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VIERZEHNHEILIGEN

Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen

Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen
Auf dem gemeinsamen Weg zur Basilika wurden bei der Arbeitnehmerwallfahrt an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit durch Betroffene thematisiert. Foto: Red

„Kein Arbeiter ohne Recht.“ Für diesen christlichen Leitsatz, den Papst Franziskus im April 2020 formuliert hat, lohnt es sich, sich geistig und körperlich auf den Weg zu machen. Und so fand kürzlich die 15. Arbeitnehmerwallfahrt unter dem Motto „Arbeit ist Menschenrecht“ nach Vierzehnheiligen statt.

Die gemeinsame Zeit der Wallfahrt mit Gebeten und dem anschließenden Gottesdienst war für die Veranstalter ein Zeichen der Solidarität mit allen jenen Frauen und Männern, die um ihren Arbeitsplatz fürchten oder die auf der Suche nach Arbeit sind, und die sich für eine menschenwürdige Arbeitswelt einsetzen.

Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen
KAB-Diözesanpräses Albert Müller feierte mit den Wallfahrern in der Basilika eine Eucharistiefeier. Foto: Red

Die diesjährige Wallfahrt für Arbeitende und Arbeitslose stand unter dem Leitwort: „Solidarisch die Zukunft gestalten – wider die gefährliche Gleichgültigkeit.“ Eingeladen hatte die katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der KAB Diözesanverband Bamberg, die Arbeitslosenberatungsstellen der Erzdiözese und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen.

Erstmals ist das Vortragekreuz dabei

Nach der Begrüßung am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels durch Franziskanerpater Stanislaus und einem Gebet von Albert Müller, Diözesanpräses der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese Bamberg, ertönte erstmals die Mahnglocke, und die Wallfahrt mit rund 70 Pilgern setzte sich in Bewegung.

Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen
Die Mahnglocke wurde mit nach Vierzehnheiligen hochgebracht. Foto: Red

„Erstmals ist ein Vortragekreuz dabei, das Christus im Zahnrad zeigt. Es soll uns daran erinnert, dass der Mensch im Mittelpunkt auch in unserem Wirtschaftsleben stehen sollte. Das Bild ist dem Relief in der Arbeitnehmerbildungsstätte Obertrubach nachempfunden“, erklärte Betriebsseelsorger Norbert Jungkunz. Das Vortragekreuz wurde durch den Akademischen Bildhauer Heinrich Schreiber aus Kronach gestaltet. „Das Bildungshaus Obertrubach stellt zum Ende des Jahres den Betrieb ein, nachdem die wirtschaftlichen Defizite durch die Corona-Pandemie zu groß wurden. Von der Schließung sind mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen“, fügte Jungkunz an.

Digitalisierung und Klimawandel erzeugen Druck bei Menschen

Die musikalische Begleitung auf dem Weg zum Gnadenort übernahm die Jugendblaskapelle Bergesklänge aus Witzmannsberg bei Coburg. Auf dem gemeinsamen Weg hoch zur Basilika wurden an vier Stationen die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit thematisierte und dazu erklang der Mahnglocke. „Nachhaltige Transformation in der Arbeitszeit“ hieß es an der ersten Station. Der permanente Transformationsdruck habe durch die Digitalisierung eine Geschwindigkeit erreicht, die bislang unbekannt war. Zugleich seien die Industrieunternehmen und ihre Beschäftigten mit einer anderen enormen Herausforderung konfrontiert – dem Klimawandel und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Konsequenzen. Dieser doppelter Druck durch digitale Beschleunigung und ökologisches Umdenken beinhalte aber auch Chancen für industrielle Modernisierung und Gestaltung von wertvoller Arbeit.

Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen
Die Wallfahrt für Arbeitende und Arbeitslose führte am Samstagfrüh nach Vierzehnheiligen. Foto: Red

„Der Wert der Arbeit“, hieß es an der nächsten Station. Wenn diese Pandemie etwas gelehrt habe, dann dass die menschliche Arbeit anders und weit höher bewertet werden müsse, als es sich in den vergangenen Jahren eingebürgert habe. Die Wertschätzung für Berufszweige, die bisher eher im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung standen, sei in der Öffentlichkeit und in der Politik enorm gewachsen. Nicht das Kapital habe die Menschen die akute Krise meistern lassen, es waren die arbeitenden Menschen mit der Selbstverständlichkeit ihres Tuns.

„Falsches Dogma des schlanken Staates“

„Die Handlungsfähigkeit des Staates stärken – für Verteilungsgerechtigkeit sorgen“ hieß das Thema an der dritten Station. Hierzu sprachen Mitglieder des DGB Oberfranken. In der Pandemie und den Naturkatastrophen habe sich erneut gezeigt, dass die Menschen von einem handlungsfähigen und aktiven Staat profitieren. Deutschland könne es sich nicht länger leisten, am „falschen Dogma des schlanken Staates“ festzuhalten. Es sei Zeit für die Anpassung der Lebensverhältnisse zwischen den reichen Oberbayern und dem armen Oberfranken, sowie für mehr Verteilungs- und Geschlechtergerechtigkeit beim Einsatz öffentlicher Gelder.

An der letzten Station sprachen Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninititiven über „Arm und ausgeschlossen – die Ungehörten“. Eine Gruppe von Menschen sei bereits vor Corona ausgeschlossen gewesen. Menschen mit Hartz IV-Bezug hätten nur 5,16 Euro täglich für Nahrung und Getränke zur Verfügung. Für Kinder unter 13 Jahren müssten 3,98 Euro ausreichen.

Über 13 Prozent der Bevölkerung seien arm.

Arbeitnehmerwallfahrt nach Vierzehnheiligen
Oswald Greim und Thomas Reich schlugen während der einzelnen Stationen die Mahnglocke. Foto: Red

Auch für alle anderen lebensnotwendigen Dinge sei das Budget zu knapp. Für die Bildung seien monatlich 1,61 Euro vorgesehen. Über 13 Prozent der Bevölkerung seien arm. Sie leben weiter in einem gesellschaftlichen Lock-out, der nicht durch die Corona-Pandemie verursacht worden sei. Weite Teile von Politik und Gesellschaft nähmen die fortschreitende Spaltung unserer Gesellschaft achselzuckend in Kauf.

Nach aufmunterten Grußworten in der päpstlichen Basilika durch Franziskanerpater Stanislaus wurde mit KAB Diözesanpräses Albert Müller ein Gottesdienst gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es im Innenhof des Hauses 2 für die Wallfahrer einen herzhaften Eintopf. „Es war wieder eine beeindruckende Wallfahrt“, war von einzelnenen Teilnehmern zuhören. (red)

 

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