aktualisiert:

ALTENKUNSTADT / BURGKUNSTADT

Weltmeister-Korso am Obermain

Weltmeister-Korso am Obermain
Die Radrennen im Innerortsbereich von Altenkunstadt, bald als „Obermain-Kriterium“ bekannt, erfreuten sich immer allseitiger Beliebtheit und boten spannende Entscheidungen in den unterschiedlichen Klassen. Foto: Dieter Radziej

Das Fahrrad verleiht mehr als zwei Jahrhunderte dem Menschen eine besondere Mobilität. Auch am Obermain bestimmte es über viele Jahrzehnte hinweg als wichtiges Fortbewegungsmittel maßgebliche das Geschehen. Durch den Ausbau der Wander- und Fahrradwege hat es in jüngster Zeit sogar wieder an Bedeutung gewonnen.

Doch zuerst lohnt sich ein Blick in die Geschichte bis in die Zeit, in der das Fahrrad entwickelt wurde, ins 18. Jahrhundert. Hier entstand das sogenannte Laufrad, ein hölzerner Rahmen mit Laufrädern aus dem gleichen Material.

Radfahren zu Beginn eine rustikale Angelegenheit

Zur damaligen Zeit hatte das Gefährt allerdings weder einen gepolsterten Sattel, geschweige denn Bremsen. Dass zu dieser Zeit das Fahrradfahren auf den wenig befestigten Straßen, die zudem nicht selten auch jede Menge Schlaglöcher aufwiesen, eine recht rustikale Angelegenheit war, versteht sich von selbst. Bald kam dann das Hochrad hinzu, im Volksmund Veloziped genannt, hinzu, bevor das Fahrrad seine ursprüngliche Form zu Beginn des 19. Jahrhunderts, erhielt.

Seit dieser Zeit wurde das Zweirad zum Fortbewegungsmittel schlechthin. Es verlieh vielen Menschen eine neue Flexibilität, und auch für den Weg zur Arbeitsstelle wurde es reichlich genutzt. Bald entwickelte sich dabei die Idee, das Fahrrad in den Mittelpunkt von Vereinstätigkeiten zu stellen, und so kam es nicht von ungefähr, dass sich in Burgkunstadt (1912) und in Altenkunstadt (1913) Radfahrvereine gründeten.

Durch Ausfahrten die Heimat besser kennengelernt

Ein wesentliches Anliegen war es dabei, mit gemeinsamen Ausfahrten die Heimatregion näher kennenzulernen. Jedoch erwiesen sich diese gemeinsamen Bestrebungen nicht von langer Dauer, denn der Erste Weltkrieg kam dazwischen und riss große Lücken in die Radsportvereine.

Die Neuanfänge nach dem Kriegsende erwiesen sich dann als recht schwer, denn viele Menschen hatten in den Nachkriegsjahren vor allem familiäre Sorgen und wandten sich deshalb nicht gleich wieder den Vereinsaktivitäten zu. Und dennoch begann sich bald die Freude am Radfahren von Neuem zu entfalten. Es gelang dem Radfahrverein Concordia Altenkunstadt, sich sogar eine eigene Standarte anzuschaffen, die fortan bei allen Festlichkeiten mitgeführt wurde.

Bauunternehmer ruft Radrennsportabteilung ins Leben

Immer wenn in jedem Jahr die Tour de France beginnt, kommen in Altenkunstadt die Erinnerungen an sportlichen Betätigungen mit dem Zweirad auf. Während jenseits des Mains vor allem das Radballspiel den sportlichen Umgang mit dem Fahrrad bei den Concorden bestimmte, gelang es unter der Regie des einstige Bauunternehmers Severin Pauler, eigentlich eines Burgkunstadters, in Altenkunstadt eine Radrennsportabteilung ins Leben zu rufen. Aufgrund des intensiven Trainings stellten sich dabei bald die ersten Erfolge ein.

