STUBLANG

Freiheit mit Bodenhaftung

Weit über 300 Biker waren in diesem Jahr zum Motorradgottesdienst nach Stub-lang gekommen.

In der Lederkombi zum Gottesdienst? Das geht prima, zumindest beim Motorradgottesdienst in Stub-lang. Geprägt von einer ganz besonderen Stimmung, zieht der ökumenische Motorradgottesdienst am Fuße des Staffelbergs zum Saisonauftakt Jahr für Jahr mehr Motorradfahrer an. In diesem Jahr tat das Wetter ein Übriges.

Bei milden Temperaturen und Sonnenschein holten sich weit mehr als 300 Biker zur Eröffnung der Saison Gottes Segen, und das bereits zum neunten Mal. Dabei sind viele nicht zum ersten Mal gekommen. Auch wenn es erst das dritte Mal ist, dass Michael Thomas den Weg in den Lautergrund genommen hat, dieses Mal hat der Biker aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt noch einen weiteren Grund. „Ich habe kurz vor meiner Abfahrt erfahren, dass mein Bruder mit einem Motorradunfall im Krankenhaus liegt“, berichtet der Adelsdorfer. Schon deshalb ist ihm der Segen Gottes wichtig.

Die ersten Biker treffen bereits lange vor dem Gottesdienst auf dem Wanderparkplatz bei Stublang ein. Auch viele Spaziergänger und Wanderer nutzen die Gelegenheit zu einer Einkehr. Ein Blick auf die Kennzeichen zeigt, dass die meisten Motorradfahrer aus dem Landkreis Lichtenfels kommen, es sind aber auch Kennzeichen aus den angrenzenden Landkreisen dabei.

Suche nach der Faszination

Den Gottesdienst halten, wie schon in den Jahren zuvor, Pfarrer Helmuth Bautz und Pastoralreferent Josef Ellner. Am Anfang steht die Frage: „Was ist die besondere Faszination am Motorradfahren? Motorradfahrer sind Leute, die sich nicht mit gefilterter, schaler, vorgewärmter Luft zufriedengeben, sondern die frische Brise der Natur und Freiheit atmen“, sagt Pfarrer Helmuth Bautz.

Für Pastoralreferent Josef Ellner sind Biker Leute, die um die Wichtigkeit der Bodenhaftung wissen, die oft nicht mehr als die Größe eines Bierfilzchens verteilt auf Vorder- und Hinterrad beträgt. Diese Bodenhaftung brauche es, sie sei überlebenswichtig, wer sie aufs Spiel setze, gefährde sich und andere. „Motorradfahren ist Freiheit mit Bodenhaftung“, sagt Ellner, dessen aktive Bikerkarriere 2016 beendete.

Gewisses Maß an Augenzwinkern

Noch mehr zum Thema konnte Susanne Lindner beitragen, die Bedienung des Biker-Treffs Kathi-Bräu in Heckenhof bei Aufseß. Sie beleuchtete das Thema nicht allein von der asphaltierten Seite, sondern mit einer gehörigen Portion Humor und mit einem gewissen Maß an Augenzwinkern von der menschlichen Seite. Sie berichtete von Chaoten, die so wenig Zeit haben, dass sie beim „Bradwöschd essen“ den Helm auflassen, oder über andere, denen sie die Brotzeit zum Motorrad tragen muss, weil sie sich keinen Zentimeter von ihrer Sitzbank trennen können. „Damit auch jeder sieht, was für eine tolle Maschine ihnen gehört“, wundert sich Susanne Lindner.

Pfarrer Helmuth Bautz berichtet von Motorradfahrern, für die „Schutzkleidung“ ein Fremdwort ist. Die auf ihrem Bike mit Flipflops statt mit Stiefel sitzen, weder Handschuhe noch Nierengurt tagen, stattdessen kurze Hose und T-Shirt. Grad, dass sie noch einem Helm aufsetzen. Auf dem sollte dann aber wenigsten stehen: „Hohlkörperschutzschale!“

Es wäre noch viel zu berichten, über jene Zeitgenossen die unter Beziehungshygiene stundenlanges Motorradputzen verstehen, nicht aber wissen, wie die Nachtcreme ihrer Frau heißt. Oder jene Typen, die ohne Motorrad die Ausstrahlung einer kaputten Ikea-Lampe haben.

Ganz angetan

Sie haben vom Motorradgottesdienst bei der „Kathi“ erfahren, berichtet ein Paar aus dem Landkreis Coburg. Sie sind zum ersten Mal hier und waren ganz angetan, dass in Stublang Mensch und Maschine gesegnet werden. Dies gebe es nicht bei jeder Veranstaltung.

Der Motorradgottesdienst ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der ökumenischen Kur- und Urlauberseelsorge gemeinsam mit den Motorradfreunden Bad Staffelstein/Stublang.

Auch „harte Jungs“ sind gerne mit dem Segen Gottes unterwegs.
Pfarrer Helmuth Bautz und Pastoralreferent Josef Ellner beim Motorradgottesdienst.