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LICHTENFELS / BURGKUNSTADT

Wann dürfen Musiker im Landkreis Lichtenfels wieder spielen?

Wann dürfen Musiker im Landkreis Lichtenfels wieder spielen?
Auf Du und Du mit seinen musikalischen Idolen – die Corona-Pandemie macht das derzeit unmöglich. Die heimischen Konzertveranstalter hoffen, dass es im Herbst wieder weitergeht. Foto: Stephan Stöckel

Ob „Paunchy Cats“ oder „TECnet Zentrum“ – in den heimischen Musikkneipen und Kleinkunstbühnen erklingen derzeit keine glühenden Soli, keine donnernde Beats und auch kein rauchiges Timbre. Das Corona-Virus hat die heimische Musik-Szene in einen Dornröschenschlaf versetzt. Wie lange dieser andauern wird, weiß derzeit niemand. Die Veranstalter von Rock-, Blues- und Popkonzerten, die es finanziell und ideell hart getroffen hat, hoffen, dass bereits im Herbst die Muse wieder aus ihrem unfreiwilligen Schlummer wachgeküsst wird. Die anfängliche Schockstarre ist einem pragmatischen und zukunftsorientierten Handeln gewichen, wie eine Umfrage unter heimischen Veranstaltern zeigt.

„Denn ohne die Musik wäre das Leben ein Irrtum.“
Sebastian Alsdorf, Wirt von „Paunchy Cats“ zitiert Friedrich Nietsche

Kalt erwischt hat es Norbert Czisch vom Gasthof „Zur Linde“ in Unnersdorf. Vor der Sommerpause wollte er im März noch zwei Konzerte veranstalten. Der 61-Jährige hatte gehofft, dass der Corona-Kelch an ihm vorübergehen würde. Schließlich hatte der Freistaat zu diesem Zeitpunkt nur Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern verboten. „Der Bassist der Gruppe ,Sonny Ronny & The Shotguns' hatte als Altenpfleger Angst, sich bei dem Konzert anzustecken und das Virus an seine Heimbewohner weiterzugeben. Im Falle des österreichischen Künstlers Walter Pucher war nicht klar, ob er sein Heimatland verlassen dürfe“, erzählt der Gastwirt.

Statt Konzerte abzuhalten, verkauft der Wirt Pizza und Salat

Den finanziellen Schaden durch die Konzertausfälle beziffert er auf 1000 Euro. Umso dankbarer ist er seinen Stammgästen, die in der Krise seinen Außer-Haus-Verkauf von Pizza und Salaten zu schätzen wissen. Die sich abflachende Kurve der Neuinfektionen stimmt ihn zuversichtlich, dass es im Herbst mit Konzerten weitergehen könnte.

Experten, wie der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, befürchten, dass es zwei Jahre dauern könnte, bis ein Impfstoff auf den Markt kommt. Für die Musiker und Veranstalter wäre das, so Czisch, eine äußerst schwierige Sache. „Man kann Geisterspiele im Fußball abhalten, aber keine Geisterkonzerte“, betont er.

Gerhard Löffler, der im „Café Moritz“ in Lichtenfels regelmäßig Konzerte organisiert, verweist auf den ideellen Verlust: „Die Musiker haben Freude am Musizieren und werden dieser beraubt.“ Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen verboten. Ab welcher Personenzahl beginnen sie? Das fragen sich derzeit viele Veranstalter kleinerer Konzerte. Löffler wünscht sich Klarheit. Es sollte eine exakte Begrenzung der Anzahl mit Auflagen und Schutzmaßnahmen geben. Der Lichtenfelser hofft, dass es im Herbst wieder Musikabende geben werde. Durch einen längeren Verzicht auf Veranstaltungen gehe nicht nur ein Stück Lebensqualität verloren, findet er. „Psychische Krankheiten würden dann unser Leben bestimmen“, warnt Löffler.

Spendenaktion rettet Kleinkunstverein TECnet bis Herbst

Schwer getroffen von der Gesundheitskrise wurde der Burgkunstadter Kleinkunstverein TECnet Obermain, der in seinem „TECnet Zentrum“ in Burkersdorf regelmäßig Konzerte und Comedy-Abende organisiert. Alle Frühjahrsveranstaltungen mussten abgesagt werden. Der Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Konzerterlöse finanziert, stand kurz vor dem Aus. Nach der Hauptversammlung, die man online abhielt, machte der Vorstand Nägel mit Köpfen. „Mein Stellvertreter Markus Rauch hatte den genialen Einfall, eine Spendenaktion zu starten. Dadurch ist das Fortbestehen bis zum Herbst gesichert“, berichtet Vorsitzender Jürgen Bergmann aus Burgkunstadt.

Das Sommerfest im August wird im Verein kritisch gesehen. „Ich habe keine Lust, ein ,Super-Spreading-Event‘, auf dem sich viele Leute infizieren, mit zu organisieren“, sagt Rauch. Konzerte mit Musik zum Tanzen sieht er in Zeiten des Abstandsgebots als unmöglich an. Veranstaltungen, bei denen es nur um das Genießen von Musik gehe, ließen sich hingegen unter Auflagen, wie Limitierung der Besucherzahl, Hygienekonzepten und dem Aufnehmen der Kontaktdaten zum Nachverfolgen eines Infektionsgeschehens ausrichten.

Wann geht es im „TECnet Zentrum“ wieder los? „Sobald die bayerische Staatsregierung es wieder erlaubt. Die Planungen für den Herbst sind bereits gemacht“, sagt Bergmann.

Auch die Burgkunstadter Kleinkunstkneipe „Rösla“ hat geschlossen. Dass die Gesundheitskrise der Musikszene den Todesstoß versetzen könnte, glaubt Betreiber Stephan Herold nicht, der durch seinen Hauptberuf als kaufmännischer Mitarbeiter bei der Baur-Gruppe finanziell abgesichert ist. Es werde sich in den nächsten Wochen und Monaten einiges bewegen. Dann werde man auch Wege finden, um wieder Live-Musik zu veranstalten. „Für viele Leute und deren Wohlbefinden ist sie einfach unersetzlich“, meint der Konzertveranstalter.

Einen Strich durch die Rechnung machte das Corona-Virus der Lichtenfelser Musikkneipe „Paunchy Cats“. Das „16th Anniversary Konzert“ im Mai, zu dem Bands wie die „Babylon Bombs“ aus Schweden eingeflogen werden sollten, musste abgesagt werden. „Die Flugtickets haben wir schon lange bezahlt und auf eine Erstattung kann man nur hoffen, wenn die Flüge für Bands gestrichen werden. Sollte dies nicht der Fall sein, bleiben wir auf den Flugkosten sitzen und müssen diese bei einem Nachholtermin wieder zahlen“, schildert Inhaber Sebastian Alsdorf die missliche Lage.

Um sich finanziell über Wasser zu halten, wurde eine Spendenaktion gestartet, bei der 1800 Euro zusammenkamen. Außerdem werden Gutscheine und Werbeartikel verkauft. Alsdorf wünscht sich baldige Klarheit von Seiten der Politik, wie es mit Konzerten weitergehen kann. „Denn ohne die Musik wäre das Leben ein Irrtum“, zitiert er den Philosophen Friedrich Nietzsche.

Von Stephan Stöckel

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