbeiter, der mit Hilfe eines Saugers ein Pfostenloch der Anlage freilegt.
Überreste menschlicher Schädel, die im Bereich der Toranlage gefunden wurden, deuten auf Platzierungen in ...