aktualisiert:

BAD STAFFELSTEIN

Anja Bautz: Die Kurseelsorgerin mit dem Zollstock

Pfarrerin Anja Bautz ist Kurseelsorgerin. Wegen den Folgen der Pandemie läuft für sie einiges anders. Ihren roten Zollstock braucht sie jetzt oft. Foto: Till Mayer

Als Kurseelsorgerin ist Pfarrerin Anja Bautz aus Ebensfeld für Kurgäste und Urlauber da. Zu Zeiten der Pandemie ändert sich so einiges für ihr Wirken. Sie berichtet, warum ein Zollstock ihr ständiger Begleiter wurde.

„Viele Menschen haben ein kleines Handtäschchen dabei. Meines ist eine ausgewachsene schwarze Ledertasche mit viel Platz für den täglichen Bedarf: Geldbeutel, Tempos, Autoschlüssel, Kalender. Seit Anfang Mai gesellt sich ein neuer ständiger Begleiter dazu, mein Zollstock.

Die Seebühne als Veranstaltungsort

Es wäre vermessen, ihn als den wichtigsten Teil meines momentanen Lebens zu bezeichnen, aber ein äußerst hilfreicher ist er allemal. Nachdem der erste Schock des Lockdowns verdaut war, haben wir auch in der Kurseelsorge vorsichtig nach vorn geschaut, und dabei entdeckt, dass viel mehr geht als zuallererst gedacht und befürchtet.

Und so wurden Kapellen und die Seebühne als von der Stadt Bad Staffelstein großzügig zur Verfügung gestellter Veranstaltungsort vermessen. Sicherheitsabstände wurden berechnet und nach sich verändernden gesetzlichen Bestimmungen gleich noch einmal berechnet. Es wurde über Sicherheitskonzepten, auch für das Pilgern, gebrütet, bis wir schließlich freudig und fast ein bisschen überrascht feststellten, dass fast das ganze Sommerprogramm der Kurseelsorge mit ein paar Veränderungen möglich sein würde.

So wurde und wird aus dem nach den geltenden Regeln nicht möglichen Mondscheinspaziergängen das „Abenddämmern“ auf der Seebühne. Und die Menschen lassen sich gerne einladen. Beim ersten Abenddämmern waren schon bald alle 195 Plätze vergeben. Der Sommer tut sein Übriges dazu. Er lockt uns ins Freie, unter den weiten Himmel und an besondere Orte wie dem Staffelberg, oder eben auf die Seebühne in den Kurpark.

Am 2. August laden wir wieder ein auf die Seebühne: beim ökumenischen Konzertgottesdienst zum Ferienbeginn um 18 Uhr gibt es Gedanken zum Thema „Zur Ruhe kommen“ und Musik von Suzan Baker und Dennis Lüddicke. Einen Tag später, am 3. August, 21 Uhr, kann man die besondere Atmosphäre beim „Abend-dämmern“ mit Musik von Ruth Ellner (Violine) und Sabine Karger-Karl (Querflöte) und Texten von Urlauberpfarrer Wagner noch einmal erleben und beim Blick in den hoffentlich offenen Himmel die Seele baumeln lassen. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserem ökumenischen Sommerangebot.

Ein freundlicher Hinweis zum „Nacheichen“

Bei all dem war dieses kleine hölzerne Ding in meiner Handtasche mein hilfreicher Begleiter. Wie sehen noch mal 1,5 Meter Abstand aus? Mittlerweile haben das die Meisten von uns ganz gut im Gefühl, auch wenn in mancher Menschentraube dieses Abstandsgefühl mit einem freundlichen Hinweis bisweilen etwas „nachgeeicht“ werden muss.

Mein Zollstock hat mir enorm geholfen, so manches Angebot der Kurseelsorge Corona fest zu machen. Und das ist mir ganz wichtig, da Abstände Sicherheit, Schutz und ein sorgsames Umgehen miteinander bedeuten. Ich freue mich mit vielen anderen schon auf die Zeit, wenn wir uns wieder ganz unkompliziert und unbefangen treffen und unseren Glauben leben können. Doch bis dahin trösten mich die neuen Erfahrungen: Dass Gemeinschaft auch mit Abstand möglich ist, dass Mitmenschlichkeit an Herausforderungen auch wachsen kann und dass Gott uns auch in schwierigen Zeiten mit viel Schönem und Ermutigendem beschenkt. Natürlich ist das Leben in Corona Zeiten beschwerlicher und gefährlicher, aber es ist zuallererst einmal eine ganze Fülle an Leben.“

Weitere Artikel