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BAD STAFFELSTEIN

Pastoralreferent Josef Ellner: ein Jahrzehnt gelebte Ökumene

Nach zehn Jahren bei der ökumenischen Kur- und Urlauberseelsorge und im Seelsorgeverband Gottesgarten Obermain verlässt Pastoralreferent Josef Ellner Bad Staffelstein. Foto: Andreas Welz

Nach zehn Jahren bei der ökumenischen Kur- und Urlauberseelsorge und im Seelsorgeverband Gottesgarten Obermain verlässt Pastoralreferent Josef Ellner Bad Staffelstein. Am vergangenen Samstag wurde er in der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg feierlich verabschiedet. Ab 1. September übernimmt Gemeindereferent Matthias Beck seine Stelle.

„Wichtig für mich war die gelebte Ökumene“, sagte Ellner bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie ist für mich hier gewachsen und groß geworden“, blickte er zurück. Besonders in der Kur- und Urlauberseelsorge sei er auf Menschen getroffen, die sich nicht im klassischen Sinn in der Kirche beheimatet fühlen. „Wir wollten einladend sein mit unterschwelligen Angeboten wie zum Beispiel Morgengebeten im Kurpark oder dem Abendsegen auf dem Staffelberg.“

Zusammenarbeit genossen

Sehr genossen habe er dabei die Zusammenarbeit mit dem evangelischen Pfarrer Helmuth Bautz und Pfarrerin Anja Bautz. „Auch viele Gläubige, die hier wohnen, kamen zu uns, weil sie das ökumenische Miteinander in ihrer Kirche vermissen“, stellte Ellner fest. „Nur wo Kirche ökumenisch ist, ist sie wirklich Kirche“, fasste er zusammen.

Ökumene sei nicht exklusiv. Sie suche nach neuen Wegen und Formen. Zum Beispiel der Karfreitagsgottesdienst für alle Konfessionen in der Georgenkapelle in Bad Staffelstein. Mit ungewohnten Elementen sei er gestaltet worden, etwa als Musiker die Passion auf einem großen liegenden Kreuz getrommelt haben. Ein Vorwissen von der Kreuzigung Jesu sei nicht nötig gewesen. Die Musiker übersetzten dabei realistisch und verständlich für alle die Leidensgeschichte.

In guter Erinnerung hat Josef Ellner die Verbindung von Kirche und Kino: „Die Kinos waren voll und die Kirchen leer, also haben wir das Kino in die Kirche geholt.“ Nur vorgelesen oder erzählt empfänden viele die Texte in den Kirchen oft langweilig. Wenn aber bewegte Bilder auf der Leinwand gezeigt werden, dann kann tatsächlich auch Kino zum „Andachtsraum“ werden. So kam man beispielsweise in den Wintermonaten beim Freitagskino der Kurseelsorge oft anregend ins Gespräch über Gott und die Welt.

Gottesdienste mitgestaltet

In seiner Tätigkeit als Seelsorger in den einzelnen Gemeinden habe er versucht, die Gemeindemitglieder zur Eigenständigkeit zu ermuntern. Zum Beispiel in dem sie Gottesdienste selber aktiv mitgestalten oder initiieren. „Jeder hat die Fähigkeit, eigenverantwortlich mitzuwirken“, ist Josef Ellner überzeugt. Das beste Beispiel sei der Motorradgottesdienst bei Stublang, den er erstmals zusammen mit den Motorradfreunden aus dem Lautergrund und aus Bad Staffelstein ins Leben rief. Die Aufgaben waren verteilt, die einen organisierten die Musik, die anderen den Platz. „Es ist ein großer Erfolg geworden und seit vielen Jahren Tradition“, bemerkte er nicht ohne Stolz.

Ein drittes lag dem Pastoralreferenten am Herzen: Ein unkompliziertes Verhältnis der Gemeindemitglieder zu den hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeitern. Hauptamtliche legten oft noch zu viel Wert auf das Oben und Unten, war Ellner überzeugt. Beide sollten sich auf Augenhöhe treffen. Allein schon mit dem Namen angesprochen zu werden, und nicht mit „Herr Pastoralreferent“ oder gar „Herr Pfarrer“, empfand Ellner als wohltuend.

Gleichberechtigt

Seelsorger und Gläubige müssten gleichberechtigt miteinander umgehen. Wenn dabei ein Vertrauensverhältnis entsteht, gelänge es auch, den Menschen den Blick für den anderen zu öffnen. Ein gutes Beispiel seien Pilgergruppen, die er begleitet habe. Bei den Pilgerreisen habe er in offener Sprache die Probleme der Menschen kennengelernt. Die Pilger hätten sich ausgetauscht, sich gegenseitig gestützt und es entstanden sogar Freundschaften. Wenn dann so die Menschen selbst füreinander zu einer Art Seelsorger werden, träte man mit seiner eigenen Rolle gerne in den Hintergrund, denn: „Der beste Seelsorger ist der, den man nicht braucht.“

Von Andreas Welz

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