Mit dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder eine Etappe in den Radfahrvereinen, die das sportlichen Geschehen vollends zum Erliegen brachte. Das Fahrrad war und blieb als dass wichtigste Fortbewegungsmittel erhalten, denn nur wenige Familien konnten sich ein Auto leisten, und hinzu kam dann noch, dass der Treibstoff immer knapper wurde.

Saalsport-Veranstaltungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkriegs lag das Vereinsgeschehen am Boden. Entschlossene Bürgerinnen und Bürger sorgten aber dafür, dass ihr Verein wieder mit Leben erfüllt wurde. Manche „Saalmaschinen“ – gemeint waren damit Radballräder – hatten die Kriegsjahre überdauert, und so gab es in Burgkunstadt bald wieder Saalsport-Großveranstaltungen im Radball, Kunstradfahren und Kunstkraftsport.

Mitunter stellte die Schuhstadt sogar bayerische Meister, und selbst bei den deutschen Jugendmeisterschaften gelang dem Vereinsnachwuchs sogar einmal der Sprung auf das Siegertreppchen. Unvergessen ist bei alledem auch, als die mehrmaligen Radballweltmeister (1955 Mailand, 1957 Lüttich) Rudi und Willi Pensel im offenen Wagen und mit einem Autokorso durch den Landkreis in Richtung ihrer Heimatstadt Kulmbach fuhren. Mit ihnen blieb auch eine jahrzehntelange Sportfreundschaft zu den Concorden in Burgkunstadt erhalten, und unzählige Male wirkten sie nach ihrer aktiven Zeit in der Stadthalle als Schiedsrichter bei Radballspielen.

Concorden vielseitig aktiv

Ebenso erfolgreich nahmen Altenkunstadter Concorden an Radrennen, Wanderfahrten und Korsofahrten teil. Beiden Vereinen gelang es dabei, mit Theater-Abenden sogar etwas Geld in die klammen Kassen zu bringen. Das Vereinsleben selbst konnte langsam wieder in geordneten Bahnen verlaufen, zumal es stets auch verantwortungsvolle Mitglieder gab, die bereit waren Verantwortung zu übernehmen und ihre Vereine in die Zukunft zu führen.

Weltmeister-Korso am Obermain
Beim RV Concordia Burgkunstadt hat das Radballspiel immer einen besonderen Stellenwert; die Mannschaften haben jetzt den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Foto: Dieter Radziej

Etwas Wehmut schwingt allerdings bei alledem mit, denn wieder einmal mussten viele Veranstaltungen, sowohl gesellschaftlicher wie der sportlicher Art, bei den „Concorden“ am Obermain abgesagt werden, wobei mit dem Wort Corona alles gesagt ist.

Eine gewisse Zeit gab es keine Aktivitäten wie Radballspielen in der Stadthalle, dem Baur-Triathlon, dem Radrennen rund um Altenkunstadt, das sich als „Obermain-Kriterium“ einen bleibenden Namen erworben hatte, gemeinsamen Radtouren, Bezirkswanderfahrten und beliebten Sommerfesten wie unter anderem auch in Maineck und Theisau.

E-Bikes auf dem Vormarsch

Individuell kann aber jeder weiterhin sein Fortbewegungsmittel nutzen, und es erweist sich als erfreulich, dass viele Urlaubsgäste mittlerweile nicht nur zu Fuß die Region am Obermain erkunden, sondern verstärkt auf das Fahrrad umgestiegen sind. Spezielle Angebote für Radfahrer, neue Radwege und die E-Bikes, die dies alles mit Batteriebetrieb erleichtern, kennzeichnen dabei das Radfahren in der Region.

Bleibt nur zu hoffen, dass es bald wieder radsportliche Ereignisse für die Zuschauer gibt und solche Aktivitäten wie Ausfahrten, die Gemeinschaftserlebnisse mit dem allseits beliebten Fahrrad umweltfreundlich und energiesparend für die ganze Familie vermitteln können.

Von Dieter Radziej

Weitere Artikel