ROMANSTHAL

Vogelstimmenwanderung: Konzert der gefiederten Sänger

Nachdem Vogelkenner Bernd Flieger (2. v. re.) einen Vogelruf identifiziert und von der Richtung her zugeordnet ...

„Ti-ti-ti-ti – Tüüh“ erschallt es aus der Ferne. Das Gesicht von Bernd Flieger hellt sich auf. „Eine Goldammer singt“, lässt er wissen. Noch einmal genau hinhören, dann kann der erfahrene Vogelkenner die Herkunft näher lokalisieren, zückt das Fernglas und gibt den Teilnehmern den entscheidenden Hinweis. „Da vorne in der Buschreihe, ziemlich in der Mitte auf der Spitze – da sitzt er.“ Die naturkundliche Exkursion der Umweltstation Weismain mit Bernd Flieger lässt die Teilnehmer eintauchen in die faszinierende hiesige Vogelwelt.

Im Lärm und in der Hektik des vom Uhrzeiger beherrschten Alltags ist einem gar nicht mehr bewusst, wie vielseitig – und vielstimmig – sich die Natur am Obermain doch immer noch gestaltet. Allerdings haben sich an diesem frühen Morgen nur drei Naturliebhaber am Wanderparkplatz bei Romansthal eingefunden, um gemeinsam mit dem Vogelkenner den Rufen von Kleiber und Co. zu lauschen. Doch das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.

„Titip, Titip, Titip – das ist der Kleiber, der Morse-Vogel“, lächelt Flieger und lädt die Teilnehmer erneut ein, innezuhalten. Den gefiederten Freunden beim Singen und Rufen einmal ganz intensiv zuzuhören, ist für sich genommen schon ein Erlebnis. Der Leiter der Exkursion vertieft das Erlebte mit interessanten oder auch humorvollen Hinweisen dahingehend. „Der Buntspecht, den wir gerade auch hören, regt sich vielleicht gerade über uns auf, nehme ich an, weil sich momentan seine Stimme so überschlägt“, witzelt Flieger.

Für den „Unmut“ des Waldbewohners gibt es freilich keinen Grund – ganz im Gegenteil. Ohne Lärm, sondern vor dem Hintergrund der angestrebten Ortung der Vogelstimmen explizit leise und aufmerksam, schreiten die Teilnehmer mit ihrem Leiter auf den Waldwegen dahin.

„Ein wirklich guter Sänger“

Dorngrasmücke, Baumpieper, Zaunkönig, Buschfink – diese und eine ganze Reihe weiterer Vögel zwitschern an diesem Morgen. Das Herz schlägt Flieger höher, als er einen Pirol vernahm. „Ein wirklich guter Sänger“, freut er sich über die zunächst akustische Entdeckung.

In vielen Fällen während der Exkursion gelingt es, die gefiederten Sänger via Fernglas auch optisch ausfindig zu machen – wenn ein Tier irgendwo im Baumdickicht versteckt ist, freilich nicht immer. Dann zückt Flieger als Hilfsmittel sein Smartphone und zeigt den Teilnehmern ein Bild des Vogels.

Loslassen vom Alltag

Doch moderne Technik bleibt an diesem Vormittag bewusst größtenteils außen vor. Wer die Natur erfahren will, muss einfach wieder seinen Sinnen vertrauen, auch ein Stück weit loslassen können vom Alltag. Und dies gelingt vornehmlich gut, gut drei Stunden währt die Exkursion, quasi auf „Du und Du“ mit Flora und Fauna insgesamt und mit der Vogelwelt im Speziellen.

„Oh, seht mal da – ein bunter Schmetterling ist auf meinem Fernglas gelandet“, lacht eine Teilnehmerin. Der hübsche Schillerfalter scheint zu spüren, dass diese Menschen es gut mit der Natur meinen, und tastet mit seinem Rüssel in aller Seelenruhe das Instrument ab, vielleicht auch nur den hinterlassenen Schweiß der Besitzerin. Erst eine halbe Stunde (!) später fliegt der Falter wieder von dannen, flatterte zum Abschied – kein Witz – noch zweimal rings um die Wanderer.

Entspannter Einblick

Eine Reiterin kommt mit ihrem Pferd entgegen. Zeit für einen kurzen Plausch ist immer, wie das die Gruppe an diesem Vormittag tut. Der Stress kommt früh genug zurück – oder auch nicht. Vermutlich überträgt sich die Ruhe und Sanftheit der Natur, begleitet vom „Konzert“ von Baumpieper, Zilp-Zalp und Pirol, ein Stück weit auch auf den Alltag.

Jedenfalls gewinnen die Teilnehmer einen wunderschönen, entspannenden Einblick die Welt der gefiederten Sänger, danken abschließend Bernd Flieger für dessen kompetente wie kurzweilige und hochinteressante Leitung der gelungenen Exkursion.

Schöne Begegnung am Rande: Dieser wunderschöne Schillerfalter landete auf dem Fernglas einer Teilnehmerin, ...
Der Vogel, der so heißt wie er singt: „Zilpzalp“ wird der Weidenlaubsänger, dessen Gesang unter anderem ...