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BAD STAFFELSTEIN

Ein Loblied auf den Humor

Große Gesten für große Humoristen. Hier zu sehen Tanja Schaller und Wolfgang Krebs in einem ausladenden Moment. Foto: Markus Häggberg

Ein Loblied auf den Humor erklang am Samstagabend in der Alten Darre. Allerdings dauerte dieses Lied gut zwei Stunden lang, enthielt mimische Einlagen und Texte von großen Humoristen des vergangenen Jahrhunderts. Ein KIS-Abend mit Anziehungskraft.

Kabarett? Couplet? Literatur? Geschichte? Irgendwie fiel ja alles zusammen, was Tanja Schaller, Wolfgang Krebs und Lorenz Trottmann zu einem Programm bündelten und mit „Humor liegt in der Luft“ betitelten. Was da in der Luft schwirrte, hatte vom Podest bis zur ersten Zuschauerreihe nur einen Meter zu überbrücken und war dann mittendrin im Publikum. So sehen Kleinkunstabende aus – große Kunst in kleinem Rahmen und in eingeschworener Stimmung.

Wohl gut 35 Zuschauer kamen zur Kultur-Initiative Bad Staffelstein (KIS), um ein noch sehr junges Programm mitzuerleben, entstanden am Schlosstheater Thurnau, welches vom Schauspieler Krebs ins Leben gerufen worden ist.

Zu wenig Hintersinn

In seiner Begrüßung, die auch eine Publikumseinstimmung auf das Folgende war, zeigte sich der KIS-Vorsitzende Hermann Hacker nicht so ganz zufrieden mit dem Zustand des Humors in heutiger Zeit; zu viel Comedy, zu viel Flachheit, zu wenig Hintersinn.

Dagegen ging das Trio vor, griff in die Vergangenheit und förderte Erich Kästner, Otto Reutter, Joachim Ringelnatz, Wilhelm Busch oder Christian Morgenstern zutage. Mit Schallers Akkordeon und Querflöte sowie einem von Trottmann ausgezeichnet temperierten E-Piano. Das braucht man auch, will man sich einiger der 400 nachgewiesenen Couplets Reutters annehmen.

Was den Abend besonders machte, war der Einblick in das Schaffen von Dichtern, welche Humor auch dadurch zu erzeugen wussten, dass sie Aussagen und Pointen durch das Jonglieren mit der Sprache erreichten. Oder zweckfrei, aber elegant blieben.

Aufs Korn genommen

So begab sich Krebs beispielsweise in die Rolle des von Christian Morgenstern (1871-1914) ersonnenen Werwolfs, der sich seiner Grammatik nicht sicher ist und am Grabe eines Dorfschulmeisters vom Wenwolf, Wemwolf, Weswolf erfährt. Menschliche Schwächen wurden auch aufs Korn genommen, beispielsweise von Ringelnatz (1883-1934) und beispielsweise die Eitelkeit und Anmaßung. „Die Badewanne prahlte sehr, sie hielt sich für das Mittelmeer“, zitierte Krebs mit herrlichem Augenaufschlag, um Strophen später zu enden: „Dies eingebildete Bassin. Es wohnte im Quartier Latin.“

Erweiterung zum Infotainment fanden die besonders von Schaller und Krebs schauspielend vorgetragenen Reimereien und Gedichte noch über allerlei Wissenswertes zu den Dichtern. Wer weiß schon, dass Morgenstern Übersetzer für Strindberg und Ibsen war? Und wer weiß schon, dass Kästner bei der Bücherverbrennung der Nazis dabei zusah, wie seine Werke im Feuer landeten. Einen lustmachenden Impuls hinterließ der Abend bei wohl jedem Besucher gewiss: den, mal wieder in die Bücher der Kästners, Ringelnatzes & Co. zu schauen.

Von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

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