BAD STAFFELSTEIN

Bei den Kelten galt Rechtsverkehr

Einblick in die Keltenzeit: Über weitere Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen des ehemaligen Zangentors auf ...

Ein Kopf und ein Pferdchen schmücken die Silbermünze, die das Archäologenteam am Zangentor der keltischen Befestigung des Staffelbergs ausgegraben hat. Nur vier Millimeter groß ist die vindelizische Kleinmünze, und nachdem sie über 2000 Jahre in der Erde gelegen hat, ist sie selbst für Fachleute bei Grabungen nur schwer zu erkennen. Zentimeter für Zentimeter haben die Archäologen den Boden an der Stelle, wo das Tor zum keltischen Oppidum im ersten und zweiten Jahrhundert vor Christus stand, abgetragen und dabei nicht nur drei solcher Silberlinge, sondern auch zahlreiche andere Gebrauchsgegenstände der Bewohner gefunden.

„Wichtiger als die Funde sind die Befunde, denn sie lassen Rückschlüsse auf das Leben der Kelten – nicht nur auf dem Staffelberg – zu“, sagt der wissenschaftliche Grabungsleiter Dr. Markus Schußmann. So verraten die Münzen den Wissenschaftlern, dass die Kelten das Silber nicht nur horteten, sondern als Währung für den Einkauf benutzten. Die Bedeutung solcher Erkenntnisse rechtfertigt für den Archäologen den Eingriff in das Bodendenkmal, das die Grabung und die geplante Rekonstruktion des Zangentors bedeuten. Es sicherte einst den Zugang zu der etwa 49 Hektar großen unter dem Namen Menosgada bekannten Keltenstadt von der Mainseite aus. Umgeben war sie von einer 2,8 Kilometer langen Mauer.

„Wichtiger als die Funde sind die Befunde, denn sie lassen Rückschlüsse auf das Leben der Kelten – nicht nur auf dem Staffelberg – zu.“
Dr. Markus Schußmann, wissenschaftlicher Grabungsleiter

Den Erkenntnisgewinn, den die Grabung über das Leben der früheren Staffelberg-Bewohner liefern wird, betont auch Landrat Christian Meißner. Zusammen mit zahlreichen Interessierten verfolgt er den Bericht des Archäologen über die ersten acht Wochen der Grabungen. Dass die Teilnehmer aus der ganzen Region bis nach Coburg kommen, zeigt wie groß das Interesse ist.

Unspektakulär wirkt die zu beiden Seiten des Hohlwegs unterhalb des Viktor-von-Scheffel-Gedenksteins freigelegte Grube, neben der sich der Aushub türmt, auf den ersten Blick. Knapp einen halben Meter tief haben die Archäologen das Erdreich schichtweise abgetragen. Wo der Laie nur einen Felsbrocken und Querrinnen sieht, erläutert der Grabungsleiter die Konstruktion der Wände des Zangentors. Von den einst etwa 3,50 bis vier Meter hohen Wänden aus Holzpfosten mit Trockensteinmauerwerk dazwischen sind nur die Löcher der Eichenpfosten im Abstand von 2,50 Meter geblieben.

Das ist bereits aus anderen Grabungen bekannt. Spannend für die Archäologen sind allerdings die 20 Zentimeter breiten parallel verlaufenden Querrinnen, in denen die Kelten einst Eichenbalken zur Befestigung der Mauer im dahinter aufgeschütteten Wall verankert hatten. Der Felsbrocken zeigt Bearbeitungsspuren und helle Gesteinssplitter, die davon abgeschlagen wurden, markieren den Verlauf der Querrinnen.

Einmalige Spuren der Torkonstruktion

Deutlich zu erkennen ist auch die Aufschüttung hinter der Wand, wo zur Befestigung nicht nur Steine verkeilt wurden, sondern auch Erde aus der benachbarten Siedlung, in denen die Wissenschaftler zahlreiche Funde von Tierknochen bis zu Metallteilen entdeckten. Zu erkennen ist sogar noch, wo die Arbeiter vor mehr als 2000 Jahren standen, als sie den Wall aufschütteten. Aufgrund der einmalig gut erhaltenen Ankerkonstruktion ist es möglich, das Zangentor, dessen Wände sich auf beiden Seiten der etwa sieben Meter breiten Fahrbahn erhoben, um Angreifer quasi in die Zange zu nehmen, zu rekonstruieren. Sogar die Dicke der Balken können die Archäologen anhand der Nägel, mit denen sie befestigt waren, bestimmen.

Die Rekonstruktion, die nach Abschluss der Grabungen im nächsten Jahr vorgesehen ist, solle so originalgetreu wie möglich erfolgen, müsse aber auch modernen bautechnischen Anforderungen gerecht werden, betont Schußmann. Die Eichenpfosten werden wie bei den Kelten „gebeilt“, um ihnen eine rechteckige Form zu verleihen, doch letztlich entscheide bei der Konstruktion die Statik. „Das Besondere an der Rekonstruktion ist, dass ein Zangentor erstmals in Originalgröße, mit dem originalen Material und am historischen Standort errichtet wird“, betont Schußmann.

