aktualisiert:

VIERZEHNHEILIGEN

Als das Feuer in der Basilika von Vierzehnheiligen wütete

Als das Feuer in der Basilika von Vierzehnheiligen wütete
Die Zeichnung Franz Josef Febers aus dem Jahr 1835 dokumentiert den Zustand der Kirche nach dem Brand. Foto: Archiv

„Freundlich schaute der majestätische Tempel von der waldbegränzten Höhe in das schöne Mainthal hinaus, und nun – blicken traurige Ruinen herab.“ Mit diesen Worten leitet Franz Josef Feber seinen Augenzeugenbericht über den Brand Vierzehnheiligens im Jahre 1835 ein. Dieses Ereignis hat die Basilika schwer beschädigt und auch ihr Aussehen in einigen Punkten deutlich verändert.

Der 3. März 1835, der Kunigundentag, hatte als sonniger, ruhiger Vorfrühlingstag begonnen, doch im Laufe des Tages verschlechterte sich das Wetter, bis sich am Nachmittag ein ungewöhnliches Szenario einstellte. Es hatte kurz nach Mittag intensiv zu schneien begonnen und am Nachmittag braute sich ein heftiges Gewitter zusammen. Feber schildert: „Es war eine ergreifende Szene, wie durch die hin und her getriebenen Schneemassen Blitze zuckten und zu dem Brausen des Windes krachender Donner seine furchtbaren Akkorde sendete.“

Gegen 16 Uhr dann schlug der Blitz in den linken Kirchturm ein, also dem Turm, der dem Maintal zugewendet ist. Es dauerte nur wenige Minuten, bis aus dem Blitz ein Feuer geworden war, das den ganzen Dachstuhl in Flammen setzte.

Erste Rettungsversuche der Gläubigen

Das war natürlich nicht unbemerkt geblieben und scharenweise eilten die Bewohner des Maintals herbei, um ihre Kirche zu retten. Namentlich aus Staffelstein, aus Lichtenfels und Schney aber auch aus anderen Orten kamen die ersten Leute an die Unglücksstelle. Durch den starken Sturmwind wurden die Flammen erst recht angefacht und es bestand die Gefahr, dass das Feuer sich noch weiter ausweitete und auch auf andere Gebäude übergreifen würde.

Den ersten Herbeieilenden blieb zunächst einmal nichts anderes übrig, als die Kirchengerätschaften und andere Dinge aus der Sakristei und dem an die Kirche angrenzenden Probsteigebäude zu schaffen und in Sicherheit zu bringen. Man tat auch, was man konnte, um ein Übergreifen des Feuers auf die Probstei nicht zuzulassen, konnte aber nicht verhindern, das andere Teile der Kirche vom Brand ergriffen wurden. Gegen 19.30 Uhr erfasste das Feuer auch den anderen Turm und einige Minuten später drangen die Flammen auch zur Orgelempore vor.

Trotz der immer größer werdenden Gefahr betraten immer wieder einzelne Männer den Bau, um zu retten, was möglich war. Der Lichtenfelser Stadtkaplan Fischer hatte bereits um 18.30 Uhr die Monstranz herausbringen können, wenig später war es der Staffelsteiner Stadtkaplan Uhlmann, der aus der inzwischen Rauch gefüllten Kirche das Ciborium rettete. Bereits zuvor hatten tapfere Männer wie der Lichtenfelser Kaufmann Baptist Silbermann und der Staffelsteiner Seilermeister Joseph Göppner Gefäße und Paramente aus der Kirche geborgen.

Der Brand weitet sich aus

Die glimmenden Balken des eingestürzten Daches wurden vom heftigen Wind so stark ergriffen, dass ihr Funkenflug auch das nebenstehende Gebäude, in dem ein alter kranker Priester wohnte, in Brand steckte. Doch hier konnte unter großen persönlichen Einsatz der Brand unter Kontrolle gebracht werden. Der schon erwähnte Silbermann und der Rotgerbermeister Kestler aus Staffelstein bestiegen das Dach der Probstei und löschten mittels des zugereichten Wassers, ja selbst Milch kam als Löschmittel zum Einsatz.

Besonders beeindruckend und erschreckend war der Augenblick, als das über drei Zentner schwere Kreuz des linken Turmes anfing zu wanken und schließlich herabstürzte, um im Flammenmeer zu verschwinden. Dabei fiel es auf das Gewölbe der Kirche, aber ohne dieses zu durchschlagen.

