HAUSEN

Kraftwerk Hausen: Bald soll wieder Strom erzeugt werden

Das Wasserkraftwerk während der Teilerneuerung. Am rechten und mittleren Bereich wird derzeit gearbeitet, der linke ...

Seit dem 15. März stehen die vier Turbinen des Wasserkraftwerks Hausen still. Seither schlagen bei Stefan Schneidawind, dem Prokuristen des Betreibers „SÜC Energie und H2O GmbH Coburg“, zwei Herzen in der Brust: Zum einen gingen dem Energieerzeuger mit der Abschaltung schon mehr als eine Million Kilowattstunden Strom „verloren“. Zum anderen ist der Stillstand Grundbedingung für eine dringend notwendige Teilerneuerung des 660-Kilowatt-Kraftwerks, um es fit für die Zukunft zu machen.

„Ein besseres Jahr als das derzeitige hätten wir für die Baumaßnahme nicht treffen können“: Schneidewind steht vor den großen Staumauern und begutachtet den Fortschritt. Wo sich normalerweise der Main den Weg in die Durchlässe bahnt, stehen nun Baumaschinen, Schalungswände und Mörtelkübel. Wasserdichte Spundwände aus Eisen halten den Fluss, der aufgrund der seit April anhaltenden Trockenheit nur wenig Wasser führt, von der Baustelle fern. Abflusswirksame Niederschläge nennt das der Fachmann. „Die Trockenheit spielt uns in die Karten.“ Derzeit wird der Bereich des Wasserkraftwerks teilerneuert, der Reundorf zugewandt ist. Im zweiten Bauabschnitt folgt der Rest. „4,3 Millionen Euro sind insgesamt veranschlagt“, so Schneidawind.

Zwei Schlauchwehre

Zwei große Schlauchwehre sollen künftig die bisherigen Wehröffnungen ersetzen. „Das muss man sich wie einen riesigen, mit Wasser gefüllten Ballon mit 14 Millimeter Wandstärke vorstellen“, erklärt der Prokurist. Die Turbinen aus dem Jahr 1934 bleiben auch weiterhin im Dienst, sie wurden bereits generalüberholt. Die Elektrik und die Zuleitungen werden aber erneuert. Ende September soll der teilerneuerte Bereich in Betrieb gehen, dann wird das Kraftwerk wieder Strom erzeugen.

Künftig werden Geh- und Radweg sowie SÜC-Arbeitsbereich getrennt sein. Treibgut, das der Rechen aus dem Wasser befördert, landet also nicht mehr vor den Füßen der Passanten. Zur Freude der Mainfischer und der Naturschützer entsteht im Rahmen der Bauarbeiten auch eine Aalabstiegshilfe. Eine Fischaufstiegshilfe gab es schon, die aber nicht für den Aalabstieg konzipiert wurde.

Das geplante Ziel, die Gesamtmaßnahme noch heuer abzuschließen, lässt sich nicht realisieren. „Wir hätten gerne schon im vergangenen Jahr mit dem Bau angefangen, fanden aber letztlich keine Firma für die Gründungsarbeiten“, so Schneidawind. Ende der Baustelle wird also wohl erst 2019 sein.

Das Kraftwerk in Zahlen

• Inbetriebnahme: 1934

• Länge des Wehres: 170 Meter

• Stauhöhe: 256,575 Meter über Normalnull

• Gefälle: 3,40 Meter bei Nenndurchfluss

• Turbinen: vier Francis-Turbinen

• Stromerzeugung: 3,5 bis 4,0 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (reicht für etwa 1000 bis 1200 Durchschnittshaushalte)

„Hier wird die Schlauchmembran installiert“, erklärt SÜC-Prokurist Stefan Schneidawind.
Kraftwerksschlosser Thomas Malter und Kraftwerksmeister Michael Schlücke vor einer der Turbinen, die bereits seit ...
Hier entsteht die Aalabstiegshilfe.
Thomas Malter beim Überholen der Maschinen.
Dicke Spundwände halten den Main von der trockengelegten Baustelle fern.