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Weismain: Zweikampf mit Gartenschaufel wegen Streit um Laub

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Gewiss war die Angelegenheit nicht lustig, aber komische Züge trug sie dennoch. Zwei Männer im östlichen Landkreis schaufelten sich gegenseitig Laub über den Zaun. Bis einer mit der Schaufel zuschlug. Hätte man eine solche Szene bei Charlie Chaplin zu sehen bekommen, hätte man darüber gelacht. So aber landete der Fall vor dem Amtsgericht Lichtenfels.

„Das war 'ne Stresssituation, ich war angeschlagen, angespannt, habe geschwitzt“, schilderte der 53-jährige Angeklagte seinen Zustand an diesem Tag im vorigen November. Er habe seinen 47-jährigen Nachbarn so heftig mit der Schaufel auf den Kopf geschlagen, dass dieser eine Gehirnerschütterung und eine auffällige Prellmarke davontrug, hielt ihm Staatsanwalt Alexander Brandt vor. Er warf ihm gefährliche Körperverletzung vor, denn der Schlag hätte auch schlimmere Folgen haben können. „Mit weniger Glück wäre mein Kopf gespalten worden“, zitierte das Opfer die Diagnose seines Arztes.

Was den Nachbarn so gegen den anderen aufbrachte, versuchte Richterin Daniela Jensch zu ergründen. Und so berichtete der Angeklagte, dass er mit dem Nachbarn schon zum zweite Mal in Streit geraten war. Der Grund dafür sei das vom Baum gefallene Laub, das an diesem Tag von der Stadt abgeholt werden sollte. Der Nachbar schaufelte es hinter den Baum, doch der Wind wehte es in den angrenzenden Garten. Also habe er er es über den Zaun geschaufelt, berichtete der Angeklagte. Das habe der Nachbar nicht zulassen wollen und es wieder zurückgeschaufeln. Bald schaufelten beide Männer gleichzeitig gegeneinander an und ihr Ärger aufeinander stieg mit jeder Schaufel.

„Mit weniger Glück wäre mein Kopf gespalten worden.“
Das Opfer zitiert die Diagnose seines Arztes

„Letztlich waren wir beide nicht sehr intelligent. Wir hätten sagen können: 'Komm, warten wir auf morgen, wir klären das mit der Stadt'“, räumte der Angeklagte ein. Doch in aufgeheizter Stimmung kam es zu einem Wortwechsel. Dabei habe der Nachbar den Angeklagten aufgefordert: „Schlag zu, schlag zu!!“ „Da hab ich zugeschlagen“, sagte der 53-Jährige.

„Und wie ist es jetzt?“, erkundigte sich Richterin Jensch zum Klima der Nachbarschaft. „Jetzt gibt es kein Laub“, erhielt sie vom Angeklagten zur Antwort. Auf die Frage, wie fest er zugeschlagen habe, meinte er: „Offensichtlich habe ich ihn – Gott sein Dank – nicht mit voller Wucht getroffen. Zu Boden gegangen ist er nicht, er ist direkt weggelaufen.“

Das Opfer fordert 4500 Euro Schmerzensgeld

Wegen des Schlags forderte das Opfer Schmerzensgeld in Höhe von 4500 Euro. „Die Höhe ist nicht gerechtfertigt, auch weil es ein Mitverschulden seitens des Opfers gibt“, meinte der Verteidiger Manfred Glöckner. Wie es dazu kommen konnte, dass der Geschädigte sein Gegenüber aufforderte, zuzuschlagen, wollte Staatsanwalt Brandt wissen. „Wir haben die Schaufeln so als Schutz gehalten“, sagte der Angeklagte und mimte eine Abwehrhaltung „Irgendwann hat er gesagt: 'Schlag zu!'“

Das Opfer berichtete, wie er den Nachbarn wegen des Laubs zur Rede stellte. „Können wir uns wie normale Leute unterhalten?“, habe er gefragt. Doch der Angeklagte sei nicht darauf eingegangen. „Er sagte 'Ich hau dir gleich die Schaufel über den Kopf', und ich habe gesagt, er solle doch zuschlagen, weil ich ja nicht davon ausging, dass er' s tut.“ Zur Frage der Richterin nach dem derzeitigen Umgang miteinander sagte der Geschädigte:„Lautlos“.

Der ermittelnde Polizeibeamte erklärte, er sei „davon ausgegangen, dass kein versuchtes Tötungsdelikt“ vorgelegen habe. Die Kontrahenten hätten sich wohl „in Rage geredet und geschaufelt“. Überdies habe der Täter auf ihn einen einsichtigen Eindruck gemacht. Aus der Art des Schlages schloss der Beamte, dass „die tötende Absicht bei Ausführung gefehlt hat“, denn schließlich hätte der 53-Jährige weiter ausholen und stärker zuschlagen können.

Dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist, hielt ihm nicht nur die Richterin, sondern auch Staatsanwalt Brandt zugute. Brandt wollte den Schlag allerdings nicht als minder schwere Tat werten. Die Streithähne hätten sich zwar gegenseitig hochgeschaukelt, aber ein solcher Schlag auf den Kopf sei sehr gefährlich. Er plädierte daher auf sieben Monate Haft zur Bewährung auf Zwei Jahre und eine Geldauflage von 2500 Euro. Der Verteidiger meinte, dass in dieser „Provinzposse“ eigentlich die Stadt Weismain auf die Anklagebank gehörte, weil die Regelung zum Laubabholen einen „Streit vorprogrammiere.“ Der Schlag sei eher unabsichtlich erfolgt, „dummerweise“ sei der Kopf des Opfers dazwischen gewesen. Er halte eine Geldstrafe, für ausreichend. Richterin Daniela Jensch folgte dieser Ansicht und verhängte eine Geldstrafe von 7560 Euro.

Von Markus Häggberg

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