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WEISMAIN

Weismain erinnert an den Abzug der Schweden

Weismain erinnert an den Abzug der Schweden
Ein eindrucksvolles Bild bot die Schwedenprozession durch Weismain. Foto: Roland Dietz

Weismain

Einzigartig im Landkreis ist die alljährliche Schwedenprozession in der Jurastadt Weismain am Feiertage Mariä Himmelfahrt. Damit gedenken die Bürger des als wunderbar empfungenen Abzugs schwedischer Truppen im Dreißigjährigen Krieg vor 388 Jahren.

Weismain erinnert an den Abzug der Schweden
Auch mehrere der Kommunionkinder und Kinder mit einer Jesuskind-Fahne nahmen an der Schwedenprozession teil. Foto: Roland Dietz

Noch kurz vor Beginn wurden in der Weismainer Altstadt die letzten Häuser mit Fähnchen geschmückt, die Fahnenabordnungen formierten sich und die Kommunionkinder nahmen Aufstellung zum Einzug. Und es war wieder ein außergewöhnliches Schauspiel. Zu fulminantem Orgelspiel von Marion Müller-Eitzenberger zogen die Fahnenabordnungen zusammen mit den kirchlichen Gremien, Ministranten und Stadtpfarrer Gerhard Möckel ins Gotteshaus ein. Mit einem Festgottesdienst wurden die Schwedenprozession und die „Aufnahme Mariens in den Himmel“ begangen.

Der Duft nach Kräutern erfüllt die Kirche

Der Duft nach wohlriechenden Kräutern verstärkte die festliche Atmosphäre. An Mariä Himmelfahrt werden in den Gotteshäusern Kräuterbuschen gesegnet. Der Duft der Heilkräuter und Blumen soll Freude über die Schönheit der Schöpfung ausdrücken und an den Wohlgeruch Mariens als Hinweis auf die Bewahrung ihres Leibes in der Auferstehung erinnern. Die Kräuterbuschen sollen Gottes Segen ins Haus bringen. Der Feiertag erinnere an die Heimkehr Mariens in den Himmel, sagte Pfarrer Möckel.

Für Christen seien die Vorstellung der Heimkehr zu Gott und der Glaube an das ewige Leben wichtig. Aussagen wie „Komm gut wieder heim“ oder „Komm gut an“ seien darauf zurückzuführen, denn irgendwann werde Gott an die Tür klopfen und sagen „Komm heim.“

Weismain erinnert an den Abzug der Schweden
Mit der Marienstatue sind alljährlich Weismainer Trägerinnen bei der Prozession dabei. Foto: Roland Dietz

Pfarrer Gerhard Möckel trug bei der Prozession unter dem Baldachin die Monstranz. Begleitet von der Weismainer Blasmusik bewegte sich der Zug durch die Altstadt. Es beteiligten sich Ministranten, Erstkommunionkinder, Kinder mit der Jesu-Kind-Fahne, Stadt- und Pfarrgemeinderäte, örtliche Vereine mit Fahnenabordnungen, ferner eine Gruppe von Frauen, welche die Statue der Gottesmutter trugen. Neben der Soldatenkameradschaft Weismain waren auch die befreundeten Kameradschaften aus Obersdorf und Buchau, Ehrenkreisvorsitzender Udo Rudel, die stellvertretenden Kreisvorsitzenden Sebastian Müller und Roland Lowig und Ehrenschatzmeister Fred Vogler anwesend. Nach dem sakramentalen Segen ging es zur weltlichen Feier mit Marschmusik in den Kastenhof.

Erinnerung an Krieg und Beten für den Frieden als Vermächtnis

Bürgermeister Michael Zapf erinnerte an die Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges in und um Weismain. Es sei ein gutes Zeichen, wenn Menschen einer schrecklichen Zeit mit Krieg und Tod gedenken und für den Frieden beten. Es sei eine großartige Aufgabe, aber auch Bürgerpflicht, dies an die nächsten Generationen weiterzugeben. Sein Dank galt allen, besonders der Weismainer Soldatenkameradschaft für die Ausgestaltung der gelungenen weltlichen Feier.

