STADEL

Stadeler „Blumenschänke“: 3200 ehrenamtliche Stunden geleistet

Gemeinsam geht?s: Feuerkommandant Marko Fischer (re.) und -vorsitzender Florian Schraud (Mi.) montieren eine ...

Dienstags und donnerstags ist Arbeitseinsatz in der „Blumenschänke“. Manchmal kommen auch die Samstage dazu. Und das seit vielen Monaten. Über 3200 ehrenamtliche Stunden haben die Stadeler investiert, um ihr Gemeinschaftshaus am Dorfplatz grundlegend zu renovieren. Und das, obwohl eigentlich alles eine Nummer kleiner geplant war.

„Mit diesem Durchbruch fing das Mammutprojekt an“: Feuerwehrkommandant Marko Fischer deutet auf eine Tür, durch die man vom Schulungsraum zu den Toiletten kommt. „Eigentlich wollten wir erst einmal nur den Schulungsraum herrichten und den Toilettenzugang barrierefrei gestalten“, erklärt Florian Schraud, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins. Die dunkle Lamperie aus Holz sollte raus, die schmalen Fenster sollten vergrößert werden. Und aus den beiden mit Holzstellwänden getrennten Gemeinschaftsräumen im Untergeschoss sollte ein einziger großer werden.

Dann aber entschieden sich die Stadleler, Wände zu versetzen und zu durchbrechen, um die Sanitäranlagen zu vergrößern. Der frühere Unterstand vor der „Blumenschänke“ wurde ins Gebäude integriert, so dass auch die Küche geräumiger wurde. Plötzlich aber gab es statische Probleme, die gelöst werden mussten. Und beim Entfernen der Holzvertäfelung und des Putzes trat plötzlich Schimmel zutage. Die Liste der zu erledigenden Projekte wurde länger und länger.

Als die letzte Gaststätte schloss

Genau genommen ist die „Blumenschänke“ eine umgebaute Scheune mit Stall. Als 1972 der Ort die Goldmedaille auf Bundesebene erreichte, die letzte Gastwirtschaft im Ort schloss und der Landwirt, dem das Gebäude gehörte, an den Ortsrand aussiedeln wollte, ergriff die damalige Gemeinde Banzgau die Gelegenheit beim Schopfe und sicherte sich die Scheune. Die Dorfgemeinschaft machte sich an einen ersten Umbau. In den 1990-er-Jahren folgte ein zweiter.

Josef Herold, der in Stadel nur als „der Sepp“ bekannt ist, war damals Vorsitzender der Blumenfreunde. „Und da im Wettbewerb ,Unser Dorf soll schöner werden' noch sehr das Grün im Mittelpunkt stand, kam er auf die Idee, das Gemeinschaftshaus ,Blumenschänke' zu nennen.“ In den 1970-er-Jahren malten Künstler aus dem Dorf Blumengirlanden unter die Fenster, heute zieren prächtig gewachsene rote Rosen die Außenpassade.

Stadt finanzierte das Material

„Wir sind dankbar, dass uns die Stadt das Geld für das nötige Material zur Verfügung stellte und einige Firmen für Bereiche engagierte, die wir nicht selbst übernehmen konnten“, sagt Stadtrat Werner Freitag. Die Fliesenarbeiten beispielsweise. In den Haushaltsjahren 2017 und 2018 waren knapp 85 000 Euro verankert. Die Abrechnungen stehen noch aus. „Geschätzt werden sich die Kosten für die Blumenschänke Stadel auf rund 90 000 Euro belaufen, das Feuerwehrhaus nicht mitgerechnet“, antwortet Kämmerin Annette Ramer auf Nachfrage dieser Redaktion.

„Nach dem Johannisfeuer im vergangenen Jahr griffen wir dann den Schulungsraum an“, erinnert sich Marion Trütschel, Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Rund 30 der 100 Einwohner des Ortes beteiligten sich an den Arbeiten.

Vom Jugendlichen bis zum Senior

„Ein richtiger Kraftakt war es, den Boden in Toilette, Küche und Schulungsraum neu zu nivellieren. Wir hatten drei Räume mit drei Ebenen und mussten bis zu 70 Zentimeter ausheben“, erläutert Schraud. Da wurden so einige volle Schubkarren mit Muskelkraft nach draußen befördert. Und nun ist alles barrierefrei, hell und freundlich.

Auch die Malerarbeiten, die neue, helle Deckenverkleidung und die Elektrik stemmten die Stadeler selbst. Der jüngste Helfer war Felix Büttner mit 15 Jahren, die ältesten Ortsbeauftragter Otto Bachmann mit 76 und Reinhold Wendler mit 77 Lenzen.

Mehr Platz für die 23 Feuerwehrler

Insgesamt kamen hierbei 1700 Arbeitsstunden zusammen. Und die Küche bezahlten die Vereine gemeinsam. „Das Gemeindehaus steht allen Vereinen zur Verfügung, es kann aber auch von Privatpersonen gemietet werden.“

Bereits im Jahr 2015 war der dem Dorfplatz zugewandte Teil der „Blumenschänke“ zur Feuerwehrfahrzeughalle umgebaut worden. Zirka 1500 ehrenamtliche Stunden kamen da zusammen. Seither haben die 23 Aktiven richtig viel Platz für persönliche Schutzausrüstung und Tragkraftspritzenanhänger. In einigen Monaten wird die Stadeler Feuerwehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser erhalten. Dieser Tage laufen die letzten Feinarbeiten an der „Blumenschänke“, die am Samstag, 16. Mai, mit einem Festakt feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden soll. Pfarrer Hans-Werner Alt segnet ab 16 Uhr die Räume. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, zur Unterhaltung spielt die Band „Glücksgriff“ auf. „Für das Fest haben wir alle umliegenden Dörfer und Vereine eingeladen. Jeder Gast ist uns herzlich willkommen“, betont Marion Trütschel.

Restarbeiten vor dem Fest

Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Mal wird hier noch ein Löchlein verspachtelt, mal dort noch mit dem Pinsel nachgebessert – und vor allem groß reinegemacht. Die Stadeler sind stolz auf das, was sie dank ihres Gemeinschaftsgeistes geleistet haben. Die Arbeiten an der „Blumenschänke“ haben das Wir-Gefühl enorm gestärkt. „Und den Bau eines Tanzsaals greifen wir als nächstes an“, scherzt Marko Fischer. „Im Obergeschoss des Gemeinschaftshauses.“ Das ist bislang nicht ausgebaut – und wird es wohl so schnell auch nicht.

„Ein richtiger Kraftakt war es, den Boden in Toilette, Küche und Schulungsraum neu zu nivellieren. Wir hatten drei Räume mit drei Ebenen und mussten bis zu 70 Zentimeter ausheben.“
Florian Schraud, Vorsitzender der Feuerwehr
Haben gut lachen: Stadtrat Werner Freitag und Marion Trütschel räumen gemeinsam die Küche in der ...
Die „Blumenschänke“ ist ein gutes Beispiel dafür, was ein Dorf mit Wir-Gefühl alles erreichen kann.
Die Freiwillige Feuerwehr hat in der Gerätehalle nun jede Menge Platz.