BAD STAFFELSTEIN

Kelten errichteten Machtbauwerk

Grabungsleiter Dr. Markus Schussmann zeigt keltische Scherben aus der Besiedlung am Staffelberg.

Es ist ungefähr das Jahr 50 vor Christi Geburt. Auf dem Staffelberg-Plateau und in der Ebene darunter leben und arbeiten Kelten. Das Oppidum auf der weithin sichtbaren Erhebung am Obermain war etwa 100 Jahre zuvor gegründet worden. Die Menschen lebten in einer Ober- und in einer Unterstadt. Wenige Jahrzehnte vor der christlichen Zeitenwende geschieht dann etwas, worauf sich die Wissenschaft bis heute keinen Reim machen kann. Die Kelten verlassen ihre Behausungen auf dem Staffelberg. Die Besiedlung ist zu Ende.

Ein deutlicher Hinweis, dass der Abzug damals gewaltsam ausgelöst worden sein könnte, sind Überreste des großen so genannten „Zangentors“, auf die Archäologen im vergangenen Jahr bei einer Sondierungsgrabung unterhalb des Plateaus gestoßen sind (wir berichteten mehrfach). Dieses Tor fiel damals einem Brand zum Opfer.

Vom Zangentor sind bis heute Brandschutt, Pfahllöcher, verwitterte Steine, aber auch überraschend viel Baumaterial übrig geblieben, unter anderem Reste von Metallbeschlägen und Nägel. Dr. Markus Schußmann vom Lehrstuhl für vor- und frühgeschichtliche Archäologie der Universität Würzburg ist der Experte für die Geschichte der Kelten am Obermain und ganz speziell auf dem Staffelberg.

Trophäenschädel-Überreste

Er berichtete am Freitag von einem eher grausigen Fund im vergangenen Jahr: Teile eines Trophäenschädels, der am Tor befestigt gewesen sein könnte. Es sei bekannt, dass Kelten bei kriegerischen Auseinandersetzungen ihren Gegnern die Köpfe abgeschlagen hätten.

Der Kelten-Experte spricht von einer außergewöhnlich erfolgversprechenden Ausgangssituation für eine Ausgrabung der Zangentor-Überreste am Staffelberg, weil viele bislang gefundene Teile genauso lagen wie zum Zeitpunkt der Zerstörung des Tores. Weiterhin deutet seinen Angaben zufolge alles darauf hin, dass die Archäologen auf den Spuren des größten und wichtigsten Befestigungstores aus keltischer Zeit am Staffelberg sind. Die übrigen Zugänge waren kleiner.

Seit rund einer Woche und noch bis Oktober dieses Jahres graben sich Schußmann und vier junge Archäologen aus Würzburg in unmittelbarer Umgebung zur Sondierungsgrabung auf der Suche nach den Überresten des riesigen Zangentores und weiterer Dokumente keltischer Siedlungen Schicht für Schicht in den lehmigen Boden. Am Freitag präsentierten sie mit Landrat Christian Meißner und weiteren Fachleuten bereits neue Grabungsergebnisse und stellten das gesamte archäologische Projekt vor.

Der Landrat unterstrich erneut die Bedeutung, die das Projekt inzwischen für den Landkreis, aber auch für die Archäologen habe. Dr. Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege bestätigte diese Einschätzung bei dem Ortstermin. Er betonte, dass es sich bei dem Oppidum auf dem Staffelberg um eine Fläche von fast 50 Hektar gehandelt habe. „Das ist gigantisch groß“, so Büttner. Es sei sicher, dass die Rekonstruktion des Zangentors genau dort erfolgen werde, wo die spätkeltische Verteidigungsanlage ursprünglich stand.

Christian Meißner wies darauf hin, dass die Grabung nicht im Geheimen und rein wissenschaftlich über die Bühne gehen werde. „Wir lassen auch Laien mitgraben“, so der Landrat. Für jeweils 14-tägige „Praktika“ lägen bereits 40 Anträge vor. „Wir wollen die Kelten am Staffelberg erfahrbar und erlebbar machen“, sagte er. Wenn der Palisadenbau wieder entsteht, wird heimisches Eichenholz verwendet, das momentan geschlagen wird. Es werde danach von Hand bearbeitet. Meißner bat darum, die ausgewiesenen Umleitungswege um das Ausgrabungsgebiet zu nutzen, das mitten in einem zentralen Zugang von Bad Staffelstein zum Staffelberg liegt.

Markus Schußmann ergänzte, dass der jetzige Hohlweg, an dem die ersten Überreste des Zangentores gefunden worden sind, vermutlich im 19. Jahrhundert über dem Niveau des Torgeländes angelegt worden ist. Die Ausmaße und die Form der keltischen Befestigungsanlage seien jetzt schon ziemlich deutlich. Die beiderseitige Mauer aus Steinen mit dazwischen stehenden Pfählen hin zum Tor sei ungefähr drei bis 3,50 Meter hoch gewesen. Dahinter sei ein Erdwall aufgeschüttet worden.

Mit Dolomitstein geschottert

Der Zugang zum Tor sei ungefähr sieben Meter breit und 20 Meter lang gewesen und habe aus Bahnen bestanden. Der nach oben führende Weg, auf dem auch die Fuhrwerke unterwegs waren, war mit Dolomitstein geschottert. Der bergab führende Weg sei nicht geschottert gewesen. Der Bereich hin zum Tor sei immer enger geworden. An der engsten Stelle konnten, so Schußmann, die Bewohner und Verteidiger Angreifer in die Zange nehmen. Schußmann sprach am Freitag angesichts der Dimension des Zangentores von einem „keltischen Machtbauwerk“. Das Zangentor sei mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit Beginn der Staffelberg-Besiedlung erbaut worden. „Das Oppidum war zunächst unbefestigt“, sagt er.

„Wir wollen die Kelten am Staffelberg erfahrbar und erlebbar machen.“
Christian Meißner, Landrat

In den ersten Tagen der neuen Grabung am Staffelberg sind bereits Scherben keltischer Gebrauchsgegenstände aufgetaucht, die Schußmann am Freitag den Medien präsentierte. Bei den anschließenden Grabungen erwarten die Archäologen, erste Pfostenlöcher der Torbefestigung zu entdecken.

Projekt „Keltentor“: Projektträger ist der Landkreis Lichtenfels. Zuschüsse für die Kosten der Ausgrabung und der Rekonstruktion gibt es durch Leader und die Oberfrankenstiftung. Die Öffentlichkeit soll durch regelmäßige Führungen für Gäste und Einheimische Einblick in die Grabungen erhalten.

Projekt „Keltentor“

Projektträger ist der Landkreis Lichtenfels. Zuschüsse für die Kosten der Ausgrabung und der Rekonstruktion gibt es durch Leader und die Oberfrankenstiftung. Die Öffentlichkeit soll durch regelmäßige Führungen für Gäste und Einheimische Einblick in die Grabungen erhalten.