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WEIDNITZ

Weidnitz: Vom Gutshof zum größten Stadtteil Burgkunstadts

Weidnitz: Vom Gutshof zum größten Stadtteil Burgkunstadts
Kirchweihgaudi in Weidnitz Anfang des 20. Jahrhunderts. Foto: Dieter Radziej

Buchstäblich zusammengewachsen sind Burgkunstadt und der Stadtteil Weidnitz. Vor 50 Jahren hat der Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde den Zusammenschluss mit der Nachbarstadt beschlossen. Damit fiel die Enstscheidung für diese „Vernunftehe“ noch vor der bayerischen Gebietsreform. Die Geschichte von Weidnitz, dessen Ortsname auf einen slawischen Ursprungs deutet, reicht sehr weit. Erstmals erwähnt wird das Dorf 1180, als der Bischof Otto II. von Bamberg (1177-1196) dem Abt von Langheim seine Besitzungen bei der Trebitzmühle sowie in Strössendorf bestätigt, die das Kloster Langheim von einem Rudolf von Widence (Weidnitz) gekauft hatte.

Rudolf von Widence hatte hier ein großes Gut oder Frohnhof (Curia in Weidencz). 1194 wird er als Rudolphus de Widelize als einer der Zeugen bei der Schenkung eines Stücks Wald in Kronach durch den Bamberger Bischof Otto II. an das Kloster Prüfening genannt. In dieser Urkunde wird erstmals Bayreuth (Baierrute) erwähnt. Zeitlebens schien er dem Kloster Langheim wohlgesonnen gewesen zu sein, denn 1225 bestimmte Abt Heinrich III., alljährlich zwei Jahrestage zu Ehren des Rudolph von Weidenz, seiner Gattin Mechthilde und deren Kinder Hedwig und Hildebrand. 1256 bestätigt der Langheimer Abt, dass die von Widence den Getreidehof Hochstadt, das Gut Burgstall und das Dorf Halle (bei Oberlangenstadt) gestiftet haben.

Auch nach dem Erlöschen des Adelsgeschlechts derer von Widence im 12. Jahrhundert wird das Gut in den folgenden Jahrhunderten bei Erbschaftsangelegenheiten mehrfach unter dem Namen Weidnitz erwähnt. Die Entwicklung von einem kleinen Weiler zum Dorf vollzog sich zwischen 1400 bis etwa 1800. Hier wird auch berichtet, dass das einstmals selbständige Dorf 1792 aus 29 Häusern bestand.

Begrüßung der Befreier von der Nazi-Diktatur mit Betttüchern

Weidnitz: Vom Gutshof zum größten Stadtteil Burgkunstadts
Abgebrochen wurde das Haus Weidnitz 1. Foto: Dieter Radziej

Durch seine Lage an der einstigen Handelsstraße nahm Weidnitz an der allgemeinen Entwicklung teil. So rollten bereits früh im 20. Jahrhundert nicht nur Pferde- und Kuhgespanne, sondern auch die ersten Autos durch das Dorf. Als die US-Armee zum Ende des Zweiten Weltkriegs von Horb her einrückte, glich die Durchgangsstraße einem Meer weißen Fahnen – meist Betttücher, die aus den Fenstern hingen.

Die günstige Lage im Maintal, wo im 19. Jahrhundert die Eisenbahnstrecke von Bamberg nach Hof errichtet wurde, zog viele Menschen an, die in der Schuhindustrie und später der beim Versandhaus Baur eine Arbeitsstelle fanden oder einen Gewerbebetrieb eröffneten. Die Fassionslisten (Steuerlisten) der einst selbstständigen Gemeinde verzeichneten eine Goldschmiede, eine Sattlerei, eine Weberei, eine Schmiede, Schuhwerkstätten, eine Bäckerei, Schneidereien, eine Kohlenhandlung, eine Schlosserei, eine Schreinerei, eine Gärtnerei, einen Friseur und einen Büttner. Sogar eine Brauerei, die Max Herold betrieb, zwei Lebensmittelläden, ein Autohaus mit Tankstelle und mehrere Gastwirtschaften gab es. Erhalten geblieben ist der traditionsreiche Landgasthof „Zum Anker.“

Feuerwehr und Gesangverein prägen das gesellschaftliche Leben

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Fast alle Männer in Weidnitz engagieren sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Ein Foto von einer Jubiläumsfeier. Foto: Dieter Radziej

Das gesellschaftliche und kulturelle Leben gestalteten die 1886 gegründete Freiwillige Feuerwehr und der 1923 entstandene Gesangverein. Schulisch und konfessionell war Weidnitz mit Strössendorf verbunden. Da die meisten Einwohner evangelisch waren, gingen sie zu den Gottesdiensten in die Strössendorfer Kirche, während die Katholiken nach Altenkunstadt pfarrten. Im Gemeindebuch von 1836 bis 1844 ist vermerkt, dass die Einwohners ein Sing- und Holzgeld für die Besoldung des Strössendorfer Lehrers zur Verfügung stellten. Auch einen Beitrag zum Gehalt des Pfarrers im Nachbarort leisteten sie.

Als eine neue Straße von Weidnitz nach Burgkunstadt geplant wurde, beschloss der Gemeinderat, sie als Allee anzulegen. Ein Ereignis war es, als die fleißigsten Schüler und ihre Lehrer einmal von den Strössendorfer Schlossherren eingeladen und bewirtet wurden. Überliefert sind Planungen für den Bau einer „Runkelrübenzuckerfabrik“, einer Essig- und Likörfabrik und die Förderung der Seidenraupenzucht. Auch ein Verein zum Ausbau des Kölner Domes sollte gegründet werden. Für Aufregung sorgte die Einquartierung österreichischer Truppen im Ort und die Feier des 90. Geburtstags des Prinzregenten Luitpold von Bayern am am 12. März 1911, zu dessen Ehren eine dreifache Luitpold-Linde gepflanzt wurde.

„Eine schöne Braut braucht keine Mitgift.“
Transparent zur Eingemeindung
Weidnitz: Vom Gutshof zum größten Stadtteil Burgkunstadts
Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben von Weidnitz waren die Auftritte und Jubiläumsveranstaltungen des Gesangvereins. Im Bild der ehemalige Vorsitzende Gottlob Lauterbach und der letzte ehrenamtliche Bürgermeister Heinrich Mader (2. v. re.) mit dem Chor auf der Festbühne. Foto: Dieter Radziej

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Weidnitz deutlich. Hatten 1846 nur „283 Seelen“ im Dorf gelebt, waren es 1950 bereits 391 Einwohner in 53 Häusern. Immer stärker begann sich Weidnitz, das über attraktive Baugrundstücke verfügte, der Stadt Burgkunstadt anzunähern. 1971 getroffen beschloss der Gemeinderat, der Eingemeindung nach Burgkunstadt zuzustimmen. Bei einem Festakt wurde das Ortsschild „Gemeinde Weidnitz“ abgebaut und die beiden Bürgermeistern Klaus Pfadenhauer und Heinrich Mader durchschnitten ein symbolisches Band. „Eine schöne Braut braucht keine Mitgift“, stand auf einem Transparent, das die Weidnitzer in der Lichtenfelser Straße, an der einstigen Gemeindegrenze, aufgehängt hatten. Seitem hat sich Weidnitz zum größten Stadtteil von Burgkunstadt entwickelt und seine Einwohnerzahl nahezu verdoppelt.

Von Dieter Radziej

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