Rund 200 Metallteile, darunter viele Nägel und Beschläge des Tors, haben die Archäologen gefunden. Verkohlte Holzreste zeigen, dass das Zangentor bei einem Brand zerstört wurde. Sollte es bei einem Angriff in Brand gesetzt worden sein, müssten sich unter dem Schutt auch Waffen finden, erklärt Schußmann. Möglich sei es allerdings auch, dass die Kelten es selbst anzündeten, als sie die Siedlung verließen, um sich die Möglichkeit einer Rückkehr zu nehmen, oder dass nachfolgende Germanen es in Brand setzten, um an das darin verbaute Metall zu kommen. Dafür würde auch die Tatsache sprechen, dass ein auf der Südost-Seite des Staffelbergs bei Sondierungen entdecktes zweites Tor offenbar ebenfalls durch Feuer zerstört wurde.

Ein Schotterweg mit Spuren von Wagenrädern in der für die Keltenzeit typischen Spurweite von 1,10 Metern verrät den Archäologen, dass damals vermutlich bereits „Rechts-Verkehr“ galt. Bergauf war der Weg zum Zangentor auf der rechten Seite mit Dolomitschutt befestigt, während die linke Seite für den bergab fahrenden Verkehr nicht geschottert war, erklärt der Archäologe.

Eine besonders wohlhabende Stadt

Die zahlreichen Metallfunde in den Aufschüttungen belegen, dass die Bewohner der Keltenstadt sehr wohlhabend waren. Nicht nur Fibeln (Kleiderschließen), sondern auch Eisenreste aus einer Schmiede fanden sich in dem Siedlungsabfall, der in dem Wall verbaut wurde. „Damals war jedes kleine Stück Eisen wertvoll und wurde wiederverwertet, weil die Aufbereitung des Erzes so aufwändig war“, betont Markus Schussmann. Eine kleine Sensation ist der Fund einer Eisenfibel aus der Zeit zwischen 30 und 40 vor Christus – der bisher jüngste bekannte keltische Fund. Er belegt, dass das Oppidum auf dem Staffelberg noch bewohnt war, als andere große Keltenstädte wie Manching sich bereits im Niedergang oder der Auflösung befanden.

Zahlreiche Keramikfunde, etwa von keltischen Kochtöpfen aus Graphitton, der in der Gegend von Passau abgebaut wurde, ein Eisenmesser und ein daneben liegender Wetzstein aus alpenländischem Sandstein, geben den Archäologen Aufschluss über die Lebensgewohnheiten der Kelten und ihre Handelsbeziehungen. Neben vielen Tierknochen lassen Holzkohlereste mit Spuren von Getreide und anderen Pflanzen bisher noch nicht mögliche Rückschlüsse auf die Ernährungsgewohnheiten der Menschen zu.

Viele Mosaiksteine, die das noch in vielen Bereichen unscharfe Bild vom Leben der Kelten ergänzen, tragen die Archäologen am Staffelberg zusammen. Jedes Fundstück werden sie auswerten und aus mehren Perspektiven zeichnen. Die wissenschaftliche Dokumentation wird nicht nur die Grundlage für die Rekonstruktion des Zangentors bieten, sondern die Funde sollen künftig auch im Landkreis zu sehen sein. Bei allen Details wird sich jedoch wohl nicht klären lassen, welcher Keltenstamm den Staffelberg einst bewohnte und warum sie ihn verlassen haben, weil schriftliche Überlieferungen fehlen.

Plätze frei für Lehrgrabung

Bis zum November will das Archäologenteam die Grabungen am keltischen Zangentor auf dem Staffelberg abschließen. Zuerst wird der Torbereich freigelegt, um die Erkenntnisse den Ingenieuren für die Rekonstruktion möglichst bald zur Verfügung zu stellen. Der Nachbau soll im nächsten Jahr erfolgen.

Die Kosten der Ausgrabung sind mit rund 200 000 Euro veranschlagt, zusammen mit den Rekonstruktionen werden wohl Kosten von rund einer Million Euro entstehen. Das EU-Leader-Programm und die Oberfrankenstiftung fördern das Projekt.

Groß ist auch das Interesse von Helfern, sich an der Grabung zu beteiligen mit rund 40 Anmeldungen. Allerdings seien einige wieder abgesprungen, weil die Teilnahme an der Lehrgrabung mindestens zwei Wochen dauert, erklärte Dr. Markus Schußmann. Interessierte können sich bei Andrea Musiol im Landratsamt Lichtenfels unter Tel. (09571) 18 283 oder per mail (Andrea.Musiol@lra-lichtenfels.de) melden.

Für den Laien ist die kreisförmige Verfärbung des Bodens kaum zu erkennen, Archäologe Dr.