Das Kreuz des rechten Turms dagegen, dessen Kuppel um 21 Uhr zusammenstürzte, fiel auf das Gewölbe des Seitenschiffs, schlug ein Loch von ca. 1 Meter Durchmesser und beschädigte einen Altar in der Kirche. Die drei im Turm aufgehängten Glocken schmolzen und noch am vierten Tag nach dem Brand hatte man erst 110 Pfund von ihrer Masse gefunden. Später konnte man aus dem Schutt der Kirche nochmal 170 Pfund bergen.

Als das Feuer in der Basilika von Vierzehnheiligen wütete
Ob die Lichtenfelser Landwehr zum Löschen in der Uniform antrat, wie auf dem Bild von Helmut Osterlänger zu sehen, lässt sich nicht sagen. Foto: Archiv

Die Uhr am Portal war um 21 Uhr stehen geblieben, als sie das Feuer erreichte. Staffelsteiner und Lichtenfelser löschen, drei Stunden später war das Feuer weitgehend unter Kontrolle. Als ein neu aufkommender Sturmwind es fast noch einmal entfacht hätte, konnte man dies dank der inzwischen eingetroffenen Feuerwehren gut unter Kontrolle bringen.

Vor allem die Staffelsteiner hatten sich bei der Rettungsaktion hervorgetan. Stadtschreiber Schellerer war der Erste, der Rettungsgerätschaften zum Brand brachte, Schlossermeister Drese und der Rößleinswirt sorgten für den schnellen Einsatz der Feuerspritzen. Auch die Staffelsteiner Bürgerwehr unter ihrem Kommandanten Oberstleutnant Fleischmann leistete mit 24 Mann wertvolle Hilfe. Unterstützung erhielten sie durch die Landwehr aus Lichtenfels.

Die Wallfahrtskirche nach dem Brand

Nach dem Brand war die Wallfahrtskirche in einem beklagenswerten Zustand. Die Türme hatten ihre Kuppeln verloren und waren ausgebrannt. Aus dem Gemäuer waren vor allem an der Rückseite große Stücke herausgebrochen oder zersprungen. Das Dach war zur Gänze zerstört. Die Schieferdeckung war von der Gluthitze gleichsam gesprengt worden und hatte sich in die ganze Umgegend verstreut.

Im Innern war die Orgel völlig zerstört, die Vergoldungen und zahlreiche der Malereien verrußt und schwarz. Glücklicherweise aber war das Gewölbe ganz geblieben. Dennoch dauerte es Jahre, bis die Kirche wieder vollkommen hergestellt war. Erst 1839 beauftragte Ludwig I. die Franziskaner mit der Betreuung der Wallfahrt, das war auch der ausschlaggebende Punkt für die endgültige Restaurierung der Kirche, allerdings nicht nach dem alten Vorbild, sondern im Geschmack der Zeit. Vor allem die neue Bittner-Orgel veränderte das Aussehen im Innern, denn sie verdeckte vier Fenster der Westempore.

Auch in anderen Details wich man von der Architektur Balthasar Neumanns ab. Mit diesen Arbeiten war aber der Grund gelegt für den erneuten Aufstieg Vierzehnheiligens. 1897 erhielt sie den Rang einer Basilica minor als erst zweite deutsche Kirche. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Bau immer wieder in kleineren Teilen renoviert und damit zum Teil auch wieder dem ursprünglichen Aussehen angenähert. So verdeckt die Rieger-Orgel von 1999 nur noch ein Fenster und lässt die Architektur besser zur Geltung kommen.

Wer heute Vierzehnheiligen besucht, wird an diesen Brand nicht mehr erinnert. Alles erstrahlt und erglänzt, wie man es sich für einen solchen Ort wünscht. Dass es nicht noch schlimmer kam, war auch der selbstlosen Hilfe der Bürger der Region zu danken, die sich ihrer Kirche eng verbunden fühlten und bereit waren auch unter dem Eingehen persönlicher Risiken das Ihrige zu tun. Orte wie

Vierzehnheiligen, an denen Kultur, Spiritualität und Geschichte zusammenkommen, sind damals wie heute eine Gemeinschaftsaufgabe, für die sich der Einsatz lohnt.

 

Von KARLHEINZ HÖSSEL

Weitere Artikel