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STADELHOFEN

Zieht Lidl mit Logistikzentrum nach Hollfeld um?

Zieht Lidl mit Logistikzemtrum nach Hollfeld um?
Der Protest der Stadelhofener Bürger scheint Wirkung zu zeigen. Das Lidl-Logistikzentrum soll in einem Hollfelder Industriegebiet entstehen. Foto: red

„Wir sind laut, wir sind hier, den Lidl-Bau, den stoppen wir.“ Mit pfiffigen Sprüchen wie diesen protestierten die Stadelhofener Bürger am 18. April und auch einige Male später gegen das geplante Lidl-Logistikzentrum am Tor zum Kleinziegenfelder Tal. Der Protest scheint Wirkung zu zeigen.

Die Firma Sturm Logistik Immobilien mit Sitz in Heidenheim, die seit 20 Jahren für den Discounter Logistikzentren plant, zeigt nämlich jetzt Interesse an einem Standort im Nachbarort Hollfeld. Dort stellte das Unternehmen dem Stadtrat sein Konzept vor – und der biss an. Das Gewerbegebiet Nord wurde zum Industriegebiet umdefiniert.

Knallen in Stadelhofen bereits die Sektkorken? „Mitnichten“, sagt Christoph Thienel von der Bürgerinitiative (BI) „Juraschützer“ und fügt hinzu: „Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Firma Sturm hat bislang noch keinen Kaufvertrag unterschrieben, der zum Erwerb der Gemeindegrundstücke im Hollfelder Industriegebiet berechtigen würde.“

Für die Firma Sturm sei das Industriegebiet allerdings ein idealerer Standort, so Thienel. In Stadelhofen hingegen müsste vor der Realisierung des Bauvorhabens erst ein Genehmigungsverfahren in Gang gesetzt werden. Und mit einem Bürgerbegehren könnte dieser Vorgang für ein halbes Jahr blockiert werden.

Negative Nebenwirkungen werden nur verlagert

Der 65-jährige sieht das Ganze aber auch mit einem weinenden Auge. Mit der Verlagerung des 12 000 Quadratmeter großen und 15 Meter hohen Logistikzentrums nach Hollfeld würden die negativen Nebenwirkungen eines solchen Großprojekts wie Lärmbelästigung oder Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, nur auf andere Orte gelegt.

„Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Firma Sturm hat bislang noch keinen Kaufvertrag unterschrieben, der zum Erwerb der Grundstücke im Hollfelder Industriegebiet berechtigen würde.“
Christoph Thienel, Bürgerinitiative „Juraschützer“

Die beiden Stadelhofener Gemeindeteile Eichenhüll und Wotzendorf hätten dann unter vermehrtem LKW-Verkehr zu leiden. „In der Spitze würden sich 300 Laster auf ihren Weg nach Hollfeld durch die zwei kleinen Orte schlängeln. Rechnet man noch die Rückfahrten hinzu, kommt man auf die doppelte Anzahl an Fahrten“, zählt Christoph Thienel auf.

Möglichkeiten zur Verlagerung des Lastwagen-Verkehrs

Wie könnte man den Lastwagen-Verkehr an den beiden Dörfern vorbeiführen? Für Thienel gibt es zwei Möglichkeiten: den Bau einer Umgehungsstraße oder die Errichtung einer Autobahnanschlussstelle beim Weismainer Ortsteil Buckendorf. Bei letzterer Lösung würde der Verkehr, so der 65-jährige, an den zwei Hollfelder Ortsteilen Krögelstein und Freienfels vorbeigelenkt werden.

Auch wenn noch nicht aller Tage Abend ist, so ist für Thienel der lautstarke Protest nicht umsonst gewesen. Er verweist auf ein Schreiben von Geschäftsführer Matthias Sturm. Darin schreibt dieser wörtlich und Bezug nehmend auf ein Gespräch mit Dr. Hanno Thiele, einem Kollegen Thienels aus der Bürgerinitiative: „Ich hatte Ihnen am Telefon gesagt, dass für den Fall, dass der Gemeinderat oder die Genehmigungsbehörde einem solchen Ansinnen negativ gegenüberstehen würden und wir den Eindruck gewinnen, dass eine Umsetzung wegen großem Widerstand unmöglich wäre, wir uns frühzeitig vom Standort Stadelhofen zurückziehen würden.“

Eine Siegesfeier habe es ganz bewusst noch nicht gegeben, nur eine kleine Zwischenfeier für die vielen Helfer, die sich an der Unterschriftensammlung und der Protestaktion beteiligten. Man wolle nicht das Risiko eingehen und im Siegesrausch überrumpelt werden.

Nicht im Siegesrausch überrumpelt werden

Die Firma Sturm ist die große Unbekannte im Ringen um einen Standort. Was wenn sie doch wieder den alten Standort ins Auge fasst? „Wir sind darauf vorbereitet und würden wieder protestieren“, antwortet Thienel. Die Kommune Stadelhofen sei derzeit nicht gut zusprechen auf das Unternehmen aus Baden-Württemberg, führt der Redner weiter aus. Warum? Weil die Firma ihre drei angekündigten Präsentationstermine abgesagt habe. Beim letzten seien sie sogar sechs Tage vorher nach Hollfeld gegangen und hätten dort ihr Projekt vorgestellt.

Für den Fall, dass es in Hollfeld wider Erwarten nicht klappen sollte, schließt Christoph Thienel eine Rückkehr nach Stadelhofen nicht aus. Dann könnte es sein, dass die Gemeinderäte umkippen, obwohl es nichts bringe – außer Problemen. Die Situation sei nämlich eine ganz andere als in Hollfeld. „Dort handelt es sich um städtische Grundstücke, die in den Stadtsäckel fließen. In Stadelhofen hingegen haben wir es mit Privatgrundstücken zu tun, an denen die Gemeinde nichts verdient.“

Von Stephan Stöckel

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