Seit 388 Jahren sind die Weismainer inzwischen ihrem Gelöbnis aus dem Dreißigjährigen Krieg treu. Die Schwedenprozession geht zurück auf den Glaubenskrieg, der 1618 begann und ganz Europa verwüstete. Der Konflikt zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union endete als Territorialkrieg. Die Feldherren Albrecht von Wallenstein und Johan Graf von Tilly kämpften auf Seiten des Kaisers und der Katholischen Liga gegen die protestantischen Mächte Deutschlands. Mit den ebenfalls ab 1630 im Krieg beteiligten Schweden und ihrem König Gustav Adolf waren sie die Hauptprotagonisten.

Ab 1632 standen sich protestantische Reichsstädte und Fürsten wie die Markgrafen von Ansbach und Kulmbach und katholische Fürsten von Bamberg, Würzburg, Eichstätt und dem Deutschen Orden gegenüber. Zwar wurde der fränkische Raum erst ab 1632 zum Kriegsschauplatz, doch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges bekamen die Bewohner der Dörfer und Städte auch schon zuvor zu spüren, da Franken aufgrund seiner Lage ein ständiges Durchzugsgebiet der Heere war.

Weismain erinnert an den Abzug der Schweden
Mehrere Soldatenkameradschaften und Vereine mit ihren Fahnenabordnungen nahmen auch in diesem Jahr wieder an der Weismainer Schwedenprozession teil. Foto: Roland Dietz

Die Soldaten quartierten sich ein, erpressten Proviant und Geld. Überliefert ist, dass die Mainrother Kirche im Jahr 1633 nach einem Überfall von schwedischen Reitern in Brand gesteckt wurde. Geplündert wurden das Kloster Langheim und die Mühle in Rothwind öfters. Es ist nicht sicher, aber wahrscheinlich, dass diese Soldaten zu den Besatzern Weismains gehörten. Schwedische Truppen hatten für längere Zeit ein größeres Lager bei Weismain aufgeschlagen und wollten die Stadt einnehmen. Fest steht, dass die Schweden eine Bresche in die Stadtmauer schlagen wollten, um die Stadt zu erstürmen. Dies gelang nicht. Vom Abzug der Schweden am 15. August 1634 sind drei unterschiedliche Geschichten überliefert.

Wie die Maria Weismain rettete und zwei andere Möglichkeiten

Da seit Langem vergeblich erwartet wurde, dass das kaiserliche Heer den Weismainern zu Hilfe kommt, sollen einfallsreiche Bürger kurzerhand selbst in die Rolle von Soldaten geschlüpft sein. Mit Dreschflegeln, Mistgabeln und Sensen bewaffnet, marschierten sie der Sage nach mit viel Getöse um den Kalkberg herum und wieder auf die Stadt zu. Die auf der gegenüberliegenden Talseite am Kordigast lagernden Schwedentruppen hielten die Ankömmlinge für die Armee des Kaisers und zogen fluchtartig ab.

Weismain erinnert an den Abzug der Schweden
Pfarrer Gerhard Möckel bei der Segnung der getrockneten Kräutersträuße. Foto: Roland Dietz

Allerdings könnte der Abzug auch mit der Entscheidungsschlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 zusammenhängen, da die schwedischen Truppen dort benötigt wurden. Eine andere Überlieferung berichtet, dass die Weismainer in ihrer Not Zuflucht im Gebet zur Mutter Gottes am damals relativ neuen Feiertag „Aufnahme Mariens in den Himmel“ suchten. So soll an diesem Tag eine Marienerscheinung auf der Stadtmauer, die feindlichen Soldaten in die Flucht geschlagen haben.

Die Weismainer gelobten, alljährlich des Abzugs der Schweden mit einer Prozession zu gedenken. In Weismain und in Kronach scheiterten die Schweden an der Eroberung. So wehrte man 1641 auch eine weitere Belagerung ab und erbeutete sogar 14 Kanonen, von denen einige noch im NordJURA-Museum zu sehen sind.

Von Roland Dietz

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